deutsch-dänische Zusammenarbeit

Aufwind für den Grenzlandhelikopter

Aufwind für den Grenzlandhelikopter

Aufwind für den Grenzlandhelikopter

Nordschleswig
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Auf dem Weg zum Einsatz. Foto: DRF Luftrettung

Bislang 58 mal ist der Rettungshubschrauber aus Niebüll in diesem Jahr über die Grenze nach Dänemark geflogen. Wie läuft die Zusammenarbeit und wird sich die Kooperation durch den neuen Helikopterstandort in Nordjütland verändern? Die DRF Luftrettung und ein Notarzt geben Auskunft.

Einsätze des Rettungshelikopters Christoph Europa 5 in Süddänemark von Niebüll aus:

2015: 23

2016: 58

2017: 39

2018 (bis Ende September): 52

Der grenzüberschreitende Rettungseinsatz ist im Aufwind: Der in Niebüll stationierte Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung flog in den ersten neun Monaten des Jahres 52 mal über die Grenze, um Menschen zu retten und in Krankenhäuser zu fliegen. In 2017 waren es im gesamten Jahr lediglich 39 Einsätze. 2016 lag die Zahl der Einsätze bei 58.

„Es läuft wirklich sehr, sehr gut“, so eine Sprecherin der DRF Luftrettung, mit der die Region Süddänemark im Januar 2018 einen neuen, vierjährigen Vertrag eingegangen ist. „Die Zusammenarbeit ist reibungslos“, so die DRF im baden-württembergischen Filderstadt auf Nachfrage.

DRF im Norden: Die 2005 gegründete Station befindet sich am Krankenhaus Niebüll. Es kommt ein Hubschrauber des Typs BK 117 zum Einsatz. Foto: DRF Luftrettung

Generell macht der Rettungseinsatz in Süddänemark für das deutsche Unternehmen nur einen kleinen Teil der Arbeit aus: Insgesamt 1.024 mal wurde die Luftrettung in Niebüll bis September 2018 alarmiert, 52 mal davon für Einsätze in Süddänemark.

Ein Notarzt erzählt aus dem Alltag

Einer der Notärzte, die mit dem Hubschrauber Christoph Europa 5 über die Grenze fliegen, ist Tilo Klesse. Er arbeitet als Anästhesist in den Krankenhäusern Sonderburg und Apenrade – und darüber hinaus als Notarzt für die DRF. „Wir erleben eine positive Entwicklung und werden oft nach Dänemark gerufen“, sagt Klesse. Die Platzierung des Rettungshelikopters in Billund habe zwar kurzzeitig für weniger Anfragen geführt. „Doch mittlerweile scheint der Helikopter rund um Billund mehr zu tun zu haben. Wir werden vermehrt angefragt, es gibt gut zu tun.“

Die aktuellen drei Rettungshubschrauber-Standorte in Dänemark, Skive, Billund und Ringsted, werden ab Januar 2019 um einen weiteren Standort in Nordjütland ergänzt. Dass der in Niebüll stationierte DRF-Rettungshelikopter deswegen weniger zu tun haben wird, diese Befürchtung hat man in Niebüll nicht.

„Wir haben die Diskussion rund um die Platzierung des neuen Helikopters natürlich gespannt verfolgt“, so Notarzt Klesse. „Aufgrund der räumlichen Verteilung denke ich aber nicht, dass Billund spürbar mehr Einsätze in Süddänemark fliegt, als jetzt, wenn ein vierter Helikopter im Land hinzukommt. Da sprechen die Ankunftszeiten aus Niebüll einfach für sich.“ So benötigt der Rettungshubschrauber aus Niebüll nach Pattburg rund 15 Minuten, nach Tondern 5, und nach Sonderburg 20 Minuten. Die Ausrückzeiten von Billund nach Tondern oder Pattburg liegen beispielsweise zwischen 25 und 30 Minuten.

Der Rettungsschubschrauber im Einsatz. Foto: DRF Luftrettung

Hintergrundinfos:

o Der Einsatz des Christoph Europa 5 wird mit rund 550 Kronen (72,90 Euro) pro Minute vergütet, es wird monatlich abgerechnet.

o Die DRF-Luftrettung und die Region Süddänemark haben sich darauf geeinigt, dass der Hubschrauber am Standort Niebüll 365 Tage im Jahr bei Tageslicht bereit ist, innerhalb von drei Minuten zu starten.

o Angefordert wird der Christoph Europa 5 von der regionalen Alarmzentrale in Odense über die Leitstelle Nord in Harrislee. Während des Einsatzes nördlich der Grenze kommuniziert der Rettungshelikopter mit Odense.

Die Kooperation kann optimiert werden

Die Koordination der grenzüberschreitenden Einsätze laufe gut, könne aber noch optimiert werden, sagt Tilo Klesse über die Zusammenarbeit der regionalen Alarmzentrale in Odense und der Leitstelle Nord in Harrislee. Derzeit meldet die Zentrale in Odense einen Notfall nach Harrislee. Von dort aus wird dann Niebüll alarmiert. „Eine Arbeitsgruppe arbeitet intensiv daran, die beiden technischen Systeme zusammenzuführen. Beispielsweise läuft die Übermittlung von Adressen nicht immer optimal, dann fliegen wir nach Sicht.“

Die Sprache habe er in den Einsätzen nie als herausfordernd empfunden. „Wir haben zwei Rettungssanitäter und drei Ärzte, die Dänisch sprechen“, so Tilo Klesse, einer der dänischsprachigen Notärzte.

Sein jüngster Einsatz mit dem Helikopter über die Grenze hinweg betraf einen Mann, der in einem Tonderner Fitnesscenter einen Herzinfarkt erlitten hatte. „Er hatte gute Ersthelfer und so konnten wir ihn stabil nach Odense fliegen. Aber ohne Ersthelfer geht es nicht. Wenn kein Ersthelfer vor Ort ist, können wir bei einem Herzinfarkt so schnell da sein, wie wir wollen. Wenn in den ersten drei Minuten nichts unternommen wird, ist es zu spät.“

Infos:

o Der neue Rettungshelikopter für Norddänemark soll am 1. Januar 2019 seinen Betrieb aufnehmen. Zunächst vom Flughafen Aalborg aus, bis die neue Rettungsstation in der Jammerbugt Kommune fertiggestellt ist.

o Es gibt bislang drei Standorte in Dänemark für Rettungshelikopter: Skive, Billund und Ringsted. Darüber hinaus wird der in Niebüll stationierte Rettungshelikopter der Deutschen Rettungsflugwacht DRF wird in Kooperation mit der Region Süddänemark im Süden des Landes eingesetzt.

o im Finanzhaushalt für 2018 wurden 45 Millionen Kronen für 2019 abgesetzt, um die Zahl der Rettungshelikopter im Land auf vier aufzustocken.

o Ziel des zusätzlichen Helikopters ist es, die Einsatzzeiten im Norden des Landes zu verbessern und den drei anderen Rettungshelikoptern mehr Freiräume für Einsätze zu verschaffen.

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