Theater-Projekt 2020

Deutsch, dänisch oder „weiß-nicht"

Deutsch, dänisch oder „weiß-nicht"

Deutsch, dänisch oder „weiß-nicht"

Annika Zepke
Annika Zepke Journalistin
Nordschleswig/Kiel
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Die Schüler der Theater-AG des DGN bei der ersten gemeinsamen Theaterprobe: Hier wird gerade eine Vergangenheits-Szene geprobt. Foto: Helge Möller

Am Mittwoch kamen alle Beteiligten des grenzübergreifenden Theaterprojekts „Amphibien - ein deutsch-dänisches Abstimmungs-Schauspiel“ für das Jubiläumsjahr 2020 zu einer ersten gemeinsamen Probe ins DGN. Auch Landtagspräsident Klaus Schlie war dabei und zeigte sich sichtlich beeindruckt.

„Bis vor Kurzem war alles selbstverständlich: Wir waren Amphibien. Wir lebten in zwei Elementen: auf dem Land gehen, im Wasser schwimmen. In gewisser Weise tun wir es noch. Wir gehen von der einen Sprache in die andere wie durch eine offene Tür.“

Mit diesen Worten eröffneten die Schülerinnen und Schüler der Theater-AG des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig heute ihre erste offene Theaterprobe des Stückes „Amphibien“.

Identität einer Amphibie

„Amphibien – ein deutsch-dänisches Abstimmungs-Schauspiel“ ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem DGN und der Europa-Universität Flensburg (EUF), das anlässlich des Jubiläumsjahres 2020 inszeniert wird. Dem Anlass entsprechend dreht sich in dem Stück alles um die Frage der Identität im Grenzland. Deutsch, Dänisch oder vielleicht sogar „weiß-nicht“? Mit dieser Frage sehen sich die Charaktere des Stücks im Laufe der Proben mehr als einmal konfrontiert.

Dementsprechend treffend ist auch der Name des Stückes gewählt: Amphibien entscheiden sich nämlich eben gerade nicht. Sie stellen vielmehr das Bindeglied zwischen wasserlebenden und landlebenden Arten dar. Und so trotzen die Amphibien in dem Schauspiel im übertragenden Sinne auch dem „Bazillus des Nationalismus“.

Die Schüler stellen Amphibien dar.
Die Schüler verkörpern in dem Stück unter anderem Amphibien. Foto: Helge Möller

Geschichte neu verpackt

In ihrer Inszenierung greifen die Schüler historische Ereignisse auf, verpacken diese in eigenen Texten neu, fügen musikalische Elemente hinzu und zeigen auf, welche Relevanz die Frage nach der Identität sowohl in der Vergangenheit als auch heute noch hat.

Unterstützt werden sie dabei von verschiedenen Fachbereichen der Europa-Universität Flensburg. Der Fachbereich Mode und Textil sorgt für authentische Kostüme, der Fachbereich Kunst inszeniert das Bühnenbild, und bei der szenischen Ausarbeitung des Schauspiels werden die Schüler von dem Bereich Darstellendes Spiel unterstützt.

Auch die Texte sind Eigenproduktionen der Schüler des DGN, angelehnt an den Roman „Riss durchs Festland“ von Uwe Pörksen und ergänzt durch Informationen aus historischen Dokumenten.

Landtagspräsident zeigt sich begeistert

Nach den Proben zeigte sich Klaus Schlie, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags, vollauf begeistert: „Mit welchem Hintergrund ihr das Spannungsverhältnis sowohl in der historischen Situation, aber auch übertragen auf die Gegenwart, herausarbeitet, das ist wirklich sensationell. Weil man auch wirklich spürt, wie tief ihr in diesem Themenbereich drin seid. Hochachtung.“

Klaus Schlie bei der Theaterprobe am DGN
Klaus Schlie, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtags, war von den Proben sichtlich beeindruckt. Foto: Helge Möller

Stück mit wichtiger Botschaft

Stella Sina, Schülerin am DGN und Mitglied der Theater-AG, schreibt das Stück zusammen mit Jürgen Schultze, dem Leiter der Theater-AG des DGN und Koordinator in diesem Grenzprojekt. Ihr bedeutet das Stück sehr viel, denn sie findet, dass dort wichtige Dinge zum Ausdruck kommen: „Da kommt unter anderem zum Ausdruck, was Nationalität ist. Was geht in unseren Köpfen vor, wie kann so ein Phänomen entstehen. Dann ist es auch total wichtig ist, finde ich, zu sehen, wie die Zeit und die Gesellschaft einen Menschen beeinflussen kann.“ Am wichtigsten ist ihr jedoch zu zeigen: „Ich kann hier stehen als Kind der deutschen Minderheit, ich kann hier stehen und deutsch-dänisch sein, und es ist egal, was ich bin. Und das kann ich ja nur, weil Deutschland und Dänemark, und das Grenzland insgesamt, aus Fehlern gelernt und wir jetzt einen Kompromiss gefunden haben.“

Gute Zusammenarbeit

Projektleiter Jürgen Schultze ist ganz beeindruckt vom Engagement der Schüler, die das alles freiwillig und parallel zum Unterricht und anderen Aktivitäten auf die Beine stellen.

Die Schüler leisten wirklich wahnsinnig viel.

Jürgen Schultze

Auch er ist begeistert von der Kooperation mit der Europa-Universität Flensburg: „Wir arbeiten als Team super zusammen."

Auch Miriam Baghai-Thordsen von der EUF, die gemeinsam mit ihren Studenten das Abstimmungsschauspiel in dem Bereich Darstellendes Spiel unterstützt, ist begeistert von dem Kooperationsprojekt. „Es ist sehr beeindruckend, weil es einfach von Anfang an gepasst hat zwischen allen Beteiligten“, berichtet sie. Aber auch die finanzielle Unterstützung durch den Schleswig-Holsteinischen Landtag sei ein Traum. „Das gibt der Kreativität und dem Gesamten eine ganz andere Freiheit. Es ist ein Geschenk für alle Beteiligten.“

Das Schauspiel feiert am 13. Februar 2020 im Kieler Landeshaus Premiere. Im Frühjahr 2020 geht das Stück dann im Grenzland auf Tour.

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