Überblick am Donnerstag

Coronavirus: Nachrichten aus Nordschleswig und Dänemark

Coronavirus: Nachrichten aus Nordschleswig und Dänemark

Coronavirus: Nachrichten aus Nordschleswig und Dänemark

DN
Nordschleswig/Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Leere Parkplätze am Kolding Storcenter, das nach den neuesten Corona-Maßnahmen wie andere Einkaufszentren in Dänemark auch schließen musste. Foto: Søren Gylling/Jysk Fynske Medier/Ritzau Scanpix

Hilfspaket abgeschlossen, Hotels schließen, ältere Bürger sollten den öffentlichen Nahverkehr meiden, 1.-Mai-Veranstaltungen werden abgesagt, Gesundheitspersonal kann getestet werden, Grönland führt neue Maßnahmen ein.

 

1.151 Infizierte am Donnerstag

19.30 Uhr: Wie die Gesundheitsbehörde am Donnerstagnachmittag mitteilte, sind in Dänemark 1.151 Personen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Da nicht alle, die Symptome aufweisen, getestet werden, ist die Dunkelziffer vermutlich höher. Nur Schwerkranke werden in Dänemark getestet. Am Vortag lag die Zahl der Infizierten bei 1.057 – eine Steigerung von 94 Personen. 153 Patienten befinden sich in stationärer Behandlung, 30 werden intensivmedizinisch behandelt, 27 werden beatmet, sechs Patienten verloren bislang den Kampf gegen den Virus. Daten des Staatlichen Serum-Instituts zeigen, dass die Intensivpatienten zwischen 47 und 82 Jahre alt sind. Ritzau/hm

 

Medikamentenbehörde warnt vor Falschmeldungen und rät zur Zurückhaltung

17.40 Uhr: Weltweit suchen Wissenschaftler nach einem wirksamen Mittel gegen den neuartigen Coronavirus. Dabei richtet sich der Blick der Forscher auch auf existierende Medikamente, die gegen andere Krankheiten bereits eingesetzt werden. Thomas Senderovitz, Direktor der dänischen Arzneimittelbehörde, warnt aber vor zu großen Hoffnungen. Seinen Worten nach gibt es bis jetzt keine klinischen Versuche, die eindeutig belegen, dass beispielsweise Malariamittel oder HIV-Medikamente gegen den neuen Virus helfen. Ärzte in Dänemark haben aber das Recht, frei zu entscheiden, welches Medikament sie verordnen. Senderovitz spricht sich jedoch klar dagegen aus, dass Ärzte in Dänemark beispielsweise Malariamittel an Corona-Patienten ausprobieren. Zudem ruft er alle Dänen zu Besonnenheit auf und appelliert, in sozialen Medien nicht über mögliche Wirkungen von Medikamenten zu spekulieren. Ritzau/hm

 

Coronakrise: Dänen haben großes Vertrauen in Behörden

16.00 Uhr: Laut den Meinungsforschern von YouGov haben in der andauernden Corona-Krise die Dänen in den skandinavischen Ländern am meisten Vertrauen in die Arbeit ihrer Behörden und der Regierung. In Schweden denkt nur die Hälfte der Bürger, dass die Regierung die Krise gut managt. Die Norweger sind ähnlich unzufrieden; in Finnland haben die Bürger mehr Vertrauen. In Dänemark aber denken 86 Prozent der Menschen, die Regierung mache ihre Arbeit gut, die Hälfte denkt sogar, sehr gut. Die Dänen vertrauen im Vergleich zu den anderen Ländern zudem am meisten darauf, dass ihr Gesundheitswesen die Epidemie im Land gut bewältigen kann. hm

 

