Dasnk-tysk med Matlok

Als durch Hans Heinrich Hansen vielen Steine vom Herzen gefallen sind

Als vielen Steine vom Herzen gefallen sind

Als vielen Steine vom Herzen gefallen sind

Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
Kopenhagen
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Bischof Skov-Jakobsen beim Fernsehinterview mit Siegfried Matlok im Kopenhagener Bischofssitz. Foto: DK4

DK4-Interview mit dem Kopenhagener Bischof Peter Skov-Jakobsen über deutsche Stadtpastoren, Hans Heinrich Hansen und Angela Merkel.

Der Bischof von Kopenhagen, Peter Skov-Jakobsen, hat in einem Interview mit dem Fernsender DK4 die Rede des damaligen Hauptvorsitzenden Hans Heinrich Hansen 1995 auf Düppel als eine Wende im Verhältnis zwischen Mehrheit und deutscher Minderheit bezeichnet. „Da sind vielen Steine vom Herzen gefallen“, so Skov-Jakobsen. Die Rede habe nicht nur ein neues Verständnis für die Anliegen der deutschen Minderheit gebracht, sie habe auch „einen neuen Horizont eröffnet“.

Im Interview, das am Donnerstagabend, 3. September 2020 um 19.20 Uhr auf DK4 ausgestrahlt wird, spricht der Bischof im Programm „Dansk-tysk med Matlok“ auch über die Vergangenheit der deutschen Minderheit. Es sei wichtig, „die Nuancen in der Geschichte hervorzuheben“, meinte der Kirchenvertreter angesprochen auf die deutschen Pastoren Carl Beuck, Apenrade, und Friedrich Prahl, Hadersleben, die als städtische Pastoren der dänischen „Folkekirke“ das Evangelium in deutscher Sprache verkündeten. „Wir wissen, dass auf jeden Fall drei der vier deutschen Stadt-Pastoren im Herbst 1943 den Hirtenbrief der dänischen Bischöfe als Warnung vor der Judenaktion in der Kirche verlesen haben. Und wir vermuten, dass dies auch in Tondern der Fall gewesen ist. Das war natürlich ein ernster Protest, es handelte sich schließlich um eine Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Nationalsozialismus.“

Im Interview verweist Siegfried Matlok auf eine Predigt, die der Bischof 2019 in „Vor Frue Kirke“ gehalten hat – am 800. Jahrestag des Dannebrogs, der damals angeblich bei Tallinn vom Himmel gefallen sei. Der Bischof sagte unter anderem in seiner Predigt:

„Geschichte steht nie still, und Geschichte kann immer wieder neu geschrieben werden. Einer nationalen Gemeinschaft anzugehören bedeutet aber nicht, dass es sich dabei nur um Siege handelt. Zur nationalen Gemeinschaft gehört auch, wo es manchmal weh tut, wo wir Fehler begangen haben und sogar Schuld auf uns genommen haben. Das ist auch ein Teil unserer nationalen Gemeinschaft. Die Deutschen haben es gut verstanden, sich mit Fragen der Schuld zu befassen, aber wir kennen das Problem auch aus unserer eigenen Geschichte. Hätten wir am 9. April 1940 Widerstand leisten, zu den Waffen greifen und damit riskieren sollen, dass die großen Städte ausgelöscht worden wären? Oder sollten wir uns damit begnügen, tüchtig Fahrräder aufzupumpen, um den deutschen Panzern mit Fahrrädern gegenüberzustehen, wie es der Fall war? Wir diskutieren noch immer diese Fragen, und wir werden uns wohl nie einig werden.“

Matlok: „Hat es nach Ihrer Meinung auch bei der Rechtsabrechnung dänische Fehler gegeben?“

Bischof Skov-Jakobsen: „Die großen Fische wurden nicht gefangen, die kleinen gingen hingegen ins Netz. Wir wissen auch von Hinrichtungen, die zwei Jahre später nicht mehr vollstreckt worden wären. So ist nun mal Geschichte. Wenn man von Wut erfasst wird, dann greift man zu Mitteln, die man heute anders beurteilt.“

Matlok: „Gab es dabei eine besondere Situation für die deutsche Minderheit?“

Bischof: „Kann ich nicht beurteilen, aber sicher wurde in Einzelfällen auch Unrecht begangen. Eine Minderheit, die so nationalsozialistisch durchgefärbt war, muss doch eigentlich auch ein Verständnis dafür haben, denn man hatte seine Loyalität nicht nur einer fremden Macht erklärt, sondern auch einer selten vulgären Ideologie. Da braucht man einen kühlen Kopf, da hat es gewiss Unrechtsfälle gegeben, aber es gab sicher eine Mehrheit, die damals wohl auch gemeint hat: die brauchen eine Abkühlung.“

Im Interview spricht der 1959 in der Nähe von Odense geborene Peter Skov-Jakobsen unter anderem über seinen Grossvater Wilhelm Heinrich Petersen aus Christiansfeld, der das Interesse des Jungen für das Grenzland geweckt hat, wie er an der Zonengrenze bei Lübeck als 13-Jähriger Schüler im Anblick der DDR-Wachtürme seine ihn bis heute prägende Abscheu vor jeder Art von Totalitarismus entdeckte und auch über sein unverändert neugieriges Interesse für Deutschland – mit großer Bewunderung für Kanzlerin Angela Merkel.

Peter Skov-Jakobsen ist alleiniger Kandidat für den Vorsitz von „Grænseforeningen“ als Nachfolger von Jens Andresen, der freiwillig auf eine Wiederwahl verzichtet.

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