Grenzjubiläum 2020

„Die Identitätsfrage wird immer erst im Nachhinein beantwortet“

„Identitätsfrage wird immer erst im Nachhinein beantwortet“

„Identitätsfrage wird immer erst im Nachhinein beantwortet“

Peter Buhrmann
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg bei einem Besuch des früheren deutschen Botschafters Andreas Meitzner in der LAS. (Archivbild) Foto: Volker Heesch

Auftakt zum Grenzjubiläum 2020: Peter Buhrmann auf den Spuren von Bewusstsein und Identität im Grenzland.

Die Schule spielt in jedem Ort und in jeder Region eine ganz besondere Rolle. Das gilt auch für Nordschleswig. Hier treffen sich jeden Tag die Kinder, hier lernen sie gemeinsam, und hier lernen sie sich auch kennen. Ohne diesen Schmelztiegel können Gesellschaften, soziale Zusammenhänge oder Volksgruppen wohl kaum entstehen und noch weniger bestehen. In dieser kleinen Reihe über Bewusstsein und Identität im deutsch-dänischen Grenzland, die als Auftakt zum Grenzjubiläum 2020 zu lesen ist, habe ich mich mit zwei Menschen zusammengesetzt, die besondere Kenntnisse über die deutschen Schulen in Nordschleswig haben.

Sofie Rebekka Schlüter Knauer ist die Expertin für Apenrade und hat sämtliche Stufen hinter sich: Deutscher Kindergarten, deutsche Schule, deutsches Gymnasium. Bonni Rathje-Ottenberg ist Leiterin der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern. Auch sie hat den Löwenteil ihres Lebens in Nordschleswig verbracht, hat aber auch viele Jahre in Deutschland gelebt.

Sofie, du bist die Tochter deutscher Eltern und bist in Apenrade aufgewachsen. Du bist auch hier zur Schule gegangen?

Bis auf ein Jahr auf einer normalen dänischen Nachschule zwischen der neunten Klasse und dem Gymnasium ist meine Schulausbildung ein Produkt der Minderheiteneinrichtungen von Nordschleswig. Angefangen hat das im Deutschen Kindergarten Jürgensgaard, und danach wurde ich in die Deutsche Privatschule Apenrade eingeschult. Abitur habe ich am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig gemacht.

Wie hast du dich in der Schule sprachlich verhalten, und hast du Lern- und Kulturunterschiede zwischen dem Deutschen und dem Dänischen feststellen können?

Wir haben zu Hause grundsätzlich immer Deutsch gesprochen, und im Kindergarten war mein Umfeld deutsch. Ich glaube, mein Dänisch hat darunter gelitten – wenn man so etwas über Menschen in so jungen Jahren sagen kann. Als ich dann später an der Deutschen Privatschule Apenrade angefangen habe, ist mir aufgefallen, dass mein Dänisch tatsächlich gelitten hatte.

In der DPA sprachen viele meiner Mitschüler Dänisch, und in den Pausen wurde ein Großteil Dänisch gesprochen. Viele Kinder kamen aus Elternhäusern, die wollten, dass die Kinder zweisprachig aufwachsen – diese Elternhäuser hatten oftmals wenig mit der Minderheit am Hut.

Ich selbst habe mich immer eindeutig als deutsche Minderheit aufgefasst. Deshalb bin ich auch immer beim Knivsbergfest dabei, und ich war dort in vielen Zusammenhängen aktiv. Politisch war ich Teil des Deutschen Jugendverbandes und war von der 8. Klasse bis zur dritten Gymnasialklasse Jugendvertreterin im Vorstand.
Nach einem Jahr Nachschule in Øse bei Varde habe ich dann das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig besucht. Weil ich ein Jahr an der Nachschule hinter mir hatte, fühlte ich mich am DGN sehr dänisch. Hier gab es nicht nur Minderheitendeutsche, sondern auch viele aus Deutschland.

