Strategie für die Zukunft

Minderheit lässt sich durchleuchten

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Nordschleswig
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Beim Haushaltsseminar der deutschen Minderheit 2018 in Leck war vor allem die Zukunft der Papierzeitung des Nordschleswigers Thema der Diskussionen. Foto: Cornelius von Tiedemann

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig muss zum Check. Alle Verbände werden in den nächsten 18 Monaten ihre Strategien dem Hauptvorstand vorlegen.


Jedes Auto muss mal in die Werkstatt zur Wartung: Wie ist der derzeitige Zustand, wie lange fährt der Wagen noch, welche Reparaturen sind nötig? Nach diesem Muster soll ab März jeder Verband der deutschen Minderheit in Nordschleswig durchleuchtet werden. Der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), der Dachorganisation der deutschen Volksgruppe in Dänemark, hat beschlossen, in den nächsten 18 Monaten einen Strategieprozess durchzuführen.

An elf Abenden werden die Verbände ihre Ziele, Herausforderungen, Wünsche und Pläne für die Zukunft dem Hauptvorstand vorlegen. „Wir machen das, weil sich bei unserem Haushaltsseminar 2018 herausstellte, dass wir mehr Zeit benötigen, um jeden einzelnen Verband besser zu analysieren, um damit Prioritäten setzen zu können“, sagt der Hauptvorsitzende des BDN, Hinrich Jürgensen.

Am 11. März beginnt die Strategiearbeit mit der Analyse des BDN und der Schleswigschen Partei. Danach folgen der Nordschleswiger (im Mai), der Sozialdienst (Juni), der Büchereiverband (September), das Jugendverband sowie der Sport & Kulturzentrum in Tingleff (Oktober), die Nachschule Tingleff (November) und 2020 dann der DSSV (Kindergärten und Schulen) sowie der Ruderverband NRV.

Strategie-Diskussion für alle offen

Die Verbände müssen vorher eine Reihe von Fragen beantworten, Zahlen liefern und Pläne vorlegen, die an den Abenden diskutiert werden können. Die Hauptvorstandssitzungen sind offen, und alle können den Diskussionen beiwohnen. Eine der Fragen lautet: Wenn ihr von vorne anfangen müsstet/könntet – wie würdet ihr eure Organisation aufbauen? Laut Jürgensen „eine Frage, die wir uns hin und wieder stellen müssen, um nicht einzurosten“.
Ist die deutsche Minderheit nach dem Strategieprozess immer noch die gleiche?

„Ich denke nicht, dass wir alles umkrempeln, aber schon einiges anpassen werden. Ich glaube auch, dass allein die gemeinsame Arbeit zu einem größeren gegenseitigen Verständnis führen kann, wenn man eine größere Einsicht in die Arbeit der anderen Verbände bekommt. Ich hatte schon nach dem Haushaltsseminar in Leck das Gefühl, dass wir eine große Solidargemeinschaft sind. Wir dürfen uns als Verbandsvertreter aber gerne noch mehr verpflichtet fühlen den anderen Verbänden gegenüber.“

Der BDN-Hauptvorstand – hier in erweiterter Form beim Haushaltsseminar im Juni 2018 in Leck – ist laut dem BDN-Vorsitzenden Hinrich Jürgensen auch in der Lage, schwierige Entscheidungen zu treffen. Foto: Cornelius von Tiedemann

Kann es passieren, dass der BDN-Hauptvorstand andere Prioritäten setzt als der einzelne Verband, und dass dies Konsequenzen für die einzelnen Verbände haben kann?

„Es ist durchaus möglich, dass ein Verband vom Hauptvorstand überstimmt wird. Aber der Hauptvorstand bestimmt schließlich, wie die Mittel in der Minderheit verteilt werden. Der Hauptvorstand hat die übergeordnete Pflicht und Aufgabe zu sichern, was in der Minderheit relevant ist und was nicht.“

Ist der Mut vorhanden, auch schwierige Entscheidungen zu treffen?

„Das denke ich schon. Wir haben es beim Haushaltsseminar bewiesen, als wir die Zukunft des Nordschleswigers beschlossen haben. Es war für mich die größte und schwierigste Entscheidung überhaupt als Hauptvorsitzender, die Papierzeitung abzuschaffen. Ich hätte persönlich gerne die Papierzeitung behalten, aber es war eine notwendige Entscheidung. Es gibt nichts Einfacheres, als den Kopf in den Sand zu stecken und alles weiterlaufen zu lassen wie bisher. Aber dafür sind wir nicht in den Hauptvorstand gewählt.“

Den Verbänden Mittel zu streichen, um einen gemeinsamen Fördertopf für neue Projekte zu schaffen („Nordschleswigmittel“), ist für den BDN-Vorsitzenden ein weiteres Beispiel dafür, dass der Hauptvorstand bereit ist, wenn nötig auch grundlegende Veränderungen vorzunehmen, um neue, zeitgerechte Lösungen für die Minderheit zu finden.

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