Fährverbindung Frederikshavn-Oslo stellt Betrieb permanent ein

14.42 Uhr Die Fährverbindung Frederikshavn-Oslo stellt permanent ihren Betrieb ein, nachdem das letzte Schiff am Sonnabend, 14. März 2020, verkehrt ist. Dies teilte die Reederei Stena Line am Donnerstagnachmittag, 19. März, mit. Die Route ist in erster Linie vom Passagiertransport während der Sommermonate abhängig, die nach Einschätzung der Reederei in diesem Jahr jedoch komplett ausfallen wird. Das Unternehmen ist in diesem Zusammenhang zu dem Schluss gekommen, dass es nicht auf den Sommer 2021 warten kann. Die Strecke wird seit mehr als 40 Jahren bedient und jedes Jahr von knapp einer halben Million Passagieren genutzt. Von der Schließung sind 30 Mitarbeiter bei Stena Line betroffen. nb

 

Solidarität: Nun hilft China der EU

14.35 Uhr: Nachdem im Januar die EU China im Kampf gegen den neuartigen Coronavirus mit 50 Tonnen Schutzausrüstung unterstützt hatte, revanchiert sich jetzt die Volksrepublik. China will der EU 2 Millionen medizinische Schutzmasken, 50.000 Testpakete und 200.000 Schutzmasken N95 zur Verfügung stellen. Dies bestätigte EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen am Mittwochabend. Ritzau/hm

 

Ibuprofen: WHO dementiert Medienberichte

14.10 Uhr: Ausländische und dänische Medien haben in jüngster Vergangenheit berichtet, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO vom Gebrauch des Schmerzmittels Ibuprofen abrät. Am Donnerstag dementierte die WHO dies. Es gibt das Gerücht, dass Ibuprofen die Symptome bei einer Covid-19-Erkrankung, hervorgerufen durch den neuartigen Coronavirus, verschlimmert, berichtet das Wissenschaftsjournal „Videnskab.dk". Die dänische Arzeimittelbehörde reagierte schnell und erklärte, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gebe. Sie rät aber doch, den Wirkstoff Paracetamol zu nehmen, der ebenso Schmerz lindert, da er weniger Nebenwirkungen habe. hm

 

Coronavirus: Anzahl der Patienten in den Krankenhäusern wächst

14.05 Uhr: Die Anzahl der Corona-Patienten, die stationär behandelt werden müssen, steigt weiter. Am Donnerstag sind es 153 Patienten landesweit, am Mittwoch lag die Zahl noch bei 129. 27 Patienten müssen am heutigen Tage beatmet werden. Dies teilte die Behörde für Patientensicherheit mit. In der Region Süddänemark sind 15 im Krankenhaus, vier werden beatmet und intensivmedizinisch betreut. Die Behörde gab auch bekannt, dass sechs Personen, die infiziert waren, gestorben sind. Der Virus müsse jedoch nicht zwangsläufig die Todesursache sein, so die Behörde, da die Patienten unter mehreren schweren Krankheiten litten. Ritzau/hm

 

Hilfspaket für Unternehmen

12:04 Uhr Der Frisör oder das Restaurant um die Ecke – all die Geschäfte und Unternehmen, die aufgrund der Coronakrise schließen mussten, können 100 Prozent ihrer festen Ausgaben erstattet bekommen. Dies sagte Finanzminister Nicolai Wammen (Soz.) auf einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag.

„Der Coronavirus ist ein Test für die dänische Gesellschaft. Wir müssen unsere Wirtschaft und unsere Arbeitsplätze schützen“, so der Minister.

Alle Parteien im dänischen Parlament haben sich auf eine entsprechende Vereinbarung geeinigt. Nach Meinung von Dansk Industrie ist die Vereinbarung ein in seinem Umfang einmaliges Hilfspaket, mit dem die Regierung zehntausenden an Firmen und Arbeitsplätzen unter die Arme greift.

Seit Mittwoch, 18. März 2020, muss eine ganze Reihe von Geschäften auf Anweisung der Regierung vorübergehend geschlossen bleiben. Ritzau

 

Digitaler Zugang funktioniert nicht

10.35 Uhr Die Schüler in Dänemarks Schulen und Bildungsstätten können zu Hause derzeit keine Aufgaben lösen. Das landesweite Schulsystem für den digitalen Zugang, Uni-Login, ist überlastet. Das gilt auch für die Schüler der deutschen Minderheitenschulen, die zwar eine andere Intra-Plattform nutzen, aber dennoch dasselbe Log-In-System anwenden. Die verantwortliche Behörde hatte zu Beginn der Woche für mehr Server-Kapazität gesorgt, doch diese reicht anscheinend nicht aus. Ritzau

