Alkohol

Alkoholkonsum unter Jugendlichen – das sagen DGN-Schüler

Alkoholkonsum unter Jugendlichen – das sagen DGN-Schüler

Alkoholkonsum unter Jugendlichen – das sagen DGN-Schüler

Kim Malin Bethke
Apenrade/Aabenraa
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Anne-Christine Iwersen, Madeline Elise Lund-Hansen und Emilia Lo Monaco (v. l.) verbringen die Mittagspause gemeinsam. Foto: Kim Malin Bethke

Eine europäische Untersuchung zum Konsum von Rauschmitteln der Gesundheitsbehörde hat ergeben, dass Jugendliche in Dänemark mehr Alkohol trinken. „Der Nordschleswiger“ hat bei den Schülern des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN) nachgefragt, um herauszufinden, wie sie den Alkoholkonsum wahrnehmen.

In der Untersuchung wurden 2.500 Schüler der 9. Klasse in 81 Schulen gefragt, welche Erfahrungen sie mit Alkohol hätten. 40 Prozent der 15- bis 16-Jährigen gaben 2019 an, in den vergangenen 30 Tagen betrunken gewesen zu sein. 2015 waren es 32 Prozent. Die Gesundheitsbehörde verzeichnete fallende Zahlen seit 1999, nun aber wird offenbar unter Jugendlichen wieder mehr getrunken.

Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Mai 2020 zeigte ähnliche Ergebnisse. Auch darin wurde deutlich, dass dänische 15-Jährige diejenigen in Europa sind, die am häufigsten Alkohol trinken.

Während 82 Prozent der dänischen 15-Jährigen bereits Alkohol probiert haben, traf das nur auf 59 Prozent der Jugendlichen in anderen europäischen Ländern zu. Gleichzeitig haben 65 Prozent der 15-jährigen Dänen im vergangenen Monat Alkohol getrunken, und 42 Prozent haben versucht, mindestens zweimal betrunken zu sein.

Das sagen die DGN-Schüler

Auf die Frage, ob sie die Ergebnisse der Studie bestätigen können, folgte bei allen Schülern des DGN eine ähnliche Reaktion: „100 Prozent!“ oder „Ja, auf jeden Fall!“ ist zu hören.

Die 16-jährige Anne-Christine Iwersen erzählt, dass sie am Anfang dachte, Dänen würden überhaupt nicht trinken, sie aber mittlerweile vom Gegenteil überzeugt sei. „Deutsche trinken viel weniger“, sagt sie.

Die Meinungen darüber, ob getrunken werden muss, um auf einer Party mehr Spaß zu haben und in Stimmung zu kommen, gehen auseinander. „Ja, mit Alkohol ist man offener und macht lustigere Sachen“, findet Dominik Pusch (17). „Es kommt auf die Menschen an. Häufiger ist es ohne Alkohol lustiger“, meint hingegen Simon Rittinghausen (17).

Genuss oder Mittel zum Zweck

Geht es bei den Jugendlichen darum, möglichst viel und möglichst schnell zu trinken, oder besinnen sie sich auch darauf, Alkohol als Genussmittel zu genießen?

Es ist was anderes, ob man mal einen Sekt am Strand genießt oder nur Bier trinkt, um betrunken zu werden.

Emilia Lo Monaco, Schülerin am DGN

„Es gibt Tage, da trinkt man mehr und welche, da trinkt man eher aus Genuss – aber es ist immer abhängig davon, mit welchen Leuten man zusammen ist“, stimmt Emilia Lo Monaco (17) zu. „Es ist was anderes, ob man mal einen Sekt am Strand genießt oder nur Bier trinkt, um betrunken zu werden.“

„Auf großen Feiern geht es mehr darum, möglichst viel zu trinken“, ist sich Lasse Søndergaard (17) sicher.

Kein Alkohol gleich Spaßbremse?

Alkohol spielt also im Leben der Jugendlichen keine unwesentliche Rolle – aber wie sieht es für die Leute aus, die nicht oder nur wenig trinken?

