Umweltverschmutzung

Arved Fuchs: „Nur die Spitze des Eisbergs“

Malick Volkmann
Apenrade/Aabenraa
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Arved Fuchs grüßt vom Deck der Dagmar Aaen. Foto: dpa

In einem Vortrag in der Deutschen Zentralbücherei Apenrade nahm Abenteurer Arved Fuchs die Zuschauer mit auf seine Reisen. Neben Wetterextremen zeigte er atemberaubende Landschaften, Flora und Fauna sowie den schädlichen Einfluss des Menschen selbst in den entlegensten Gebieten. Dabei bildet der Müll an den Stränden nur die Spitze des Eisbergs.

Es ist Sommer 2015. Schauplatz: Hamburger Hafen. Abenteurer Arved Fuchs und seine Crew befinden sich auf ihrem Schiff, der Dagmar Aaen. Bereit um auszulaufen. Die Ziele der Fahrt: Kap Horn an der Südspitze Südamerikas und die Antarktis.

„Bei der Expedition ging es natürlich nicht um das Entdecken. Die Areale sind ja heutzutage bekannt“, sagt Fuchs zu Beginn seines Vortrags im gut gefüllten Vortragsraum im Haus Nordschleswig. Vielmehr ging es um Veränderungen der Ozeane durch den Einfluss der „Krönung der Schöpfung“ – den Menschen.

Sein nüchternes Fazit: Dass das ökologische Verhalten unserer Spezies oft gar nicht so königlich ist, lässt sich selbst in abgelegenen und menschenfeindlichen Gegenden wie Feuerland im Süden Chiles oder der südlichen Antarktischen Halbinsel feststellen.

Müll in entlegensten Gegenden

„Auch dort, wo meilenweit kein Haus steht und kein Hafen angelegt wurde, fanden wir alte CDs, Plastiktüten und Netze“, berichtet Fuchs von seinen Entdeckungen. Besonders schockiert habe ihn ein Fund auf einer kleinen Insel vor der Küste Chiles: „Es gab nichts auf dieser Insel, nur Felsen und die Brandung. Auf Paletten hat irgendjemand alte Akkus und Batterien zurückgelassen. Mitten in der unberührten Natur. Ich weiß nicht, was in den Köpfen solcher Menschen vorgeht“, kritisiert der Abenteurer.

Besonders schockieren Fuchs sogenannte Geisternetze, die zahllos an die Küsten geschwemmt werden. „Das sind alte Netze, die den Fischern auf hoher See ‚verloren gegangen‘ sind. Sie reißen alles mit sich, egal ob Wal, Robbe oder Hai“, so Fuchs. Die Tiere verhungern, ertrinken oder ersticken. An den Stränden fand Fuchs sogar tote Rentiere, die in den Netzen stranguliert wurden.

Geisternetze wie diese bilden eine Gefahr für viele Meeresbewohner. Foto: Pietro Jeng

Dazu kommen die unzähligen Kunststoff-Teile, die Fuchs auf seiner Reise fand. „Die Tiere fressen es und verenden daran. Das ist zwar bekannt, aber der bewusste Umgang ist immer noch nicht richtig in der Gesellschaft angekommen. Nur weil wir hier an der Nord- oder Ostsee nicht jeden Tag tote, angeschwemmte Tiere sehen, heißt das nicht, dass wir uns so verhalten dürfen als gebe es sie nicht. Wir haben eine Verantwortung“, so der 65-Jährige.

„Das, was die Ozeane an den Stränden an Plastikmüll ausspucken, ist nur die Spitze des Eisbergs – der Großteil schwimmt in ihnen“, sagt Fuchs. Der Eisberg, der zu 85 Prozent unter Wasser treibt, dient also quasi als Metapher für den Abfall der Menschen, der zu großen Teilen unsichtbar in den Meeren schwimmt und nur kleinere Mengen an den Küsten sichtbar werden.

Selbst an entlegenen Stränden wie diesem sammelt sich haufenweise Müll. Foto: dpa/Jennifer Lavers

Angekommen in der Antarktis, legen Fuchs und seine Crew einen Zwischenstopp an einer chilenischen Forschungsstation ein. Was verwundert: Pinguine, um die ein Abstand von mindestens fünf Metern gehalten werden soll, quartieren geradezu in direkter Nachbarschaft zu den Forschern. Aber nein, dieses Mal ist nicht der Mensch schuld. Zumindest nicht direkt. „Die chilenischen Forscher waren zuerst da, die Pinguine kamen nach“, erzählt Fuchs.

Pinguine wandern gen Süden

Woran das liegt? Am Klimawandel. Und hier kommt der Mensch eben doch wieder unausweichlich ins Spiel. „Im Norden der Antarktis wird es zu warm. Dadurch erhöht sich die Wassertemperatur und die Nahrungsgrundlage der Pinguine bricht weg“, erklärt Fuchs, der 1989 als erster Mensch der Welt beide Pole innerhalb nur eines Jahres zu Fuß erreichte. Um ihr Überleben zu sichern, wandern die großen Pinguin-Kolonien nach Süden, in die Kälte. Sie folgen ihrem Futter und kommen dem Menschen dadurch ungewohnt nahe.

Ein Pinguin besucht eine Forschungsstation in der Antarktis. Foto: dpa

Als weiteren Indikator für das Fehlverhalten der Menschen sieht Fuchs die Wale: „Im 20. Jahrhundert töteten Walfänger jeden der großen Säuger, den sie vor die Harpune bekamen. Anschließend verkochten sie die Tiere zu Öl und Tran. Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zogen die Wilderer dann ab, weil es einfach keine Wale mehr zu jagen gab“, erzählt Fuchs und gibt so auch historische Einblicke in seinem Vortrag.

Wir haben 2015 nicht einen Blauwal gesehen. Die Population hat sich wohl immernoch nicht von dem Gemetzel erholt.

Arved Fuchs

„Wir haben 2015 nicht einen Blauwal gesehen. Die Population hat sich wohl immernoch nicht von dem Gemetzel erholt“, so der Mann, der die Antarktis 1989 zusammen mit Bergsteiger-Legende Reinhold Messner durchquerte – auf Skiern. Zur besseren Vorstellung: Der Weg der zurückgelegten 2.800 Kilometern entspricht etwa einer Route von Nord-Norwegen bis ins italienische Mailand.

Entwicklung der Robben-Population macht Hoffnung

Aber es gebe auch gute Entwicklungen. Beispielsweise habe sich die Anzahl der Robben, die genauso wie Pinguine ebenfalls bejagt wurden, in der Antarktis wieder erhöht. Die Population sei gesund.

Die Expedition endete im Sommer 2016 nach ziemlich genau einem Jahr wieder im Hamburger Hafen. Die Dagmar Aaen legte rund 21.000 Seemeilen zurück.

Büchereidirektorin Claudia Knauer bedankte sich abschließend bei Fuchs und dem BDN Bezirk Apenrade, mit deren Zusammenarbeit die Multivisionsshow samt Bildern und Videos von Fuchs’ Expeditionen auf die Beine gestellt werden konnte.

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