Deutsche Minderheit

Mit 70-jährigem Sozialdienst zurück in die Zukunft

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Kollund
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Die „Kultouristen“, Dieter Søndergaard, Marion Petersen, Helmuth Petersen und Hauke Wattenberg erhielten viel Beifall für ihre Beiträge mit Humor und Hintersinn. Foto: Karin Riggelsen

Auf der Jubiläumsfeier des Sozialdienstes gab es Worte der Anerkennung für den ehrenamtlichen Einsatz in der deutschen Minderheit. Schleswig-Holsteins Minderheitenbeauftragter Callsen nannte den Verband ein grenzüberschreitendes Vorbild.

„Ich freue mich, dass so viele gekommen sind, viele von euch sind viele Jahre dabei“, hieß es in der Begrüßung des Vorsitzenden Gösta Toft vor rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jubiläumsfeier des Sozialdienstes Nordschleswig, die auf den Terrassen des Hauses Quickborn bei strahlendem Sonnenschein die Gründung des Verbandes vor 70 Jahren feierten. „Stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen, die über Jahrzehnte hinweg unseren Verein getragen haben, möchte ich Anna Klindt begrüßen. Du bist unser Ehrengast“, so Toft, der hinzufügte, dass die 104-Jährige in einer Zeit tätig gewesen ist, als es große Veränderungen im Verband gegeben hat, sich der Soziale Frauendienst zum Sozialdienst wandelte.

„Aus Anlass des Tages möchte ich einleitend auf die Geschichte des Sozialdienstes eingehen, nicht um alte Geschichten aufzuwärmen, sondern um nach vorne zu schauen, nach dem Motto: Zurück in die Zukunft“, fuhr der Vorsitzende fort. „Wenn wir die zukünftigen Herausforderungen meistern wollen, brauchen wir nicht nur hauptamtliche Berater, sondern viele Freiwillige“, rief Toft den Festteilnehmern zu, unter denen auch einige Kinder waren, die auf dem Gelände des Veranstaltungszentrums des Sozialdienstes spielten.

Sozialdienstvorsitzender Gösta Toft ehrte Anna Klindt in Kollund. Foto: Karin Riggelsen

Den nördlich wie südlich der Grenze immer wichtigeren Einsatz von Ehrenamtlern sprach auch der schleswig-holsteinische Minderheitenbeauftragte, Johannes Callsen, an, der an den Beginn des Krankenpflege-Einsatzes in der heutigen Grenzregion mit Margarethenschränken im 19. Jahrhundert erinnerte. Der Landtagsabgeordnete überbrachte die Grüße von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und der gesamten Regierung Schleswig-Holsteins. Callsen nutzte seine Ansprache, um für eine Wiederbelebung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Sozial- und Gesundheitswesen zu werben.

Das Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei (SP) in Sonderburg, Kirsten Bachmann, wies in ihrem Referat auf die große Bedeutung des Sozialdienstes als Ergänzung des öffentlichen Systems hin. „Wir können den Extra-Einsatz der Freiwilligen nicht in Gold aufwiegen“, sagte sie.

Der BDN-Hauptvorsitzende, Hinrich Jürgensen, gratulierte nicht nur dem Sozialdienst, sondern sprach deren Hauptamtlichen und Ehrenamtlern den Dank der gesamten Volksgruppe aus: „Macht weiter so, ihr arbeitet erfolgreich, was von vielen beneidet wird.“

Zu den Höhepunkten der Jubiläumsfeier im Haus Quickborn zählte das fantastische Kuchenbüfett mit jeder Menge selbst gefertigten Leckerbissen. Foto: Karin Riggelsen

Wenn man nach vorne schauen will, ist es gut und nützlich, einen Blick zurück zu werfen!

Gösta Toft

Humorvolle Laudatio mit „Recht auf Altersstarrsinn“

Während der Festveranstaltung, bei der Gösta Toft auch Vertreter der vier nordschleswigschen Kommunen wie den Tonderner Sozialausschussvorsitzenden Peter Christensen (Soz.) begrüßen konnte, standen ebenso kulinarische Genüsse und Unterhaltung auf dem Programm. Gösta Toft schwärmte in seiner Begrüßung vom herrlichen, sonnigen Sommerwetter, das, „wie versprochen“, am Festtag beschert wurde.

