Neujahrstagung

Missverständnisse beim Blick über die Grenze

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Sankelmark
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Mads Sandemann stellte sich auch den Fragen der Minderheitenvertreter, hier Sozialdienstvorsitzender Gösta Toft –· und daneben BDBN-Hauptvorsitzender Hinrich Jürgensen als Gesprächsleiter. Foto: Karin Riggelsen

Chefredakteur Mads Sandemann von der Tageszeitung JydskeVestkysten sprach bei der Neujahrstagung der deutschen Minderheit in Sankelmark über Freiheit, Vaterland und Demokratie.

„Es gibt viele Sorgen in der Welt, aber auch Vieles, worüber man sich freuen kann", sagte Mads Sandemann, Chefredakteur der regionalen Tageszeitung in Süddänemark, JydskeVestkysten. Noch nie hätten so viele Menschen in Freiheit gelebt wie heute und in der Welt sei man „weit gekommen“, trotz aller Sorgen und Hindernisse – auch in Europa. „Hier erleben wir gerade die längste Periode überhaupt mit Frieden und Freiheit". Das gelte auch für Dänemark.

„Aber dies ist keine Selbstverständlichkeit. Wir und unsere Vorfahren haben dafür hart gekämpft und wir haben vieles auf das wir aufpassen müssen“, sagte Mads Sandemann. Für ihn seien Freiheit, Vaterland und Demokratie daher unzertrennlich. „Journalismus spielt in der Demokratie ebenfalls eine wichtige Rolle: Keine Demokratie ohne Journalistik und freie Presse. Keine Journalistik und freie Presse ohne Demokratie“, stellte Mads Sandemann fest. Politiker und Journalisten würden allerdings oft – zu Recht – beschimpft werden, so der Chefredakteur, „denn wir tendieren dazu, manchmal nur die Probleme und den Streit zu suchen, statt auf Lösungen zu fokussieren.“

Derzeit sehe er eine besorgniserregende Tendenz bei der Vaterland über die Demokratie gestellt werde: "Es geschieht in Russland, Polen, Ungarn und in der Türkei, wo wir erleben müssen, dass die Freiheitsrechte der Menschen eingeschränkt werden. Auch Trump hat es in sich."
Und selbst in Dänemark, meint Sandemann: „Ich finde es bedauernswert, wenn Politiker wie Marie Krarup und Morten Messerschmidt von der Dänischen Volkspartei zum Ausdruck bringen, dass Vaterland für sie wichtiger ist als Demokratie. Dass man also die Demokratie knechten kann, wenn es für das Vaterland nützlich ist“, sagte Sandemann und erntete dafür Beifall.

Rege Diskussion

Dagegen entfachte er eine rege Diskussion, als er die derzeitige dänische Flüchtlingspolitik als eine Notwendigkeit bezeichnete. Die 500 Quotenflüchtlinge müsse Dänemark seiner Meinung nach aufnehmen, aber darüber hinaus müsse Dänemark eine gewisse Kontrolle über die Anzahl der Einwanderer aus nicht-westlichen Ländern haben. „Wir können in Nordeuropa nicht die Probleme der ganzen Welt lösen“, sagte Sandemann. Zu der Erkenntnis würden seiner Meinung nach auch Schweden und Deutschland kommen. „Wir schaffen das – ist gar nicht so einfach“, kommentierte er das Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Zwar bezeichnete er Deutschland heute als „Stimme der Vernunft in Europa“, aber er wies darauf hin, dass der deutsche Blick auf die dänische Flüchtlings- und Einwanderungspolitik durch Missverständnisse und Übertreibungen geprägt sei. „Dänemark ist immer noch ein offenes Land und sehr generös. Aber es ist nicht unproblematisch, Menschen aufzunehmen, die einen ganz anderen Zugang zu unserer Gesellschaft haben. Dänemark baut auf eine Gemeinschaft und daran müssen sich alle beteiligen“, meint Mads Sandemann.
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