Deutsch und Dänisch zu sein, ist für Sofie Knauer etwas ganz Besonderes. Foto: Privat

Mir sind nicht unbedingt Lernunterschiede aufgefallen, aber ich hatte den Eindruck, dass die Deutschen in gewissen Fächern fortgeschrittener waren – zum Beispiel in Mathe. Später hat es keinen Unterschied mehr gegeben.
Umgekehrt ist die Digitalisierung in Dänemark weitaus fortgeschrittener als in Deutschland. Klar aber war für mich, dass es das problemlösende Denken, das ich an der DPA gelernt hatte, und das für mich etwas besonders Dänisches war und ist, in Deutschland so nicht gibt. Ich habe Freunde in Deutschland, die sehr viel auswendig lernen müssen und zum Beispiel keinen Computer mit an den Examenstisch nehmen dürfen.

Zu Gymnasialzeiten war ich Teil der Akademie für talentierte Jugendliche. Ohne dass ich bis dahin komplett in der deutschen Minderheit gelebt hätte, habe ich doch auch in diesem Zusammenhang Kontakt mit vielen Mehrheitsdänen bekommen. Von gewissen Dingen habe ich mehr gewusst als sie, und auf anderen Gebieten waren sie schlauer als ich. Man hat vielleicht einen ungewöhnlichen Hintergrund als Minderheit, aber man ist deshalb nicht besser oder schlechter als andere.

Wie hast du das pädagogische Profil an der DPA erlebt?

Es gab dort Lehrer, die dänisch waren und kein Deutsch gesprochen haben. Umgekehrt waren deutsche Lehrer dort, die kein Dänisch konnten. Die Minderheitenlehrer waren es, die mein Minderheitengefühl am meisten stimuliert haben.
Ich erinnere mich, wie einmal ein Schulkamerad in der Zeitung „Der Nordschleswiger“ erwähnt worden war. Unser Lehrer, der aus der Minderheit kam, hat den Artikel an die Wand gepinnt. So haben wir sehen können, dass wir eine Rolle spielten. Da entstand ein Gefühl der Gemeinsamkeit, das mir gefallen hat. Diese Gemeinsamkeit erlebe ich mittlerweile auch auf dem Knivsberg wieder.

Ganz wichtig ist für mich, dass die Lehrer an der DPA verstehen, dass das nicht nur ein Job ist. Man muss sich für die Minderheit engagieren – es hat mich immer ein bisschen geärgert, dass zum Deutschen Tag immer wenige und immer dieselben Lehrer aufkreuzten. Ich finde, dass die Lehrer, die aus Deutschland kommen, unbedingt nach Nordschleswig ziehen müssen. Und ich finde, dass man erwarten kann, dass „Der Nordschleswiger“ gelesen wird. Die Minderheit muss gepflegt werden.

Was ist es, das für dich Minderheit ausmacht?

Die innere Doppelheit ist etwas Besonderes. Als ich jünger war, habe ich nicht immer verstanden, dass man beides sein kann. Und es hat natürlich auch Konflikte und die Frage gegeben: Bin ich deutsch oder dänisch, und muss ich mich entscheiden?

Wenn ich unter Dänen bin, bin ich immer die Deutsche und umgekehrt genauso. Ich habe beobachtet, wie ich dazu neige, immer das andere verteidigen und in Schutz nehmen zu wollen. So verstärkt sich mein Deutschtum, wenn ich unter vielen Dänen bin und umgekehrt.

Heute sind die Stimmungsbewegungen nicht mehr so extrem, früher war das viel ausgeprägter. Ich bin aber auch mehrheitssensibel; meine Sprache nimmt die Farbe derjenigen an, die um mich herum sind – das wurde an der Nachschule deutlich.

Ich glaube, die Größe spielt auch eine Rolle. An der Bushaltestelle morgens waren oft viele Schüler von der dänischen Brundlundschule. Sie waren so viele mehr als wir. Und sie haben sich nicht untereinander gekannt. An der DPA hat jeder gewusst, wer er oder sie war. Die Minderheit ist eine kleine Gemeinschaft.

