Thema der Woche: Made in Nordschleswig

„Süddänemark hat viele fantastische Unternehmen“

„Süddänemark hat viele fantastische Unternehmen“

„Süddänemark hat viele fantastische Unternehmen“

Nordschleswig
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Das Erhvervshus Sydjylland liegt in Woyens (Vojens). Foto: Erhvervshus Sydjylland

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Wirtschaft: Wie werden Firmen aus dem Landesteil grenzüberschreitend fit für die Zukunft? Die deutsche Sprache spielt eine Schlüsselrolle. Jacob Chr. Nielsen, Direktor beim Erhvervshus Sydjylland, und Leif. F. Jørgensen, Vorsitzender des Udviklingsråd Sønderjylland, verraten ihre Strategie.

Nordschleswig hat zwei Interessenorganisationen, die Unternehmen als Partner und Ratgeber zur Seite stehen. Das sind das Erhvervshus Sydjylland mit Sitz in Woyens (Vojens) und der Udviklingsråd Sønderjylland mit Sitz in Apenrade (Aabenraa).

Zu den Kernkompetenzen des Erhvervshus Sydjylland zählen die Digitalisierung, die grüne Umstellung und der Export. Mit seinem Motto „Sydjysk verdensklasse“ möchte die Organisation nach eigenen Worten dazu beitragen, das süddänische Wirtschaftsleben auf „Weltklasseniveau“ zu heben.

Enge Verbindungen über die Grenze hinweg wichtig

„Wir haben mehrere Kooperationspartner, darunter die IHK auf deutscher Seite, und wir haben auch eine Abteilung etabliert, die sich speziell mit dem Export beschäftigt“, sagt Jacob Nielsen vom Erhvervshus Sydjylland. Dabei steht zwar der Export generell im Mittelpunkt, aber Deutschland nehme eine Schlüsselposition ein. Aus diesem Grunde seien enge Verbindungen über die Grenze hinweg so wichtig, so Nielsen.

Das Wirtschaftshaus wurde erst am 1. Januar 2019 etabliert. Zuvor gab es sogenannte „Wachstumshäuser“ (væksthuse) im ganzen Land, diese wurden jedoch im Zuge einer Wirtschaftsreform im Jahre 2018 geschlossen. Das jetzige Wirtschaftshaus hat einen breiteren Zugang und hilft allen Arten von Unternehmen.

Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen

Der Schwerpunkt des Erhvervshus Sydjylland liegt darauf, kleinen und mittelständischen Unternehmen in Nordschleswig und Süddänemark zu unterstützen.

„Wenn wir als Wirtschaftshaus zu Wachstum und Wohlstand beitragen sollen, dann ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir auf unserer Erfahrung und den Vorteilen des gemeinsamen Handels mit Deutschland und vor allem des norddeutschen Landesteils aufbauen“, sagt Nielsen.

Das Motto lautet „Sydjysk verdensklasse“

Im vergangenen Jahr hat das Wirtschaftshaus den Dialog mit 2.000 Unternehmen gesucht. „Es gibt so viele fantastische Firmen in Süddänemark, die äußerst kompetent sind und über die es viele gute Geschichten zu erzählen gibt, von denen die Öffentlichkeit und andere Unternehmen inspiriert werden können. Wir haben einige Schwergewichte, die sich fantastisch auf dem Weltmarkt behauptet haben, aber wir haben auch einige kleinere Unternehmen, und die sollen ebenfalls auf Weltklasseniveau kommen“, erklärt Nielsen das Motto „Sydjysk verdensklasse“.

Zu den Hauptaufgaben des Wirtschaftshauses gehört es, ein Unternehmen von Kopf bis Fuß zu untersuchen. Wo gibt es Potentiale und Möglichkeiten, das Unternehmen weiter zu entwickeln. Daneben bietet die Organisation verschiedene programmatische Angebote und kann zudem über EU-Mittel einen finanziellen Zuschuss geben, beispielsweise um ein Unternehmen digital fit zu machen, oder es bei dessen Exportbemühungen zu unterstützen.

Zusammenarbeit über die Grenze hinweg unterstützen

„Wir wollen vor allem die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg mit Deutschland unterstützen. Dabei geht es darum, Unternehmen mit Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen zusammenzubringen. Unter anderem haben wir das Program ‚Positively Produced‘, bei dem es um eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich Lebensmittel geht. Wir arbeiten auch an der grünen Umstellung als eine Art der Zusammenarbeit nördlich und südlich der Grenze“, erläutert Nielsen.

Es gibt so viele fantastische Firmen in Süddänemark, die äußerst kompetent sind und über die es viele gute Geschichten zu erzählen gibt.

Jacob Chr. Nielsen, Direktor Erhvervshus Sydjylland
Jacob Chr. Nielsen, Direktor Erhvervshus Sydjylland Foto: Erhvervshus Sydjylland

Die Vermarktung nachhaltiger Lebensmittel ist auch ein Fokusthema für den Udviklingsråd Sønderjylland, ein Forum für eine Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlichen Akteuren, die sich eine dynamische Entwicklung Nordschleswigs auf die Fahnen geschrieben haben.

Auch hier will der Vorsitzende, Leif. F. Jørgensen, dazu beitragen, Nordschleswig als innovativen Landesteil zu positionieren und somit die Region attraktiv zum Wohnen, Arbeiten und Ausbilden zu positionieren.

