Brauch

Putte-Traditionen auch am DGN

Sarah Heil Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Das Putte-Fest am DGN im vergangenen Jahr. Hier geht es nicht um Erniedrigungen, sondern ums Kennenlernen und Spaß haben. Foto: Privat

Die Schülerin eines dänischen Gymnasiums musste sich einiges Anhören, als sie über erniedrigende Aufnahmerituale berichtete. Aufnahmerituale gibt es am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig auch, aber von anderer Art, wie Rektor Jens Mittag sagt.

Es gehört an fast allen Gymnasien in Dänemark zur Tradition: die neuen Schüler der 1G werden nach einigen Wochen an der Schule bei „Putte-Feiern“ von den älteren Schülern willkommen geheißen. Auch am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig ist das der Fall: Die Küken (dänisch: Puttehøne) werden mit Gesellschaftsspielen begrüßt und bekommen ein oder mehrere Ps ins Gesicht gemalt.

In anderen Gymnasien geht es dagegen heiß her. Freitag berichtete die Tageszeitung B.T. über den Fall einer Schülerin des Rungsted Gymnasiums. Die 17-Jährige sah sich zahlreichen Anfeindungen in sozialen Netzwerken ausgesetzt, nachdem sie über erniedrigende Rituale im Rahmen der sogenannten „putte-middage“ berichtete. Dort mussten 1G-Schülerinnen bestimmte Kleidung anziehen (u. a. rote Unterwäsche) und für eine Gruppe von Jungs aus der 3G kellnern. Dabei wurden die jungen Mädchen zur Schau gestellt und erniedrigt (u. a. wurde an ihren Blusen gezerrt, sodass die Knöpfe abrissen).

Das Thema hatte am Wochenende in ganz Dänemark große Wellen geschlagen. Unterrichtsministerin Merete Riisager (Liberale Allianz) verweist die Verantwortung jedoch an die Gymnasien. Ihrer Meinung nach müssen die Rektoren selbst für Konsequenzen sorgen.

Mit den Schülern reden

Für Jens Mittag ist es in diesem Jahr das erste Putte-Fest als Rektor des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig in Apenrade. „Wir versuchen am DGN jedem das Recht zu geben, so zu sein, wie er ist“, sagt Mittag. Dies beinhalte allerdings auch, dass Erniedrigungen nicht geduldet würden. Angesichts der Tatsache, dass in jedem Jahr die gleichen Plakate aufgehängt werden, stelle sich ihm die Frage, wo da der Spaß liege. Die Plakate zeigten die hierarchische Anordnung der Schüler in einer Pyramide: ganz oben die 3G, darunter die 2G, dann „Dreck“ und schließlich die 1G.

Der Aussage der Unterrichtsministerin stimmt Mittag voll und ganz zu. „Die Verantwortung liegt primär beim Rektor.“ Er habe dafür gesorgt, dass besagte Plakate entfernt wurden und mit den Schülern gesprochen, damit dies nicht wieder vorkomme. Sekundär müssten aber auch die Eltern ihrer aufklärerischen Pflicht nachkommen. In seinen Augen handelt es sich dabei nicht um ein schulinternes, sondern um ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Auch wenn Mittag nicht glaubt, dass die Feierlichkeiten am DGN solche Ausmaße annehmen werden, wie sie im aktuellen Fall aus Rungsted bekannt geworden sind, so ist er dennoch der Auffassung, dass man mit den Schülern darüber reden müsse.

Der erste Schritt liege immer darin, an die Vernunft der Schüler zu appellieren. Erst wenn sich herausstellen sollte, dass die Hoffnung auf Einsicht vergebens ist, müsse über Konsequenzen nachgedacht werden, so Mittag. In Bezug auf den Fall auf Nordseeland erwägt Mittag auch das Putten-Fest gegebenenfalls abzusagen, sollten solche Ausschreitungen am DGN bekannt werden. Ihm ist es wichtig, dass alle Schüler wissen, dass seine Tür jeder Zeit und für jeden Schüler offen stehe.

Kennenlernspiele

Den Schülern selbst sind bislang keine negativen Reaktionen aufgefallen. Lars Søndergaard ist Schüler der 3G des DGN. Im vergangen Jahr war er Mitglied des Festkomitees und als solches für die Organisation des Putten Festes verantwortlich.

Ihm widerstrebt es im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig von einer „Erniedrigungskultur“ zu sprechen, wie es der Vorsitzende des Verbandes der Gymnasiasten, Malte Sauerland-Paulsen, tut.

Die Spiele – darunter Luftballonspiele und erotisches Bananenessen – seien freiwillig und wer nicht mitmachen wolle, könne dies jederzeit zu verstehen geben. Ekaterina Khristoforova, ebenfalls Schülerin der 3G stimmt ihrem Mitschüler zu. „Die Rituale sind eigentlich zum besseren Kennenlernen und als Spaß gedacht.“ Putte-Dinners wie das in Rungsted gebe es hier nicht.

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