Das Torten- und Kuchenbüfett „lachte“ die fast 200 Teilnehmer beim Jubiläumsfest an, die von der Terrasse aus das Programm verfolgten und die Gelegenheit zu Gesprächen nutzten.

Gösta Toft hatte in seiner Rede bereits angesprochen, dass der Sozialdienst 1948 neu gegründet worden war, aber es bereits mit dem Wohlfahrtsdienst Nordschleswig, gegründet 1928, einen Vorläufer gegeben hatte. Das griff das Quartett „Kultouristen“ in seinem Beitrag im Anschluss an die tolle Kaffeetafel auf.

Ich lade gerne Gäste ins Haus Quickborn ein. Es ist eine Perle in der großen Kette der Angebote des Sozialdienstes Nordschleswig. Er sorgt für eine Betreuung von der Wiege bis ins Grab.

Hinrich Jürgensen

Nachdem sich Helmuth Petersen und Hauke Wattenberg bereits vorgestellt hatten: „Wir sind alt“, und Dieter Søndergaard (Gitarre) und Marion Petersen (Gesang) mit der Frage, „was macht denn das junge Gemüse hier?“ präsentierte, ging es zur Sache.

„70 Jahre ist der Sozialdienst nur alt?“, fragte Helmuth Petersen – und es gab die Information aus Nordschleswig-Wiki, dass der vorangegangene Wohlfahrtsverband bei Kriegsende aufgelöst worden war. „Das lag wohl an der jugendlichen Dummheit“, erklang es von der Bühne zur Gründung in den 1920er Jahren, als „alles noch so freizügig war und FKK und Nacktbaden modern wurde“. „Wir wurden dabei in den 30er Jahren so knackig braun“, ging es weiter. „Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und dumm wie der Windhund war man damals in Nordschleswig“, erläuterten Petersen und Wattenberg und setzten noch eins drauf: „Gut, dass man ab 70 das Recht auf Vergesslichkeit hat. Das nennt man angewandte Altersdemenz“, ging es unter Beifall des Publikums weiter.

Mit mehreren Songs, in denen sie sich mit Texten zum Beispiel auf die „Suche nach der vertanen Zeit“ machten, beeindruckten Dieter Søndergaard und Marion Petersen das Publikum, das mitunter bei den eingängigen Melodien mitklatschte.

Etwas für andere tun, enger Kontakt und Nähe sind kennzeichnend für den Einsatz von Freiwilligen. Und ich kriege so viel wieder, wenn ich anderen etwas gebe.

Kirsten Bachmann
Johannes Callsen
Johannes Callsen überbrachte die Grüße Schleswig-Holsteins. Foto: Karin Riggelsen

In weiteren Beiträgen glänzten Helmuth Petersen und Hauke Wattenberg wieder einmal als Meister der deutschen Sprache und des Wortspiels. Sie ließen das Leben eines Menschen von den schönen ersten zehn Jahren, an die sich die Phase von Zahnspange und Pubertät anschließt, über die nette Zeit zwischen 20 und 30 mit vielen Mädels und arbeitsreichen Jahren zwischen 30 und 40 („Arbeit, so weit das Auge reicht“) und folgenden Phasen bis zum Alter von 70 Jahren humorvoll Revue passieren. „Dann kannst du glücklich werden“, lautete das Resümee: „Dann hast du endlich das Recht auf Altersstarrsinn“, hieß es, und es folgte ein lustiger Reigen mit dem Schlusssatz: „Und legt sich deine Stirn in Falten, glücklich sind wir Alten.“

Interessant war in den Reden des Minderheitenbeauftragten und Landtagsabgeordneten Johannes Callsen und der SP-Kommunalpolitikerin und Krankenschwester Kirsten Bachmann, dass beide auf die Bereitschaft vieler Menschen nördlich wie südlich der Grenze hinwiesen, ehrenamtlich tätig zu sein.

Auf deutscher wie dänischer Seite stießen die Sozialsysteme auf Grenzen, den Mitmenschen zu helfen. Nur durch Freiwillige und Ehrenamtler seien alle sich stellenden Aufgaben zu erfüllen.

Callsen berichtete über Ehrenamtsnetzwerke und Veranstaltungen in Schleswig-Holstein, die Werbung für Mitarbeit machten. Bachmann stellte Center für Freiwillige in Nordschleswig vor, in denen auch der Sozialdienst aktiv mitarbeite.

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