Geschichte

Musiker verteidigt neuen Text zu altem nationalen Volkslied

Musiker verteidigt neuen Text zu altem nationalen Volkslied

Musiker verteidigt neuen Text zu altem nationalen Volkslied

Kopenhagen/Rothenkrug
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Der Musiker Sigurd Barrett singt das alte nationale Volkslied „Det haver så nyligen regnet“ (auch) mit neuem Text und wehrt sich nun gegen Kritik. Foto: Ida Guldbæk Arentsen/Ritzau Scanpix

Ein altes Lied besingt die Zugehörigkeit Nordschleswigs zu Dänemark. Der bekannte dänische Musiker Sigurd Barrett hat im Jubiläumsjahr 2020 den Text umgeschrieben. Einer war nicht begeistert.

Der dänische Musiker und Buchautor Sigurd Barrett hat unter anderem vielen Kindern die dänische Geschichte nähergebracht und sich nun des Themas „Genforening“ (die Wiedereingliederung Nordschleswigs an Dänemark vor 100 Jahren) angenommen – was ihm Kritik einbrachte.

Altes Volkslied – neuer Text

Barrett hat, im Auftrag des dänischen Grenzvereins (Grænseforeningen), das Lied „Det har været et vildt og voldsomt regnvejr“ neu aufgenommen, in Anlehnung an „Det haver så nyligen regnet“, ein traditionelles Stück von 1890, das laut Grenzverein schnell zu einem Kampfgesang der Dänen in Nordschleswig wurde, als die Region noch zu Preußen bzw. zum Deutschen Kaiserreich gehörte. Johan Ottosen spricht 1890 in seinem Gedicht, das auf eine damals bereits bestehende Volksmelodie gelegt wurde, von der Zugehörigkeit Nordschleswigs zu Dänemark.

Sigurd Barrett hat nun die alte Melodie mit einem neuen Text versehen. In ihm geht es um die Überwindung von Hass, Feindschaft und Furcht vor dem anderen. „Dialog und Respekt schaffen den Rahmen“, singt Sigurd Barrett.

Neuer Text ein „Schlag ins Gesicht“

Henrik Petersen aus Rothenkrug/Rødekro beklagt in einem Leserbrief in der Zeitung „JydskeVestkysten“ den Umgang mit „Sønderjyllands nationalsang“. Das Lied habe vielen Hoffnung gegeben, auch im Zweiten Weltkrieg, und wurde von den Deutschen verboten, so Petersen. Er kommt zu dem Schluss: Der Übergriff auf den Nationalgesang sei ein Schlag ins Gesicht aller „Sønderjyder“.

Barrett und Grenzverein wehren sich

Sowohl der dänische Grenzverein als auch der Musiker Sigurd Barrett wollen dies nicht unkommentiert lassen. Er habe mit seinem neuen Stück das traditionelle „Det haver så nyligen regnet“ weder zensieren noch ersetzen wollen. Es sei der Versuch, das Lied im heutigen Geist wiederzugeben, in dem Offenheit und Demokratie wichtiger seien, als mit dem Finger auf andere zu zeigen. „Ich verstehe die Bedeutung, die dieses Lied für die Menschen in Nordschleswig (für Sønderjyder) hat, und ich spiele beide Versionen bei meinen Auftritten“, so Barrett. Es sei nie seine Absicht gewesen, jemanden mit seinem Lied zu verletzen.

Unterstützung erhält er von Knud-Erik Therkelsen, Generalsekretär des dänischen Grenzvereins. Im Grenzverein sei man sehr erfreut darüber, dass der Musiker einen neuen Text zu dem alten Lied geschrieben habe, und man bedauere, wenn sich jemand verletzt fühle. Der neue Text spiegele das gute deutsch-dänische Verhältnis im Grenzland wider, das es heutzutage gebe. „Wir bestehen darauf, Dänen zu sein, das aber darf uns nicht daran hindern, Lösungen zu finden in einer Zeit, in der wir ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zu Deutschland brauchen“, so Therkelsen.

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