Ein Zwischenstatus: Die Minderheit, welche Rolle spielt sie für dich?

Also ich glaube, dass die Schüler an den Minderheitenschulen doch toleranter und offener sind als dänische Schüler allgemein. Besonders am DGN habe ich das wahrgenommen. Und das hat mit dem Hintergrund zu tun.
Für mich hat das bedeutet, dass ich mich immer engagiert habe: Ich war politisch aktiv und habe zum Beispiel die Demo gegen die neue Abwesenheitsregel von Merete Riisager (damalige Unterrichtsministerin, red. Anm.) am DGN organisiert. Ich habe die Möglichkeiten genutzt, die da waren. Alle Organisationen brauchen Engagement.
Ich habe mich aber nicht bei den jungen SPitzen engagiert. Viel zu viele junge Männer mit einem altmodischen Frauenbild waren da, und man hat nicht so die kritische Spitze gegen die Mutterpartei geschärft, wie sich das für eine Jugendpartei gehört.

Davon abgesehen, bin ich der Meinung, dass die Schleswigsche Partei eine gute Arbeit leistet. Mein Beteiligungswille ist auch ein Produkt der Minderheit und ist auch die Folge einer besonderen Schule. In diesem Zusammenhang kann man vielleicht von einer Wertegemeinschaft sprechen, die ich sehr schätze. Ich glaube, ich werde mit meinen Kindern Deutsch sprechen, auch wenn sie anderswo als im Grenzland geboren und erzogen werden.
Nach diesem Gespräch mit Sofie Rebekka Schlüter Knauer setze ich mich ins Auto und fahre Richtung Westen. An der Ludwig-Andresen-Schule treffe ich Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg.

Gelebte Sprache

Bonni, du bist seit 2017 Schulleiterin an der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern. Kannst du deine eigene Geschichte kurz zusammenfassen?

Geboren bin ich 1964 in Hamburg, aber schon 1970 zogen meine Familie und ich nach Feldstedt. Zunächst besuchte ich die Deutsche Schule Feldstedt und später die Deutsche Privatschule Apenrade. Mein Abitur habe ich am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig gemacht.

Meine Mutter kommt ursprünglich aus Osterhoist, und mein Vater war entschlossen, nach Nordschleswig zu ziehen. So ist es dann 1970 auch gekommen. Mein Vater Christian Rathje und meine Mutter haben sich sehr in der Minderheit engagiert.

Aufgewachsen bin ich mit zwei Muttersprachen: Mit meinem Vater habe ich immer Deutsch gesprochen und mit meiner Mutter Deutsch und Dänisch. Sønderjysk spreche ich selbstverständlich auch.

Bonni Rathje-Ottenberg ist mit zwei Muttersprachen aufgewachsen. Foto: Archiv

Ich habe nicht nur Deutsch und Dänisch gelernt, sondern auch beide Sprachen gelebt. In den Jahren zwischen 1983 und 1993 habe ich in Deutschland gewohnt und gearbeitet, unter anderem in Berlin. Als unsere zweite Tochter 1993 geboren wurde, sind wir wieder nach Dänemark gezogen.

Sechs Jahre lang war ich selbstständig mit einem Geschäft für ökologisches Obst und Gemüse. Zudem aber habe ich mich zum Lehrer ausgebildet, eine Ausbildung, die ich 2005 abgeschlossen habe. 2008 wurde ich stellvertretende Schulleiterin an der Ludwig-Andresen-Schule und 2017 Leiterin.

Welche Rolle spielt die Ludwig-Andresen-Schule für Nordschleswig?

Für uns ist Sprache nicht etwas Gelerntes, sondern zudem auch Gelebtes. Das heißt, eine Sprache steht auch für eine Kultur und Mehrsprachigkeit für mehrere Kulturen. Wir an der Schule haben, glaube ich, die Rolle zwischen den Kulturen zu vermitteln und sie zu verbinden.

