Demokratische Entwicklung

Minderheiten als Brückenbauer

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Eine Delegation ukrainischer Gemeindevertreter besuchte Mittwoch die deutsche Minderheit in Nordschleswig. Foto: Gwyn Nissen

Gemeindevertreter aus der Ukraine haben sich im deutsch-dänischen Grenzland Inspiration geholt. Wie geht das friedliche Zusammenleben zwischen Dänen und Deutschen. Minderheit und Mehrheit.

In der Ukraine läuft seit 2014 eine vielschichtige Dezentralisierungsreform, und aus diesem Grund besucht eine Delegation ukrainischer Gemeindevertreter in diesen Tagen das deutsch-dänische Grenzland auf der Suche nach Inspiration und Lösungen. Zum einen für die eigene Verwaltung, zum anderen für die Minderheiten im Land.

Das Programm gestaltet das European Center for Minority Issues in Flensburg, und das Ganze ist wiederum Teil eines großen Demokratie-Projekts, in das von 2016 bis 2020 fast 700 Millionen Kronen von der EU in die Ukraine fließen.

Mittwoch besuchten 25 Vertreter aus der Ukraine die deutsche Minderheit in Nordschleswig, um dort über den Aufbau der Minderheit sowie Minderheitenrechte und -leben in Dänemark zu hören. Der Kommuniktationschef des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Harro Hallmann, sowie FUEN-Vizepräsident und Sozialdienst-Vorsitzender Gösta Toft waren bereits zu Vorgesprächen in der Ukraine und berichteten gemeinsam mit Jørgen Nissen von der Deutschen Büchereizentrale vor Ort über die Minderheitenarbeit in Nordschleswig.

Während die deutsche Minderheit in Nordschleswig im ganzen Landesteil auch wirklich Minderheit ist, gibt es in der Ukraine unter anderem große polnische und rumänische Minderheiten, die in einigen Gebieten die Mehrheit ausmachen.

Schule, Politik, Finanzierung und Rechte der Minderheit waren die Hauptthemen für die ukrainische Delegation, die für ihre Minderheiten eine ähnliche Rolle wünschten wie die der deutschen Volksgruppe in Dänemark, nämlich als Brückenbauer im Grenzland.

"Wir wünschen uns in unserer Region finanzielles Wachstum, und das können wir nur erreichen, indem Mehrheit und Minderheiten zusammenarbeiten", sagt Tetyana Tatarchuk, Direktorin des Entwicklungszentrums der Region Chernivtsi, wo in 11 von 33 Kommunen auch Minderheiten vertreten sind.

"Wir müssen vor allem zusammen reden und gemeinsame Lösungen finden. Da sehen wir die Minderheiten als wichtige Brückenbauer", sagt Tatarchuk.

Harro Hallmann hatte vor allem einen Rat: Nichts übereilen, denn es gibt keine leichten und schnellen Lösungen. Das habe auch die Entwicklung im deutsch-dänischen Grenzland gezeigt. "Erzählt den Leuten, dass es Zeit braucht, Geduld und gegenseitigen Respekt", sagte Hallmann.

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