Freiwilliges Soziales Jahr

Knivsbergfest als großes Abschluss-Highlight

Knivsbergfest als großes Abschluss-Highlight

Knivsbergfest als großes Abschluss-Highlight

Nele Dauelsberg
Knivsberg /Knivsbjerg  
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Freudig schauen Arne Hoffmann (links), Julia Schmitt (Mitte) und Noemi Engels (rechts) dem Knivbergfest entgegen. Foto: Nele Dauelsberg

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Gartenarbeit, Plakate erstellen und Gegenstände transportieren – die Vorbereitungen für das Knivsbergfest sind in vollem Gange. Zwei vom Freiwilligendienst und eine Praktikantin packen mit an. Dem „Nordschleswiger“ verraten sie, was alles für die große Feier zu tun ist und wie sie ihren Weg zur deutschen Minderheit gefunden haben.

In einem kleinen Büro mit einem langen Schreibtisch und drei Drehstühlen sitzen zwei junge Frauen. Es läuft leise Musik, und auf zwei Bildschirmen leuchten Entwürfe für das Plakat für das diesjährige Knivsbergfest, an dem gerade die Praktikantin des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig, Julia Schmitt, und Noemi Engels arbeiten. Engels macht mit ihrem Kollegen und Schulfreund Arne Hoffmann ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Bildungsstätte.

Bevor das Interview losgehen kann, warten wir noch auf ihn. Es gab auf dem Spielplatz einen „Seilbahn-Notfall“, wie er es nennt. „Das eine Sicherheitsseil hatte sich gelöst, und ich musste es mit einem Kollegen reparieren. Auch das ist eine sehr typische Aufgabe für mich. Ich gehe dorthin, wo ich gebraucht werde!“, erklärt der Frankfurter, als er dazustößt.

Arne Hoffmann erfuhr von dem FSJ, als er seine Schulfreundin Noemi Engels auf dem Knivsberg besucht hat. Er war davon so begeistert, dass er dort wenige Monate später auch anfing. Foto: Nele Dauelsberg

Wie ein großes Finale

„Zu Beginn unseres Freiwilligen Sozialen Jahres kam ein ehemaliger Freiwilliger zu Besuch. Er meinte, dass wir unbedingt bis zum Knivsbergfest bleiben müssen. Da stand die Entscheidung fest!“, erzählt Engels lachend. Der Jugendverband hatte sie und Hoffmann sowieso schon gebeten, für die Feier zwei Wochen länger in Nordschleswig zu verbringen.

Wir können hier Teil von etwas richtig Großem sein!

Noemi Engels

Dagegen einzuwenden hatten sie nicht viel, denn das Fest sehen die beiden als Höhepunkt ihres FSJs. „Es ist das, worauf wir alle hinarbeiten“, verrät Hoffmann glücklich. „Für uns ist das wie das große Finale!“ Beide freuen sich darauf, alle Besucher auf dem Berg zu sehen. Sogar ihre Familien reisen dafür ganz aus Frankfurt an.

Auch Schmitt freut sich, dass ihr Praktikum erst nach dem Fest endet. „Alle unsere Kollegen sind schon aufgeregt und gespannt, dass die deutsche Minderheit endlich wieder so zusammenkommen kann.“ Deswegen ärgert sie sich auch kaum, dass ihr Aufenthalt in Nordschleswig aufgrund der Pandemie mehrfach verschoben wurde.

Julia Schmitt studiert in Heide „International Tourism Management" an der Fachhochschule Westküste. Ein ehemaliger Praktikant hat ihr Interesse auf den Deutschen Jugendverband Nordschleswig geweckt. Foto: Nele Dauelsberg

Viel Arbeit für die Vorbereitung

„Es ist eine einzigartige Chance“, erklärt Engels. „Wir können hier Teil von etwas richtig Großem sein!“ Doch damit die Besucher einen so schönen Tag verbringen wie gedacht, ist noch einiges an Planung und Vorbereitung nötig. Dabei haben diese schon vor etwa einem Monat angefangen.

„Wir sind jetzt mit ungefähr 50 Prozent der Aufgaben fertig. Das heißt, es kommt noch allerlei auf uns zu. Ich bin mir sicher, kurz vor dem Knivsbergfest wird das das einzige Thema hier sein“, erklärt Hoffmann nachdenklich.