Deshalb gibt es Werte, die auch von den Elternhäusern angenommen werden müssen. Das sind Werte wie Toleranz, Akzeptanz, Offenheit, aber auch kritisches Denken. Ohne diese Werte können wir keine Brücken bauen. Und ich glaube, dass die Schule und die Minderheit zwischen Deutschland und Dänemark Brücken bauen müssen.
Grenzen sind nur dazu da, überschritten zu werden. Deshalb bin ich auch ein Gegner der Grenzkontrollen, die hier auch an entlegenen Orten wie Siltoft oder Seth durchgeführt werden. In der Minderheit leben wir das Gegenteil vor: Wir nehmen beides, Deutschland und Dänemark, in uns auf. Und das ist ein Reichtum.

Die Schulen in Nordschleswig sind auch Treffpunkte für die deutschen Vereine, besonders in den ländlichen Gegenden. Zum Beispiel organisieren wir viel zusammen mit dem Sozialdienst für Nordschleswig oder der Bücherei. Wir haben Jahr für Jahr das traditionelle Weihnachtsbacken mit der 7. Klasse. Dieses Jahr als Auftakt zum Jubiläumsjahr 2020 machen wir am 19. November ein Poetry Slam mit einem dänischen (Peter Dyreborg) und einem deutschen Slammer (Björn Högsdal). Das wird zusammen mit der dänischen Schule in Husum organisiert, und die zwei Slammer machen den Schülern vor, wie das geht.

Wir sind grundsätzlich immer für Kooperationen und Projekte offen – das muss so sein. Wenn es die deutsche Schule nicht gäbe, gäbe es diesen Treffpunkt auch nicht.

Tondern liegt weit im Westen. Gibt es einen Unterschied zu den Schulen an der Ostküste?

Also, die Natur ist hier sehr prägend. Wer hier einen Sturm erlebt hat, wird wissen, was die Naturgewalten können. Der Himmel über dem Wattenmeer ist hoch und weit. Deshalb geht es auch mit den Schülern oft raus, und deshalb arbeiten wir daran, dass die Ludwig-Andresen-Schule auch offizieller Partner des Nationalparks Wattenmeer wird.

Die Natur hat viel zu bieten, und wenn man in der Kommune Tondern lebt, kann man das genießen. Deshalb verstehe ich die Debatte über „udkantsdanmark“ (Rand-Dänemark) auch nicht wirklich: Es hat viele Vorteile, in der Kommune Tondern zu wohnen und zu leben. Das müssen wir auch den Großstadtmenschen vermitteln.

Die Aufgabe für uns ist die, auf die Möglichkeiten hier zu bestehen und sie hervorzuheben. Wenn junge Menschen von hier weggehen, weil sie anderswo eine Ausbildung machen, sollte alles dafür getan werden, dass sie zurückkehren. Und das ist nicht immer eine leichte Aufgabe.

Wie sind die sprachlichen Verhältnisse an der Ludwig-Andresen-Schule?

Die Kinder an der Schule sprechen oft zwei Sprachen, Deutsch und Dänisch. Das können sie meistens unterschiedlich gut. Grundsätzlich ist die Unterrichtssprache dabei immer Deutsch. Wenn aber ein Kind Probleme hat oder ein schwieriges Gespräch stattfinden muss, darf das Kind selbstverständlich immer seine Muttersprache sprechen.
Wir versuchen aber immer, die Kinder zum Deutschsprechen zu motivieren. Den Vorteil, den die Kinder dadurch geschenkt bekommen, entdecken sie meistens erst viele Jahre nach der Schule.

In der Schule höre ich eher Beschwerden darüber, wie mühsam es ist, immer Deutsch sprechen zu müssen. Alle Eltern müssen dem Deutschen gegenüber aufgeschlossen sein, und wenn im Elternhaus kein Deutsch gesprochen wird, muss die Bereitschaft da sein, Deutsch zu lernen.

