Deutscher Tag 2017

Multikulturhaus: Ein Meilenstein in der Grenzlandgeschichte

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Tingleff/Tinglev
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Fast volles Haus in der Deutschen Nachschule Tingleff zur traditionellen Infoveranstaltung der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Foto: Karin Riggelsen

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig feiert am Sonnabend den Deutschen Tag. Bei einer Informationsveranstaltung in Tingleff berichtet der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen über die Lage der Minderheit.

Am Freitag wurde in Sonderburg das neue Multikulturhaus eingeweiht – ein Meilenstein in der Grenzlandgeschichte, denn im neuen Haus an der Hafenfront sind unter anderem die deutsche und die dänische Bücherei umgezogen, berichtete Hinrich Jürgensen. "Warum erwähne ich den Umzug unserer Bücherei heute hier, wo es doch um grundlegende minderheitenpolitische Themen geht?
Weil dies eine Entscheidung war, die sehr wohl grundlegend ist, da wir uns entschieden haben, gemeinsam mit der dänischen Bücherei in ein Gebäude zu ziehen. Ich bin mir sicher, dass wir diese Entscheidung vor 20 Jahren nicht so getroffen hätten. Und wir wären damals sicherlich auch nicht erwünscht. Heute aber haben wir genug Selbstvertrauen, dass wir diesen Schritt gehen“, sagte Jürgensen.
Die Entscheidung zum Umzug wurde im Juni 2015 vom BDN-Hauptvorstand getroffen. Der Büchereiverein, verspricht sich davon eine Reihe von Vorteilen, unter anderem: Höhere Sichtbarkeit, Zugang zu neuen Nutzern, gemeinsame Veranstaltungen und so wörtlich: „Wir werden ein natürlicher Teil der Kulturlandschaft im Grenzland“.

"Wir haben allerdings darauf bestanden, dass es immer noch zwei voneinander unabhängige Büchereien sind, die aber unter dem gleichen Dach zu finden sind“ erklärte der Hauptvorsitzende.

Der Umzug der Bücherei hat laut Hinrich Jürgensen eine weitere Konsequenz, nämlich dass der im Museum freigewordene Platz nach dem Auszug der Bücherei beutetet, dass das Schulmuseum in diesen Wochen von Apenrade nach Sonderburg umzieht.

"Allerdings ist das Museumsgbäude in keinem guten baulichen Zustand. Außerdem Bedarf das Museum einer umfassenden Modernisierung, denn die Anforderungen an eine zeitgemäße Ausstellung sind heute ganz anders als noch vor 20 oder 30 Jahren“, bemerkte Jürgensen.

Insgesamt werden für dieses Projekt 15 bis 20 Millionen Kronen veranschlagt.

"Wir sind jedoch optimistisch, was die Finanzierung betrifft, vor allem dank dem bisherigen Minderheitenbeauftragten der Bundesregierung, Hartmut Koschyk, der insgesamt eine Million Euro im Bundeshaushalt dafür untergebracht hat. Wir hoffen nun, dass uns die dänische Regierung eine ähnliche Summe zu unserem 100. Geburtstag schenken wird. Außerdem haben wir bei verschiedenen Stiftungen angeklopft“, sagt Hinrich Jürgensen. "Das Ziel ist es, dass wir 2020 ein neues Deutsches Museum Nordschleswig eröffnen können, und dass dieses vom Bundespräsidenten Steinmeier eröffnet wird, den ich bei seinem Besuch in Flensburg im letzten Monat dazu eingeladen habe.“

Wie lange noch gedruckte Zeitung

Hinrich Jürgensen sprach in seinem Bericht auch die Zukunft der Tageszeitung Der Nordschleswiger an.

"Die Zeitung befindet sich zurzeit in einer spannenden, aber auch herausfordernden Phase. Die Zahl der Abonnenten der Papierzeitung fällt laufend und neue, jüngere Leser sind an Nachrichten – wenn überhaupt – nur in digitaler Form interessiert. Deshalb arbeitet die Redaktion verstärkt mit dem Online Inhalt und präsentiert diesen auf einer neuen Homepage. Wie lange die Papierzeitung noch erscheinen wird, ist bisher nicht beschlossen, aber ich denke, dass dieser Beschluss Anfang des nächsten Jahres getroffen werden muss“, sagte Jürgensen.

Verteilung der Finanzen

Ein weiterer Punkt der 2018 in der Minderheit diskutiert wird, ist die Festbetragsfinanzierung der Verbände bei der die Verbände eine feste, jährliche Summe erhalten.

"Das funktioniert gut, aber das System hat auch eingebaute Tücken. So ist der Anteil der Bundesmittel bzw. dänischen Mittel, den die Verbände erhalten, sehr unterschiedlich. Und während die dänischen Mittel in der Regel den Lohn- und Preissteigerungen angepasst werden, gilt dies nur bedingt für die Bundesmittel. Deshalb haben wir beschlossen, uns 2018 zusammenzusetzen und über eine mögliche Neuverteilung der Festbeträge zu sprechen. Ich hoffe, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden werden“, sagte Hinrich Jürgensen.

Am Sonnabendnachmittag findet in der Sporthalle Tingleff die eigentliche Festveranstaltung zum Deutschen Tag statt. Hier werden um die 400 Gäste erwartet.

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