Glaubensfragen

Bischöfin rüffelt Sonderburger Pastor

Helge Möller
Helge Möller Journalist
Hadersleben/Sonderburg
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Die Evolutionstheorie sorgt auch nach mehr als 150 Jahren für Gesprächsstoff. Foto: dpa/Picture Alliance

Mehr als 150 Jahre nachdem Charles Darwin seine Evolutionstheorie veröffentlichte, sorgt diese immer noch für Streit, zurzeit in Nordschleswig. Pastor Hauke Wattenberg von der deutschen Gemeinde Sonderburg hat seinen eigenen Blick auf das Geschehen.

Ein Zwist in der dänischen Volkskirche, der sich in Nordschleswig abspielt, findet seinen Niederschlag in den Medien. An dessen Anfang steht ein Artikel im Sct. Marie Sogns Kirchenblatt von Pastor Mads Jakob Jakobsen, Sonderburg, in dem er sich kritisch zur Evolutionstheorie Darwins äußert. Was zu einer Reaktion der Bischöfin in Hadersleben führte, die den Pastor nun ins Gebet nehmen will, wie Kristeligt Dagblad und Jydske Vestkysten berichten. Dies wiederum sorgt innerhalb der Kirche für Gesprächsstoff.

Darwins Theorie um die Entstehung des Lebens erkennt Jakobsen laut der Zeitung Jydske Vestkysten nicht an. Diese sei unethisch und unsolidarisch, sie führe zu Egoismus, zum Aussortieren von schadhaften Embryonen, Tötung von Demenzkranken und sei in letzter Konsequenz ein Argument für Rassismus.

Der Zeitung nach bekam die Bischöfin Marianne Christiansen Wind von der Sache, als Ray Carlton Jones, ein pensionierter Pastor, die Bischöfin informierte und darauf hinwies, dass nach seiner Auffassung Jakobsen die Evolutionstherorie als Glauben ansieht und diejenigen, die der Theorie Glauben schenkten, einverstanden seien mit unethischen Handlungen.

Bischöfin bietet Nachhilfeunterricht an

Die Bischöfin wolle nun mit Jakobsen eine theologische Diskussion führen und ihm Nachhilfeunterricht in Sachen Glauben und Wissen geben, schreibt JydskeVestkysten. Ihren Worten nach gibt es keinen Gegensatz in der Volkskirche zwischen dem Anerkennen der Evolutionstheorie und dem Glauben an Gott. Im Gegenteil: Je mehr man durch die Wissenschaft lerne, desto größer zeige sich Gottes Werk.

Sie unterstreicht in der Zeitung, das Treffen mit Jakobsen habe keinen disziplinarischen Hintergrund, sondern sei eine Unterhaltung. Kristeligt Dagblad schreibt allerdings von einer schriftlichen Zurechtweisung und Literaturvorschlägen, die sie dem Pastor zu einem späteren Zeitpunkt zusenden wolle.

Es sei sehr interessant, dass dieselbe Bischöfin die Vielfalt in der Volkskirche einschränken wolle, so Jakobsens Retourkutsche in Jydske Vestkysten. Jakobsen fühlt sich ungerecht behandelt. Die Bischöfin habe erst mit der Presse und dann mit ihm geredet, so Jakobsen zu Kristeligt Dagblad. Er werde sich nicht in Bücher zur Evolutionstheorie vertiefen. Er sehe einfach nur einen Zusammenhang zwischen einem darwinistischen Blick auf die Welt und einer Tendenz zu einem geringeren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Haltung sollte seiner Meinung nach in der Kirche Raum haben.

„Wir diskutieren und wir lachen miteinander“

Die Reaktionen anderer Geistlicher, die Kristeligt Dagblad zu der Sache befragte, zeichnen ein uneinheitliches Bild: Zum einen gibt es Verständnis für die Bischöfin, zum anderen werden ihr Einschreiten und ihr Parteiergreifen für die Evolutionstheorie kritisiert.

Hauke Wattenberg, Pastor der deutschen Gemeinde in Sonderburg, hat den Streit verfolgt und sieht die Äußerungen seines Kollegen Jakobsen, auf den er große Stücke hält, von der Meinungsfreiheit gedeckt. Es sei viel besser, miteinander zu diskutieren, als dies über die Medien zu tun.

Deshalb werde er auch nicht mehr dazu sagen, ein kleiner Hinweis auf die Wertigkeit dieses Disputs lässt sich ihm doch entlocken: „Wir diskutieren viel (in Sonderburg, Anm. d. Red.), aber wir lachen auch viel zusammen.“ Seiner Einschätzung nach hat ein „echter“ theologischer Streit eine andere Qualität.

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