Wir arbeiten daran, einen Deutschkursus für Eltern ins Leben zu rufen. Bei der Einstellung von Lehrern achte ich immer zuerst auf die Persönlichkeit und auf die Mischung von unterschiedlichen Qualifikationen im Lehrerteam – die Mischung machts. Das Bewerbungspotenzial muss selbstverständlich da sein, und es ist für mich nicht zwingend notwendig, dass der Lehrer aus der Minderheit kommt. Jedem muss aber klar sein, dass wir eine Minderheitenschule sind, und man muss zu den Werten der Schule stehen.

Die Minderheit und die Grundlage auch für die Ludwig-Andresen-Schule ist vor 100 Jahren 1920 entstanden. Wie begeht ihr das Jubiläumsjahr?

Also am 3. Oktober 2020 beteiligen wir uns an einer großen Veranstaltung, auf die ich mich sehr freue. Es ist Zufall, dass es gerade am 3. Oktober stattfindet, aber das passt für meine Begriffe ganz gut. Wir stellen die Vielfalt der Minderheit mit all ihren Organisationen dar und machen das zusammen mit den Einrichtungen der dänischen Minderheit südlich der Grenze. Minderheit und Minderheit arbeiten zusammen, und das ist die richtige Art, das Jubiläum zu zelebrieren.

Auch gibt es das deutsch-dänische Schulkonzert, das wir zusammen mit dem Bund Deutscher Nordschleswiger und der Tønder Overbygningsskole in der Schweizerhalle hier in Tondern durchführen. 400 Schüler werden sich daran beteiligen. Also der 100. Geburtstag wird nicht unbemerkt vorbeigehen.

Was sollte man nächstes Jahr besonders markieren?

Wir sollten feiern, dass es Minderheiten gibt.

Nachgedacht

Nach diesen zwei Gesprächen scheint mir eine übergeordnete Pointe von Wichtigkeit zu sein: Sowohl Sofie Knauer als auch Bonni Rathje-Ottenberg heben den Minderheitenaspekt der deutschen Schulen hervor. Aber sie sind doch eigentlich deutsche Schulen?

Ich selbst bin der Vater von zwei glücklichen Söhnen in der deutschen Schule in Apenrade. Vom ersten Tag an aber war für mich immer klar und eindeutig, dass sie eine deutsche Schule besuchten. Dass diese zufälligerweise in Dänemark lag oder von der Minderheit betrieben wurde, war mir selbstverständlich bewusst, aber von sekundärer Bedeutung.
Sofie Knauer hat nicht nur die deutsche Schule, sondern das Schulsystem vom Kindergarten bis zum Abitur durchlaufen. Periodisch fühlt sie sich mehr deutsch und spricht besser Dänisch, periodisch fühlt sie sich mehr dänisch und spricht besser Deutsch. Als würde sie immer auf der einen oder anderen Seite eines unsichtbaren Grats wandern, der das Deutsch-Dänische ist.

Vielleicht ist es gerade die Aufgabe dieser Schulen, sich hin und her zu bewegen, ohne auf der einen oder anderen Seite zu verharren. So bleibt die Identitätsfrage offen und unbeantwortet – oder besser, diese Offenheit ist die Antwort.
Einmal fragte mich mein damals achtjähriger Sohn, der aus einem dänischen Elternhaus kommt: „Muss ich Deutscher sein, wenn ich groß werde?“ („Skal jeg være tysker, når jeg bliver stor?“)
Ich habe vergessen, was ich ihm geantwortet habe, aber jetzt ist mir klar, was ich hätte sagen sollen: „Ich weiß es nicht!“

Die Identitätsfrage wird immer erst im Nachhinein beantwortet. Bonni Rathje-Ottenberg hat es präzise zum Ausdruck gebracht: Dass die Doppelheit ein Geschenk ist, entdecken die Kinder erst viele Jahre später.

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