Deutsche Minderheit

Rückenwind aus Berlin

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Dirk Thöming
Nordschleswig
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Gösta Toft, Vorsitzender des Sozialdienstes für Nordschleswig (links), berichtete über die Arbeit des Dienstes und sprach auch Mittelkürzungen an. Foto: Karin Riggelsen

Der Minderheitenbeauftragte der Bundesrepublik, Bernd Fabritius, unterstützt den Sozialdienst für Nordschleswig beim Kampf um Anerkennung.

Hoher Besuch aus Berlin für die deutsche Minderheit: Der Beauftragte der Bundesregierung für Minderheiten, Bernd Fabritius, stattete dem Bund Deutscher Nordschleswiger und seinen Einrichtungen gestern im Laufe des Tages einen Besuch ab. Auf dem Progamm standen das Deutsche Museum, die Bücherei im Multikulturhaus und die deutsche Schule in Sonderburg (Sønderborg), der Neubau des Kindergartens in Broacker (Broager) sowie das Familien-und Erholungsheim Haus Quickborn des Sozialdienstes für Nordschleswig in Kollund.

Der Sozialdienst-Vorsitzende Gösta Toft berichtete über die Arbeit des Sozialdienstes und über die Kürzung von Mitteln durch den dänischen Staat.

„Wir bekommen auch Zuschüsse von den Kommunen, aber die 350.000 Kronen, die wir an staatlichen dänischen Mitteln bekamen, sind leider komplett gestrichen worden“, sagte er. Toft schilderte, dass der Sozialdienst für alle, ob aus der Minderheit oder Mehrheitsbevölkerung, offen stehe, und daher auch Zuschüsse wie für dänische soziale Einrichtungen gezahlt werden sollten.

„Wir meinen, wir sprechen auch die Dänen an. Niemand wird hier ausgeschlossen“, so Toft, der hinzufügte, dass „Dänemark ziemlich hart rangegangen“ sei mit der Streichung der Mittel.

Minderheitenbeauftragter Bernd Fabritius (CSU) und Marion Petersen vom BDN Foto: Karin Riggelsen

Bernd Fabritius bescheinigte der Minderheit „absolut wertvolle Arbeit“. Gegenüber dem „Nordschleswiger“ sagte er auch, dass er die Forderung des Sozialdienstes nach öffentlicher Förderung unbedingt unterstütze.

„Ich glaube nicht, dass es ein Argument sein kann, dass es auf der Homepage des Sozialdienstes nur die deutsche Sprache gibt. Ich denke, dies steht auch im Widerspruch zur Sprachencharta der Minderheiten“, sagte er. Fabritius lobte die Minderheit ausdrücklich für ihre Offenheit gegenüber der dänischen Bevölkerung. „Das zieht sich heute ja wie ein roter Faden durch die verschiedenen Stationen des Besuches, dass die Angebote auch für Menschen, die nicht der Minderheit angehören, offen sind“, sagte er anerkennend, beispielsweise mit Blick auf den neu gebauten deutschen Kindergarten in Broacker, dessen Außengelände am Wochenende allen offen steht.

Ich bin ganz zuversichtlich, dass sich das Problem selbst löst.

Bernd Fabritius (CSU), Minderheitenbeauftragter der Bundesregierung

Fabritius sagte gegenüber dem „Nordschleswiger“, dass er sich gegebenenfalls auf diplomatischem Weg für den Sozialdienst bei der dänischen Regierung starkmachen wolle. „Ich bin gerne bereit, den Kontakt zur dänischen Regierung aufzunehmen und nachzufragen. Wir lösen es in einem partnerschaftlichen Dialog“, sagte er. Er meinte aber, dass dies wahrscheinlich gar nicht nötig werden würde. „Die deutsche Minderheit hat es selbst in die Hand genommen. Ich bin ganz zuversichtlich, dass sich das Problem selbst löst.“ Hinrich Jürgensen, Vorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger, pflichtete ihm bei.

„Es war eine Maßnahme der alten Regierung. Jetzt gibt es eine neue Regierung, und wir wollen Staatsministerin Mette Frederiksen eine Chance geben“, sagte er. „Ich hoffe, wir bekommen es auf dem kleinen Dienstweg hin“, so Jürgensen.

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