 

Comwell schließt acht Hotels

10.10 Uhr Die Hotelkette Comwell schließt bis Ende des Monats die Hälfte ihrer dänischen Hotels. Der Umsatz der Hotelkette sei um 90 Prozent gefallen. Daher würden zunächst die Hotels Korsør, Sorø, Middelfart, Klarskovgaard, Kongebrogaarden, Kellers Park, Holte und Rebild Bakker geschlossen. Auch die Hotelkette Scandic erlebt ähnlich Umsatzeinbußen und schickte vorige Woche mehrere hundert Mitarbeiter nach Hause. Das Gleiche tat die BT Hospitality Group. Ritzau

 

Sechs Corona-Tote in Dänemark

9.48 Uhr Die Anzahl der Toten in Verbindung mit dem Coronavirus hat sich in Dänemark auf sechs erhöht. Dies teilte die Behörde Styrelsen for Patientsikkerhed mit. Mittwoch waren es noch vier gewesen. Bei den Verstorbenen ist der Virus nachgewiesen worden, doch dies bedeutet nicht, dass sie an den Folgen des Virus gestorben sind. Ritzau

 

Senioren sollten Busse und Züge meiden

9.39 Uhr Senioren in Dänemark werden nun dazu aufgefordert, öffentlichen Transport in Bussen und Zügen zu meiden, um nicht mit dem Coronavirus angesteckt zu werden. Die Aufforderung kommt von Transportminister Benny Engelbrecht (Soz.) sowie den Seniorenorganisationen Ældre Sagen und Faglige Seniorer. „Wir befinden uns in einer ernsthaften Lage, und leider erleben wir, dass ältere Bürger sich mit dem Virus infiziert haben. Senioren können die Ansteckungsgefahr mindern, indem sie Busse, Züge und Metro meiden", sagt Engelbrecht. Ritzau

 

1. Mai im Fælledparken abgesagt

8.38 Uhr Die größte Veranstaltung in Dänemark zum 1. Mai, die im Fælledparken in Kopenhagen, ist abgesagt worden. Das teilt der Gewerkschaftsverband LO in einer Pressemitteilung mit. Damit wird es keine öffentlichen Reden zum internationalen Arbeitertag geben. LO überlegt sich allerdings Alternativen, seine Botschaften zum Beispiel über soziale Medien zu verbreiten. Der 1. Mai wird seit 1980 im Fælledparken gefeiert. Ritzau

 

Tests für Gesundheitspersonal

7.50 Uhr Bisher konnten nur ernsthaft erkrankte Patienten wegen des Coronavirus getestet werden, doch nun gibt es auch Tests für Tausende von Fachkräften im Gesundheitswesen. Das Angebot gilt für Mitarbeiter, die milde Symptome haben. Alternativ müssten diese sich für 14 Tage zu Hause isolieren und würden damit dem Gesundheitswesen fehlen. „Sollte man nur leicht erkältet sein, und nicht mit dem Virus infiziert sein, darf man gerne arbeiten", sagt Stephanie Lose, Vorsitzende der Region Südänemark und dem Regionszusammenschluss Danske Regioner. Ritzau

 

Grönland macht dicht

6.15 Uhr Während viele Länder versuchen, die Verbreitung des Coronavirus zu entschleunigen, setzt Grönland darauf, den Virus ganz aus dem Land zu halten. Daher ist beschlossen worden, alle kommerziellen Flüge von und nach Grönland einzustellen sowie Restaurants, Bars und Geschäfte (bis auf Supermärkte) zu schließen. Auch hier dürfen sich wie in Dänemark nur bis zu zehn Menschen versammeln. Grönland hat nur eine geringe Kapazität im Gesundheitswesen und tut daher alles, um den Virus auf Abstand zu halten. Derzeit sind zwei Grönländer mit dem Coronavirus infiziert. Ritzau

 
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Leitartikel

Helge Möller
Helge Möller Journalist
„Bedürfnis im Grenzland“