Unterstützung bei grüner Umstellung

Die Unterstützung der Unternehmen bei einer grünen Umstellung auf eine nachhaltige und klimafreundliche Produktion stellt dabei eine Kernaufgabe dar.

„Wir profitieren davon, dass wir eine Grenzregion sind. Wir haben ein Vermarktungspotential auf dänischer und auf deutscher Seite, sowohl in Bezug auf Absatz, Arbeitskraft und dem grenzüberschreitenden Austausch”, sagt Jørgensen.

Probleme beim Überqueren der Grenze auf die Tagesordnung setzen

Für ihn war es deshalb auch wichtig, eventuelle Probleme beim Überqueren der deutsch-dänischen Grenze auf die Tagesordnung zu setzen, denn dies müsse so problemlos wie nur irgend möglich vonstatten gehen. Die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre mit dem Schengen-Raum habe der Grenzregion einen Vorteil verschafft, ist sich Jørgensen sicher.

„Wir haben eine starke Position im Bereich Lebensmittel. Die dänische Aluminiumproduktion und die deutsche Autoindustrie ergänzen sich hervorragend. Einzelne Firmen in der Gegend um Tondern (Tønder) beliefern die deutsche Autoindustrie. Dort liegt ein großes Potential. Dann gibt es die Industrie für Windräder. Es gibt viele, die eine künftige, nachhaltige Entwicklung unterstützen“, sagt Jørgensen.
Der Vorsitzende vom Udviklingsråd Sønderjylland hat auch eine wichtige Botschaft.

Wir verwenden zu viel Energie darauf, alles zu optimieren und vergessen dabei oftmals, dass, wenn einige Dinge auf lange Sicht nachhaltig sein sollen, Lösungen gefunden werden müssen, die sich für alle Beteiligten auszahlen.

Leif. F. Jørgensen, Vorsitzender Udviklingsråd Sønderjylland
Leiff F. Jørgensen, Vorsitzender des Udviklingsråd Sønderjylland Foto: Udviklingsråd Sønderjylland

Gegenseitiges Verstehen in Handelsfragen wichtig

„Es ist unheimlich wichtig, dass wir uns alle in Handelsfragen noch besser verstehen, wenn wir weiter vorankommen wollen. Wir verwenden zu viel Energie darauf, alles zu optimieren und vergessen dabei oftmals, dass, wenn einige Dinge auf lange Sicht nachhaltig sein sollen, Lösungen gefunden werden müssen, die sich für alle Beteiligten auszahlen“, sagt er.

Und: „Es reicht nicht aus, beispielsweise nur auf darauf zu schauen, dass der Einzelhandel Geld mit nachhaltigen Produkten verdienen kann, nein, auch der Lieferant muss dabei berücksichtigt werden. Man nimmt nicht immer Rücksicht auf den anderen Partner, sondern denkt in erster Linie an den kurzfristigen Gewinn“, sagt Jørgensen.

Eine Möglichkeit, dies zu ändern, sieht er darin, genau diese Problematik offen anzusprechen. Und dafür will Jørgensen bei Treffen zwischen Unternehmen und Politikern sorgen.

Neue Art des Denkens

„Für Viele stellt das eine neue Art des Denkens dar, und das ist nichts, was man mal eben so löst. Es ist eine Übung, an die man sich gewöhnen muss und für die man Verständnis benötigt. Aber mir scheint, dass die Zeit reif dafür ist. Auch dank Greta Thunberg gibt es eine neue Tagesordnung, es geht nicht mehr nur um wirtschaftliche Optimierung, sondern auch um Nachhaltigkeit“, so Jørgensen.

Und dafür ist noch reichlich ungenutztes Potential vorhanden, ist sich der Vorsitzende vom Udviklingsråd Sønderjylland sicher. Hier denkt er auch daran, dass es noch immer schwer ist, junge Menschen in der Region zu halten beziehungsweise zur Rückkehr in den Landesteil nach Abschluss eines Studiums zu ermuntern.

Und dann sind da noch die Deutschkenntnisse.

Deutschkenntnisse bewahren

„Wenn wir nicht aufpassen, dann können uns in der Zukunft Deutschkenntnisse fehlen. Das ist heute eine Kompetenz, die noch vorhanden ist. Aber wenn wir die deutsche Kultur nördlich der Grenze nicht bewahren und die dänische südlich der Grenze und uns miteinander austauschen, dann kann dieser Vorteil verwässert werden“, gibt Jørgensen zu bedenken.

Auch Jacob Nielsen vom Erhvervshus Sydjylland zeigt sich besorgt darüber, dass die deutsche Sprache den jungen Menschen heute weniger wichtig ist.

„Wir möchten gerne helfen, die Augen dafür zu öffnen, welche Möglichkeiten im norddeutschen Markt liegen. Ich bin überzeugt, dass es richtig viele Möglichkeiten im Wirtschaftssektor gibt, wenn man fließend deutsch spricht. Das gilt für Lebensmittel genauso wie für den Transportsektor, weil wir einen Markt haben, der so dicht an Deutschland liegt. Ich wünsche mir, dass wir das Grenzland als eine Region betrachten, und nicht als etwas, dass durch eine Grenze getrennt wird“, sagt er.

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Siegfried Matlok
Siegfried Matlok Senior-Korrespondent
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