Puppentheater

Ein Märchenland aus Zeitungspapier und Pappmaschee

Ein Märchenland aus Zeitungspapier und Pappmaschee

Ein Märchenland aus Zeitungspapier und Pappmaschee

Anna-Lena Schiemann
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Puppentheater
Fantasievolle Puppen Foto: Anna-Lena Schiemann

Viele kennen das Märchen von Ali Baba und den 40 Räubern. In der Apenrader Zentralbibliothek wurde es am Mittwoch einmal auf ganz andere Art und Weise gezeigt.

Zwei Männer sitzen auf einer Parkbank und lesen sich aus der Zeitung vor: der eine auf Türkisch, der andere auf Deutsch. In beiden Artikeln geht es um das selbe: In einer Höhle, nahe der Stadt Nazarabat wurde ein Goldschatz gefunden. Und schon spekuliert der mit der türkischen Zeitung, ob es Ali Babas berühmter Schatz sein könnte. Der andere Mann zieht verwirrt die Augenbrauen zusammen: Wer ist denn bitte dieser Ali Baba?

So beginnt die Handlung des Figurentheaterstücks „Ali Baba und die 40 Räuber“, welches diesen Mittwoch in der Zentralbibliothek Apenrade gespielt wurde. Thomas Hänsel vom „marotte Figurentheater“ und Ruben Kartaloglu vom „Tiyatro Diyalog“, beide aus Karlsruhe, hauchten den zahlreichen Figuren Leben ein. Und dazu brauchten sie nicht viel mehr als die schon erwähnten Zeitungen. Daraus entstanden vor den Augen der Zuschauer Ali Baba und sein Esel, ein Eingang in die Schatzhöhle oder auch die hohen Berge, die diese verbargen. Die 40 Räuber? Eine Papiermännleinkette.

Gute Laune trotz Corona-Absagen

Eigentlich waren mehrere Grundschulklassen und Kindergartengruppen aus der deutschen Minderheit eingeladen gewesen, doch aufgrund von Corona-Warnungen und -Weisungen sagten gestern fast alle Gruppen ab. Und so saßen am Ende nur 14 Kinder vor den beiden Darstellern. Die nahmen die Lage allerdings mit Humor und bauten den Virus direkt ins Stück ein: Bevor der habgierige Bruder Ali Babas, Kasim, in der Schatzhöhle sein Leben verliert, bekommt er direkt noch Corona.

Bühnenbild mit Botschaft

Während das Aussehen der Puppen im Laufe des Stückes immer detaillierter wurden – vom Rausreißen aus einer Zeitung über dreidimensionale Zeitungsfiguren bis zu professionell gestalteten Puppen - blieb das Bühnenbild simpel. Genau deswegen war es am Ende so eine Überraschung als, nachdem alles Böse besiegt war, das Bühnenbild einmal komplett gedreht wurde und die leuchtende Stadt Nazarabat zu Tage förderte.

Die Erzählung endet wieder dort, wo sie am Anfang begonnen hatte: bei den beiden Zeitungslesern. Ruben Kartaloglu erzählt da dem staunenden Thomas Hänsel, dass immer noch ein Großteil des Schatzes in der Höhle bei Nazarabat liegt. Denn Ali Baba hätte erkannt, dass zu viel Gold und Reichtum am Ende doch nicht glücklich machten.

Vor dem Hintergrund des schlichten Bühnenbilds erhält diese Aussage noch mal besondere Bedeutung.

Applaus und Ideen

Am Ende gab es trotz der kleinen Zuschauerzahl reichlich Applaus für die beiden Darsteller, die am selben Tag auch noch einmal in Flensburg spielten. Und das Stück hat Wirkung gezeigt: Noch in der Bibliothek beschlossen die Kinder, dass sie solche Figuren auch mal basteln wollen – aus alten Ausgaben des „Nordschleswigers“.

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