Sprachen

Deutsch und Französisch sterben aus

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Kopenhagen
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Symbolbild Foto: DPA

Vor einigen Jahren lernten noch 41 Prozent aller dänischen Gymnasialschüler drei Fremdsprachen. Das war einmal. Heute sind es nur wenige. Der Historiker Christian Foldager nennt diese Entwicklung die größte Katastrophe im dänischen Unterrichtssystem und Schandmal des politischen Versagens über Jahrzehnte.

Vor zwölf Jahren lernten noch 41 Prozent aller dänischen Gymnasialschüler drei Fremdsprachen. Im vergangenen Jahr wählten nur noch 42 Schüler Englisch, Französisch und Deutsch, während die Zahl für Englisch, Spanisch und Französisch nur bei 33 Personen lag.

Erschütternde Zahlen, und deshalb stellt eine dänische Initiativgruppe sogar die Frage , ob Deutsch und Französisch in Dänemark aussterben sollen. Verwiesen wird darauf, dass es an den 275 Gymnasien des Landes 500 Französisch- und rund 1.000 Deutschlehrer gibt, wobei jedoch die Hälfte der Französischlehrer und ein Drittel der Deutschlehrer schon über 60 Jahre alt sind.

Die Zahl der deutschsprachigen Schüler mit A-Niveau ist an den Gymnasien (STX) nach offiziellen Angaben des Unterrichtsministeriums von 9,1 Prozent im Jahre 2010 auf 8,3 Prozent 2017 zurückgegangen.

Das sind insgesamt 2.247 Jungen und Mädchen im ganzen Land – im Vergleich zu 6.928 Schüler (!), die in Dänemark zurzeit Spanisch gewählt haben. „Da stimmt doch etwas nicht. Die Grössenordnung ist völlig schief angesichts der Bedeutung für Dänemark“, so eine Sprecherin der Initiativgruppe.

Gefordert wird deshalb, dass Deutsch und Französisch künftig national und lokal gefördert werden. Alle Gymnasien brauchen eine verpflichtende Sprachstrategie mit einem Angebot von mindestens vier bzw. fünf Fremdsprachen an Gymnasien mit weniger bzw. mehr als 300 Schülern. Damit das sprachliche Niveau verbessert wird, sollen Sprachklassen für Deutsch und Französisch schon ab 7 Schüler errichtet werden. Um den Sprachtod zu vermeiden, sollen diese Sprachklassen in den nächsten fünf Jahren finanziell zusätzlich gefördert werden.

Die Initiativgruppe wendet sich nicht nur an Lehrer und Gymnasiallehrer, sondern auch an Handwerker, Vertreter der Wirtschaft, Journalisten und Juristen, um deutlich zu machen, wie wichtig diese beiden Fremdsprachen auch weiterhin für Dänemark sind. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es 110 Millionen Deutschsprachige, darüber hinaus gibt es 70 Millionen Französischsprachige in Frankreich, Schweiz und Belgien.

Der Historiker Christian Foldager befürchtet in Berlingske sogar, dass nach dem Kreuzzug gegen das Latein in diesen Jahren nun die Fremdsprachen Deutsch und Französisch in Dänemark ernsthaft gefährdet sind. Den sprachlichen Verfall nannte er die größte Katastrophe im dänischen Unterrichtssystem und Schandmal des politischen Versagens über Jahrzehnte.

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