Nachruf

Nicht nur der „Herr Finanzminister“

Nicht nur der „Herr Finanzminister“

Nicht nur der „Herr Finanzminister“

Apenrade/Aabenraa
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Hermann Heil Foto: Archiv

Siegfried Matlok mit einigen dankbaren Gedanken über den verstorbenen Hermann Heil.

Mit dem am Dienstagmorgen verstorbenen Hermann Heil verliert die deutsche Volksgruppe eine Persönlichkeit, die mehrere Jahrzehnte die Minderheit geprägt und mitgestaltet hat – nicht nur hinter den Kulissen als anerkannter Verwaltungsfachmann, sondern auch als Politiker.

Er war sozusagen „Mister Zuverlässigkeit“. Als er vom damaligen Generalsekretär Rudolf Stehr 1962 ins Generalsekretariat nach Apenrade geholt wurde, zielte die Planung des Bundes deutscher Nordschleswiger darauf ab, ihn zum Leiter einer Wirtschaftsabteilung zu machen, die die bedrängten Geschäftsleute/Firmen aus der Minderheit fördern sollte.

Dieses Ziel konnte leider nicht realisiert werden, aber mit Hermann Heil kam ein Fachmann der Zahlen ins Haus, der zu Recht oft als „Finanzminister der Minderheit“ genannt wurde. Als Hauptgeschäftsführer in enger Zusammenarbeit mit Rudolf Stehr und später jahrzehntelang – auch in Freundschaft – mit Peter Iver Johannsen erwarb er sich große Verdienste, die in der breiten Öffentlichkeit nicht so beachtet worden sind, wie er es verdiente. Manche Haushaltsverhandlungen mit der Bundesregierung in Bonn stießen früher auf erhebliche Schwierigkeiten – nicht zuletzt auch vorübergehend in Fragen unserer Zeitung –, aber wenn es letztlich zu einer Einigung kam, dann auch weil Heil mit seinem Zahlenwerk ein unentbehrliches Vertrauenskapital schuf. Niemand in Bonn brauchte eine nordschleswigsche „Mogelpackung“ und eventuell daraus folgende politische Probleme zu befürchten. Es galt, vor allem durch die solide Finanzplanung von Hermann Heil, was einst auch über den früheren Hauptvorsitzenden Harro Marquardsen von den Bonnern gesagt wurde, wenn es um kritische Fragen zur deutschen Minderheit ging: Das sind ehrliche Leute!

Heil meisterte sein Handwerk – nach innen und außen und kombinierte dies auch mit seinem Interesse für die Politik der Minderheit. Dass er von 1974 bis 1989 die Schleswigsche Partei im nordschleswigschen Amtsrat vertrat, war auf das große Vertrauen zurückzuführen, das er überall in der deutschen Minderheit genoss. Hermann war kein Politiker der großen Armbewegungen, ihn interessierten fette Überschriften weniger als sachliche, erfolgreiche Arbeit mit Fortschritten für die Minderheit.

Der damalige Amtsbürgermeister Erik Jessen schätzte Heils stets sachorientierte Mitarbeit, und dies galt nicht zuletzt für Jessens Nachfolger ab 1982, Kresten Philipsen, der die Rechenmaschine Heil nicht nur im einflussreichen Ökonomie-Ausschuss nutzte.

„Få en trumpf med i spillet“, stand damals auf dem SP-Wahlplakat mit Skatblatt, und Heil erfüllte auch ein anderes Philipsensches Kriterium: Er konnte Skat spielen, was ja in angenehmen Runden auch engere persönliche Beziehungen mit sich brachte. Der politische Ertrag dessen war gewiss höher als sein persönlicher Gewinn!

Die Zeitung schuldet dem ehemaligen Hauptgeschäftsführer in vielerlei Hinsicht großen Dank, nicht nur wegen seines Einsatzes für die lebensnotwendigen Zuschüsse unserer Zeitung. Jahrzehntelang stand er uns auch als Wahlanalytiker zur Verfügung, und während die Stimmenzahlen in seiner eigenen Zeit kaum Anlass zur Freude boten, strahlte sein Gesicht vor Verwunderung und Bewunderung, als er in den vergangenen Jahren die Kommunalzahlen der SP mit ihren hohen Prozent-Gewinnen für uns berechnete und kommentierte.

Hinter den trockenen Zahlen verbarg sich ein lebenslustiger Mensch, der nicht nur seiner Familie, seiner Frau Elke (mit der er Anfang des Jahres noch die diamantene Hochzeit feierte!), seinen drei Söhnen, seinen fünf Enkelkindern und zwei Urenkeln viel Freude bereitete. Eine enge Mitarbeiterin im Hause Nordschleswig erinnert sich nicht nur an das stets korrekte Verhalten ihres Chefs, sondern auch daran, „wie sein lautes Lachen durch alle Räume drang“. Er war zweiströmig humorvoll und auch in diesem Sinne ein deutscher Nordschleswiger, der seiner Heimat diente.

Hermann Heil hat dazu beigetragen, das Ansehen der deutschen Minderheit zu mehren. Sein Andenken ist in Ehren zu wahren!

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