Deutsche Minderheit

Projekt „Jugendbotschafter“: Identitätsfragen im Mittelpunkt

Projekt „Jugendbotschafter“: Identitätsfragen im Mittelpunkt

Projekt „Jugendbotschafter“: Identitätsfragen im Mittelpunkt

Pauline Severin
Pauline Severin
Apenrade/Aabenraa
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Auf spielerische Weise lernen die Schülerinnen und Schüler die Minderheit näher kennen. Foto: Thore Naujeck

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Geschichte, Identität, Gemeinschaft: Was bedeutet es, Teil der Minderheit zu sein, und welche Rolle spielt dabei die persönliche Geschichte? Das Projekt „Jugendbotschafter“ startete mit 16 Mädchen und Jungen der 7. Schulstufe am Dienstag in die zweite Runde.

„Wir haben das Projekt ‚Jugendbotschafter‘ gestartet, damit die Jugendlichen sich schon früh mit der deutschen Minderheit beschäftigen, ihre Schulen repräsentieren und ihre eigene Geschichte erzählen. Denn meistens fällt es erst im Gymnasium auf, dass die Minderheit etwas so Besonderes ist“, so Käthe Nissen vom Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV).

Daher gibt es neben den Schülerbotschafterinnen und -botschaftern des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig nun zum zweiten Mal das „Jugendbotschafter-Programm“ für Jugendliche der 7. Schulstufe der deutschen Grundschulen.

Über das Projekt

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen Käthe Nissen, pädagogisch-administrative Konsulentin des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV), Jan Röhrig, Schulleiter in Rapstedt (Ravsted), Thore Naujeck, Abteilungsleiter des Deutschen Jugendverbands für Nordschleswigs (DJN), Friederike Kuhrt vom Deutschen Jugendverband für Nordschleswig und Gymnasiallehrer Gerret Liebing Schlaber.

Bunte Geschichten

Im Mittelpunkt steht das Thema „Identität“ und was es bedeutet, zur Minderheit zu gehören. „Es geht um Identitätsfragen – die Kinder sollen selbst herausfinden, dass jeder seine eigene Geschichte hat, sie aber trotzdem eine große Gemeinschaft sind“, so der Gymnasiallehrer Gerret Liebing Schlaber.

Denn auch wenn die Mädchen und Jungen zur Minderheit gehören, haben alle ihre eigene bunte Geschichte. In den drei Workshops lernen die 16 Jugendlichen somit nicht nur einander und die Minderheit, sondern auch sich selbst – und damit, wer sie sind – besser kennen.

„Ich möchte Jugendbotschafterin sein, weil es spannend ist zu verstehen, wovon man eigentlich ein Teil ist“, so Frida, die die Deutsche Schule Sonderburg (DSS) besucht und erst vor sechs Wochen mit ihrer Familie nach Dänemark gezogen ist.

Das Sprachenporträt einer Schülerin Foto: Thore Naujeck

Sprachenporträts und Kahoot

„Wir haben darüber gesprochen, wie es ist, zweisprachig aufzuwachsen oder im Sportverein mehrere Sprachen zu sprechen“, so Mathilda von der DSS.

„Dann malten wir alle Sprachenporträts: Wir hatten ein Papier mit einer abgebildeten Person und malten ins Herz unsere Muttersprachen – bei mir Russisch und Dänisch – und dann malten wir Sprachen, die wir noch gerne lernen wollen, bei mir ist es Französisch“, erklärt ihre Klassenkameradin Sonja.

Besonders das „Kahoot“, ein Frage-Antwort-Spiel mit jeweils vier Antwortmöglichkeiten, gefiel den Jugendlichen sehr. Geschichte, Feste und Sport – im Quiz konnten die 16 Schülerinnen und Schüler ihr Wissen über die Minderheit auf die Probe stellen: Was sind die Farben Nordschleswigs? Wie heißt die Zeitung der deutschen Minderheit? Wie heißt das Volksfest der deutschen Minderheit?

Das spielerische Lernen bringt den Siebtklässlern die Minderheit näher und wirft ein Licht darauf, was es bedeutet, ein Teil von ihr zu sein – egal ob man dies seit seiner Geburt oder seit ein paar Wochen ist.

Die Schülerinnen und Schüler beim Ausmalen ihrer Sprachenporträts Foto: Thore Naujeck

Etwas Besonderes sein

Nicht allen Jugendlichen ist bewusst, dass viele Dinge in ihrem Alltag etwas Besonderes sind. Dazu zählen auch die beiden „Identitätssportarten“ der deutschen Minderheit Rhönrad und Faustball.

„Ich spiele schon von Anfang an Faustball – für mich war es immer eine normale Sportart. Als mich dann Familie aus Deutschland fragte ‚Was ist das denn?‘, musste ich es immer erklären … dann wusste ich, dass es vielleicht doch etwas Besonderes ist“, meint Leo von der Förde-Schule.

Genau dieses Nachdenken und Bewusstmachen ist Ziel des Workshops.

Das erste Fazit

„Ich finde es voll gut hier. Ich wusste noch nicht so viel über die deutsche Minderheit und würde gerne noch mehr wissen“, meint Josephine von der Deutschen Schule Pattburg.

„Der Workshop gefällt mir gut, er ist sehr spannend, und ich wusste auch noch nicht so viel über die Minderheit“, sagt ihre Klassenkameradin Dortje.

Weitere Treffen sind für den 23. November am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig geplant, und das Abschlussseminar findet am 10./11. März 2023 auf dem Knivsberg statt.

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