Deutsche Minderheit

Ein Buch gegen Stereotype

Ein Buch gegen Stereotype

Ein Buch gegen Stereotype

Apenrade/Aabenraa
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Historiker Hans Schultz Hansen ist Forschungsleiter im Landesarchiv (rigsarkivet). Foto: Karin Riggelsen

Für den Historiker Hans Schultz Hansen ist „Gerningsmænd eller ofre“ eine lesenswerte Lektüre – auch für die dänische Mehrheitsbevölkerung.

Hans Schultz Hansen ist promovierter und habilitierter Historiker. Als Forschungsleiter im dänischen Reichsarchiv (rigsarkivet) interessiert er sich vor allem für die bewegte Geschichte des Landesteils im 19. und 20. Jahrhundert.

Hans, was hälst du von dem Buch „Gerningsmænd eller ofre?“

Sehr viel, es ist ein gutes Buch, sonst hätten wir es auch nicht in der historischen Gesellschaft (Historisk Samfund for Sønderjylland, Anm. Red.) herausgegeben. Es ist ein wichtiges Thema – und es ist aktuell, das sieht man an den Debatten, die in jüngerer Vergangenheit innerhalb der deutschen Minderheit geführt wurden, beispielsweise, als es um die Umbenennung von Ehrenhain zu Gedenkstätte auf dem Knivsberg ging.

Das Buch beleuchtet einen vergleichweise langen Zeitraum von 1945 bis 2016; besonders spannend ist in meinen Augen der Vergleich mit der Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland. Bedeutsam ist in meinen Augen, wie lange sich viele in der deutschen Minderheit im Vergleich zur Bundesrepublik als Opfer gefühlt haben. Das hat sich erst spät, in den vergangenen Jahren, geändert. Die Minderheit befindet sich seit einigen Jahren in einem Prozess; sie hat, was die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit angeht, einiges erreicht. Es gibt die ewig Gestrigen, aber es gibt auch die junge Generation, die offener ist.

Was kann das Buch bewirken?

„Gerningsmænd eller ofre“ untermauert Henrik Skov Kristensens früheres Werk „Straffelejren“, in dem es um die Internierung und die Rechtsabrechung der deutschen Minderheit geht. Ich hoffe, dass das neue Buch den Prozess, in dem sich die MInderheit befindet, weiter befördert.

Aber es ist auch ein Buch für die dänische Mehrheitsbevölkerung. Henrik Skov Kristensen setzt sich kritisch mit der Minderheit auseinander, er zeigt aber auch, dass viel passiert ist. Es ist ein Buch gegen Stereotype. Die Minderheit lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Wir bekommen gute Einsichten. Ich hoffe, es findet viele Leser.

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