„Ich habe einen Freund, der gar nicht trinkt“, erzählt Kieran Kunkel (17). „Er macht viel Sport, und wir akzeptieren das natürlich. Spaß haben wir auf Partys trotzdem zusammen.“

Dominik Pusch (links) und Kieran Kunkel macht es nichts aus, wenn andere nicht zum Alkohol greifen – sie haben auch so Spaß mit ihren Freunden. Foto: Kim Malin Bethke

So sehen es alle Jugendlichen, die befragt wurden. „Jemanden dazu zu zwingen, Alkohol zu trinken, geht gar nicht“, erklärt Simon. „Es ist schöner, wenn man selbst über seinen Konsum entscheiden kann und sich nicht dazu gedrängt fühlt.“

Jemanden dazu zu zwingen, Alkohol zu trinken, geht gar nicht.

Simon Rittinghausen, Schüler am DGN

„Ja, ich kenne auch Leute, die gar nicht oder nur selten trinken“, erzählt Isabelle Møller Brodersen (16). „Die kommen dann aber auch nicht zu so vielen Feiern mit.“

Darin, niemandem zum Alkoholkonsum zu zwingen, sind sich alle Jugendlichen einig. Spaß können sie auch mit denjenigen haben, die nicht trinken.

Stine Korff (links) und Isabelle Møller Brodersen haben auch schon bei Freunden mitbekommen, dass Alkohol negative Konsequenzen haben kann. Foto: Denise Dörries

Aber wer trinkt generell mehr – Mädchen oder Jungen? Gibt es da eine Tendenz? Hier gehen die Meinungen stark auseinander.

„Ich glaube nicht, dass es da einen großen Unterschied gibt“, meint Lasse. Anne-Christine ist anderer Meinung: „Ich kenne mehr Mädchen, die sich betrinken, und mehr Jungs, die überhaupt nicht trinken oder viel passiver.“ David Drube (17) liefert dafür Gegenargumente aus der Jungsperspektive. „Jungs trinken schon mehr als Mädchen, weil sie halt auch mehr vertragen“, ist er sich sicher.

Negative Konsequenzen des Alkoholkonsums

Auch mit den negativen Konsequenzen von Alkohol kennen sich die meisten schon aus. „Ich habe schon zweimal mitbekommen, dass Leute mit dem Krankenwagen abgeholt wurden“, berichtet Simon. „Außerdem gibt es viele, die schwimmen gehen, wenn sie betrunken sind und dann vergessen, dass sie noch ihr Handy in der Hosentasche haben.“

„Oder sie verlieren ihr Handy oder ihr Portemonnaie“, fügt Anne-Christine hinzu. Außerdem erzählt sie von einem Trinkspiel, bei dem mit der Hand Bierdosen zerhackt werden. „Ich habe schon gesehen, wie jemand sich dabei richtig die Handkante aufgeschnitten hat“, berichtet sie.

Simon Rittinghausen weiß, dass es kein Einzelfall ist, dass Handys gern mal baden gehen, wenn ihre Besitzer betrunken sind. Foto: Kim Malin Bethke

Auf die Frage, ob sie jemanden kennen, der am nächsten Tag bereut hat, was er in betrunkenem Zustand getan hat, lachen die Jugendlichen.

„Ja! Ich, jedes Mal“, sagt Emilia scherzhaft. „Viele bereuen am nächsten Tag ja, so viel getrunken zu haben, wenn sie zum Beispiel mit Kopfschmerzen aufwachen“, fügt Simon hinzu.

„Oder wenn sie dann merken, dass ihr Handy kaputt ist oder das Portemonnaie weg“, kommt Anne-Christine noch mal auf diesen Aspekt zu sprechen.

Die Stimmen der befragten Jugendlichen bestätigen eine Sache: Alkohol ist in ihrem Leben auf jeden Fall Thema. Ob sie nun trinken oder nicht.

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