Er übernimmt hauptsächlich Hausmeister- und Gartenarbeiten. Vor der Feier schneidet, mäht und repariert er alles besonders ordentlich, damit für den großen Tag alles perfekt ist. Auf seine tägliche Liste kommen auch noch Arbeiten, für die die reguläre Mitarbeitenden keine Zeit mehr haben.

Zum Beispiel soll der Abiturient alle Grasfelder auf dem Berg begradigen. „24 Stunden – also rund um die Uhr – fahren ein Kollege und ich in Schichten mit einer Straßenindustriewalze über das Gelände.“ Neben diesem Projekt wird er augenblicklich weniger eingeplant. So hat er Zeit, auf Abruf zu arbeiten, und immer dann, wenn er gebraucht wird.

Hinter dem Schreibtisch dabei

Schmitt und Engels erledigen hingegen primär die Büroarbeit. Die Praktikantin hat für die offene Bühne des Festes Künstler und Künstlerinnen herausgesucht, kontaktiert und die Verträge bearbeitet. Auch die Kommunikation mit den Schulen war eine ihrer Aufgaben. All dies bewerkstelligte sie mit der Unterstützung des Kulturkonsulenten des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Uffe Iwersen.

Seit September 2020 verbringt Noemi Engels ihr Freiwilliges Soziales Jahr auf dem Knivsberg. Ursprünglich wollte sie für ein Jahr nach Ghana reisen, was aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich war. Glücklicherweise fand sie über den Internationalen Jugendfreiwilligendienst zum Knivsberg! Foto: Nele Dauelsberg

Engels hingegen erstellt häufig Plakate. „Am Anfang habe ich auch viel draußen gearbeitet. Aber irgendwann brauchte ich einfach Abwechslung und habe angefangen mit den Plakaten. Wenn jetzt jemand ein neues haben möchte, kommt er oder sie einfach zu mir“, erzählt sie in Gedanken versunken und schaut auf den Computer mit ihrem aktuellen Werk. Sie ist stolz, dass sie sogar einige Poster des Knivsbergfestes erstellt.

Ansonsten arbeitet die Frankfurterin viel mit der neuen Mitarbeiterin der Bildungsstätte Knivsberg, Friederike Schmidt. „Ich kann hier sehr viel kreativ arbeiten. Und das Arbeitsklima ist auch sehr entspannt“, berichtet Engels. Jedoch muss sie auch gelegentlich ähnliche Arbeiten verrichten wie Hoffmann.

Alle Fahrzeuge auf dem Knivsberg werden von dem Mitarbeitenden der Bildungsstätte liebevoll bei einem Namen genannt. Mit der „Mule" fahren die FSJler über das Gelände, wenn sie viel Werkzeug brauchen oder die Aufgabe weiter weg ist. Foto: Nele Dauelsberg

Die Herausforderungen liegen vor der Feier

„Am schwierigsten wird für mich, meine Aufgaben vor dem Fest richtig zu sortieren, damit ich am Schluss nicht in Stress und Panik gerate. Am eigentlichen Tag läuft schon alles“, erklärt er und schaut zu den Frauen.

Beide stimmen ihm zu. Engels erzählt von ihren eigenen Befürchtungen: „Wir beiden FSJler fahren auf ein Abschlussseminar Anfang September. Es wird bestimmt komisch, aus der entspannten Atmosphäre dort wieder in den hektischen Arbeitsalltag einzusteigen.“ Sie ist zwar auf beides gespannt, sieht aber auch, wie anstrengend die Zeit wird.

Eine einzigartige Erfahrung

Obwohl sie viele Aufgaben und Arbeit vor sich haben, sind alle drei glücklich, ein Teil dieses Projektes zu sein. Zu Beginn ihrer Zeit in Nordschleswig war der Knivsberg aufgrund der Corona-Pandemie teilweise ganz leer. Deshalb freut es alle umso mehr, endlich viele Menschen auf dem Gelände zu sehen. „Der 11. September ist das erste Mal dieses Jahr, dass hier alles ausgenutzt wird“, stellt Arne Hoffmann fest.

Noemi Engels ist begeistert von den vielen Erfahrungen, die sie mit nach Deutschland nehmen kann. „Es ist nicht nur das Praktische, was ich mitnehme, sondern auch das Gefühl, bei etwas so Großem dabei zu sein.“

Insgesamt sehen alle drei dem Tag mit Sehnsucht und auch ein bisschen Wehmut entgegen. Sie sind sich einig, dass das Knivsbergfest ein Erfolg wird und sind glücklich darüber, dass sie viele Erfahrungen für ihr späteres Leben mitnehmen können.

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