75. Gedenktag

Mandø gedenkt Fliegerabsturz von 1943

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Mandø
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Hartvig Bundesen (r.) (1920-2011) war Augenzeuge des Geschehens 1943. Als Vorstandsmitglied des Museums in Mannt trug er maßgeblich dazu bei, dass die Erinnerung an den Absturz und das Schicksal der kanadischen Flieger bewahrt wurde. Foto: Volker Heesch

Vor 75 Jahren ist ein kanadischer Halifax-Bomber bei der Insel Mandø von einem deutschem Flieger abgeschossen worden. Zum Gedenktag kommen auch Angehörige der ehemaligen Flugzeug-Besatzung nach Dänemark. Ein neues Buch beleuchtet die Ereignisse von damals.

In der Nacht zum 24. August 1943 wurde das Wattenmeer-Eiland Mandø Schauplatz eines dramatischen Luftkampfes, bei dem ein alliierter Bomber des Typs Halifax während des Rückfluges nach einem Angriff auf Berlin von einem deutschen Nachtjäger getroffen wurde und westlich der zwischen Röm und Fanø gelegenen Insel ins Meer stürzte. Vier der sieben kanadischen Besatzungsmitglieder des Flugzeugs überlebten den Absturz. Pünktlich zum 75. Jahrestag des Geschehens wird auch ein Buch veröffentlicht, das die Umstände ausführlich beleuchtet.

Mittwochabend wird um 20 Uhr bei einem Gottesdienst in der Inselkirche des Ereignisses gedacht, das tiefen Eindruck bei den Bewohnern der Insel hinterließ, denn nach Kriegsende knüpfte der 2011 verstorbene Hartvig Bundesen, der im August 1943 die Sommerferien bei seinen Großeltern auf Mandø verbrachte und an der Bergung der Überlebenden beteiligt war, Kontakte nach Kanada. Beim Gottesdienst und bei den Erinnerungsfeierlichkeiten am Freitag sind Angehörige der kanadischen Flieger zugegen.

Konnte als Einziger Englisch

Hartvig Bundesen konnte als Schüler des Gymnasiums in Ripen als Einziger Englisch mit den aus der See geretteten Kanadiern sprechen. Der Pilot des Flugzeuges, Roy McLernon, konnte mithilfe von Inselbewohnern und Esbjerger Fischern vor Eintreffen deutscher Soldaten entkommen und sich später über Aarhus nach Schweden in Sicherheit bringen. Die Luftwaffensoldaten Brooks, Penderleith und Welters wurden gefangen genommen und ins deutsche Kriegsgefangenenlager Mühlberg an der Elbe südlich von Torgau gebracht, wo sie bei Kriegsende befreit wurden.

Während ein Flieger gleich beim Beschuss durch den deutschen Nachtjäger umgekommen ist, sind zwei weitere Besatzungsmitglieder ertrunken. Nur diese beiden Besatzungsmitglieder, Messenger und Stevenson, wurden begraben, am 2. September 1943 in Esbjerg. Der Verbleib der Leiche des Fliegers Snyder blieb unbekannt.

Der 2011 verstorbene Hartvig Bundesen (l.) war 1943 Augenzeuge und Dolmetscher nach der Bergung der vier Überlebenden des Absturzes. Er knüpfte nach dem Krieg Kontakte nach Kanada. Im Museum der kleinen Insel wird das Ereignis thematisiert. Foto: Volker Heesch

Weniger Luftabwehr über Dänemark

Viele Angriffsflüge britischer und US-amerikanischer Bombergeschwader auf Ziele in Deutschland waren mit Flügen über das südliche Dänemark verbunden, das zwar seit dem 9. April 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt, aber weniger durch die Luftabwehr abgeschirmt war als das deutsche Staatsgebiet. Auf der Nachbarinsel Röm hatten die Besatzer allerdings moderne Technik installiert, mit der herannahende Flugzeuge aufgespürt und deutsche Abfangjäger alarmiert werden konnten. Allerdings war die Luftwaffe der Westalliierten 1943 der deutschen stark überlegen, weshalb beispielsweise die Bomberflotten, die im Sommer 1943 während des Tages über die nordschleswigsche Küste bei Emmerleff Richtung Hamburg flogen, laut Augenzeugen weitgehend unbehelligt von deutscher Abwehr den Luftraum durchfliegen konnte.

Neues Buch

Im neuen Buch „Mandø og Halifaxen“ der Autoren Lars Borberg und Søren Flensted wird das Geschehen vor 75 Jahren und das Schicksal vor allem auch der kanadischen Besatzungsmitglieder dokumentiert. Hartvig Bundesen (Jahrgang 1920) hatte mit Bewohnern der Insel Gegenstände des abgestürzten Flugzeugs geborgen und verwahrt. Sie sind teilweise im Inselmuseum ausgestellt.

Er nahm über das Rote Kreuz Kontakt nach Kanada auf, was zu Besuchen der Überlebenden des Absturzes auf Mandø führte. Bis heute besteht eine Verbindung zwischen Familien auf Mandø und Angehörigen der einstigen Fliegerbesatzung. Bundesen besuchte noch im hohen Alter das frühere Gefangenenlager Mühlberg, wo die kanadischen Gefangenen relativ gut behandelt wurden, aber vor allem sowjetische Gefangene starben, woran eine Gedenkstätte erinnert.

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