Deutsche MInderheit

Die Null steht – für alle Verbände der Minderheit

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Leck
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Lebhafte Debatte in Leck – mittendrin Marion Petersen, Vorsitzende des BDN-Kulturausschusses. Foto: Cornelius von Tiedemann

Beim ersten Haushaltsseminar des Bundes Deutscher Nordschleswiger haben sich Vertreter der Minderheiten-Verbände darüber ausgetauscht, wie die finanziellen Mittel in Zukunft verteilt werden sollen. „Wenn wir ganz von vorne anfangen würden, würden wir es dann noch genauso machen?“, fragte BDN-Chef Jürgensen. Nicht ganz, zeigte sich am Wochenende.

In Zukunft, das war eines der zentralen Ergebnisse des Haushaltsseminars des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), soll ein ständig begleiteter Strategieprozess dafür sorgen, dass die Minderheit insgesamt jederzeit die Frage beantworten kann, wo sie hin will – und dass jeder Verband in der Minderheit für sich die Frage beantworten kann, wo er hin will. Inhaltlich – und finanziell.

Gesteuert wird dieser Prozess vom BDN, der „einen Strategieplan macht, wie wir priorisieren wollen und eine Marschroute für die Verbandsgespräche“ festlegt, so der BDN-Hauptvorsitzende Hinrich Jürgensen am Sonnabend.

„Vernünftige“ Diskussionen statt Hauen und Stechen

Ein Hauen und Stechen blieb derweil aus, als sich Vertreter aller Organisationen trafen, die dem Dachverband der deutschen Minderheit angehören, um über mögliche Umverteilungen unterhalb und neue Priorisierungen innerhalb der einzelnen Verbände zu debattieren.

„Die Erwartung war, dass wir vernünftig miteinander umgehen, dass wir eine Umstrukturierung finden, die für alle in Ordnung sein wird“, so Marion Petersen, Vorsitzende des BDN-Kulturausschusses. „So ein Prozess ist immer schwierig, man weiß nie, wie jeder einzelne Verband damit umgeht. Aber ich denke, dass wir ganz vernünftig diskutiert haben und aufeinander zugegangen sind. Ich hoffe, dass es im nächsten oder übernächsten Jahr wieder so einen Prozess gibt“, sagt sie.


Der Sozialdienstvorsitzende Gösta Toft im Gespräch mit Hinrich Jürgensen (links) und Nachschulleiter Jørn Warm. Foto: Cornelius von Tiedemann

Die Null für 2018 steht – bei allen

Lange angekündigt und penibel vorbereitet war das Treffen in der Nordsee Akademie Leck, auf dem zwar viele Zahlen durch die Luft flogen, wo die Debatte aber immer wieder, moderiert vom langjährigen Akademie-Chef Oke Sibbersen, auf den Boden geholt und in richtungsweisende statt zahlendrehende Bahnen gelenkt wurde.

Eine verbindliche Zahl aber wurde schon genannt – die Null. Die soll im Haushalt 2018 hinter dem Bericht jedes Verbandes stehen. Eine „Nullschaltung“ nennt Jürgensen diesen verbandsübergreifenden Ausgleich, „damit alle 2019 ohne ein Minus anfangen können“.

Auf dieser auf dem Haushaltsseminar in Leck im Anschluss an die offene Debatte vom Hauptvorstand beschlossenen Grundlage sollen dann alle Verbände ihre Haushaltspläne für 2019 und 2020 vorlegen – wie gehabt mit dem Grundsatz der so neu aufgestellten Festbetragsfinanzierung. Die Verbände sollen dann „zusätzliche Wünsche in ihren Haushalt einbauen und dafür zugleich einen Antrag stellen. Im Verbandsausschuss und später im Hauptvorstand wird dann priorisiert“, so Jürgensen.

Der Nordschleswiger gibt Mittel für andere Verbände frei

Das Geld für diese Zusatzwünsche kommt aus dem gemeinsamen Nordschleswig-Topf, der, wie in Leck von Chefredakteur Gwyn Nissen angekündigt wurde, für 2019 und 2020 mit rund einer Million Kronen extra aus dem Haushalt des Nordschleswigers aufgefüllt wird. Mittel, die das Medienhaus von dritter Seite bekommen hat und die in den kommenden Jahren zugunsten der Minderheit frei gemacht werden.

Abzusehen, so verlautete es, sei bereits ein Zuschuss für den Jugendverband, um das Knivsbergfest, das jährliche feierliche Sommer-Treffen der Minderheit, für 2019 und 2020 zu sichern. Eine weitere Möglichkeit, so Jürgensen, sei es, dass der BDN einen Antrag auf Beförderungszuschüsse stellt, „zum Beispiel, wenn Schulen auf den Knivsberg oder zum Deutschen Museum nach Sonderburg fahren wollen“.

Erwin Andresen
Christian Andresen (links) und Erwin Andresen. Foto: Cornelius von Tiedemann

„Der Solidargedanke ist hier zum Tragen gekommen“

Büchereidirektorin Claudia Knauer freute sich am Sonnabend über ein „hervorragendes“ Seminar in Leck. „Ich fand, dass es ein ganz, ganz angenehmes Klima war. Man hat miteinander geredet und nicht übereinander, das ist ganz zentral. Und ich finde, der Solidargedanke ist hier zum Tragen gekommen, da bin ich richtig froh“, so Knauer.

„Die Sachen, die wir tun, tun wir ja nicht, damit wir beschäftigt sind, sondern weil wir etwas erreichen wollen, ob beim Sozialdienst, bei den Büchereien oder bei der Zeitung. Dafür haben wir hier gute Arbeit geleistet. Hinter den Zahlen steht ja was, und das haben die einzelnen Verbände vermocht zu erklären. Es sind immer Menschen dahinter, wir tun das für Menschen – und ich glaube, das kam rüber“, so die Büchereidirektorin.

Auch Hinrich Jürgensen nahm das Wort „Solidargemeinschaft“ in den Mund – und zeigte sich erfreut darüber, dass seine positiven Erwartungen erfüllt wurden. „Es ist sehr gut gelaufen, wir sind alle klüger geworden, auch wenn es nicht so tiefgehend sein kann in einer so kurzen Zeit“, so der BDN-Chef.

Wegen vieler positiver Rückmeldungen noch im Laufe des Seminars habe sich bei ihm der – letztlich vom Hauptvorstand bestätigte – Wunsch gefestigt, „das hier gerne fortzusetzen, indem wir jedes Jahr, oder je nach Größe des Verbandes auch zwei Verbände in einem Jahr, mal so komplett analysieren, eine Richtlinie zusammen mit dem Verband und dem Hauptvorstand ausstechen, wo wir hinwollen mit dem Verband und mit der Minderheit.“

Dann, sagt er, könne er sich vorstellen, dass „die Solidarität und das Verständnis der verschiedenen Verbände noch größer werden“.

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