Erklären statt entfernen

Forscher soll Nazi-Vergangenheit der deutschen Minderheit aufarbeiten

Forscher soll Nazi-Vergangenheit der deutschen Minderheit aufarbeiten

Forscher soll Nazi-Vergangenheit der Minderheit aufarbeiten

Dominik Dose
Dominik Dose Online-Redaktion
Knivsberg
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Erklären statt entfernen soll künftig das Motto in der Gedenkstätte der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig sein. Foto: JT

Statt Namen von den Gedenktafeln der Gedenkstätte einfach zu entfernen, möchte der BDN künftig mithilfe eines Forschers die Geschichten hinter den Personen erzählen – und den Knivsberg zu einem historischen Lernort machen.

Hat die deutsche Minderheit in Nordschleswig ihre Nationalsozialistische-Vergangenheit ausreichend aufgearbeitet? Ja, sagt der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) Hinrich Jürgensen – „aber es gibt noch Möglichkeiten und Chancen, es künftig noch besser zu machen.“
Aus diesem Grund hat der Hauptvorstand des BDN am Montag grünes Licht dafür gegeben, finanzielle Mittel für die Einrichtung einer Doktoranden-Forscherstelle an der Süddänischen Universität zu sammeln.

Damit soll herausgefunden werden, ob und wie die zentrale Gedenkstätte der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig auf dem Knivsberg künftig zu einem historischen Lernort werden kann.

Diskussion über Namensentfernung als Anstoß

Ausgangspunkt war eine öffentliche Diskussion über das mögliche Entfernen eines Namens von der Gedenktafel Ende des vergangenen Jahres. „Bei den Gesprächen gab es viele verschiedene Meinungen. Der Tenor war, dass wir, statt die Namen zu entfernen, lieber die Geschichte hinter ihnen erklären sollten“, sagt Jürgensen.

Anschließend habe man überlegt, wie man dies am besten umsetzen könne. Am Ende sei man sich einig darin, dass eine externe, wissenschaftliche Untersuchung des Ganzen der beste Weg sei.

Erste Überlegungen sehen zum Beispiel eine Ausstellung im Langbehnhaus oder die Erarbeitung von Unterrichtsmaterial vor. „Was wir genau am Ende daraus machen, müssen wir noch sehen, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass man zu einzelnen Namen, die auf den Tafeln zu finden sind, die Geschichten hinter den Personen erzählt“, so der Hauptvorsitzende.

Finanzierung steht zu zwei Dritteln

Die Forscherstelle ist auf drei Jahre ausgelegt. Die Ausgaben sind mit insgesamt rund 1,8 Millionen Kronen veranschlagt. Der Plan ist eine Finanzierung durch drei verschiedenen Träger zu gleichen Teilen. Die ersten 600.000 Kronen vom BDN wurden am Montagabend durch den Hauptvorstand zugesichert. Von der Süddänischen Universität gibt es laut BDN-Kommunikationschef Harro Hallmann ebenfalls schon eine mündliche Zusage, das Projekt mit 600.000 Kronen zu bezuschussen. Das restliche Geld soll nun durch Drittmittel von zum Beispiel Stiftungen, Firmen oder öffentlichen Fördermitteln hereingeholt werden.

„Mit der Zusage durch den Hauptvorstand machen wir uns jetzt daran, um weitere Mittel zu werben. Wenn alles gut läuft, können wir die Forscherstelle Mitte kommenden Jahres ausschreiben“, sagt Hallmann. Wer als mögliche Geldgeber infrage kommen, konnte und wollte der BDN-Kommunikationschef noch nicht sagen.

Wie und von wem ein möglicher Kandidat ausgewählt wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Klar ist aber, dass dieser bei der SDU angestellt sein und auch vorrangig in Odense arbeiten wird. „Uns ist wichtig, dass derjenige vollkommen unabhängig arbeiten kann“, so Hallmann.

Auch Jasper Andresen, Vorsitzender des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig und Geschichtslehrer, meint, dass das Projekt der richtige Weg ist. „Das ist die richtige Art und Weise. Uns wurde oft vorgeworfen, dass wir unsere Vergangenheit immer nur selbst und aus unserer Sicht aufgearbeitet haben. Nun bekommen wir neutrale, wissenschaftlich erarbeitete Ergebnisse“, sagt Andresen.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Erneuerung und Tradition“