Interview

Holpriger Start in die Jung-Bauer-Karriere

Holpriger Start in die Jung-Bauer-Karriere

Holpriger Start in die Jung-Bauer-Karriere

Apenrade/Aabenraa
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Timm Lorenzen ist mit Leib und Seele Landwirt – auch wenn es Schwierigkeiten gab und gibt. Foto: Karin Riggelsen

Timm Lorenzen gehört zu der abnehmenden Zahl junger Landwirte, die sich selbstständig machen. Er berichtet vom schwierigen Start.

Immer weniger junge Menschen machen sich als Landwirte selbstständig. Das zeigen Zahlen von Danmarks Statistik. Timm Lorenzen hat diesen Berufsweg jedoch gewählt und ist seit knapp fünf Jahren selbstständiger Landwirt. Der Start war nicht einfach, und auch heute noch steht er vor großen Herausforderungen.

Er ist Besitzer eines Hofes in Uberg mit 160 Hektar Wirtschaftsfläche, die er allerdings mit seinem Vater, der den benachbarten Betrieb führt, teilt. Seinen Lebensunterhalt verdient Timm Lorenzen durch den Verkauf von Milch, die seine zwischen 60 und 70 Kühe produzieren. Damit hat er, nach heutigen Verhältnissen, einen mittelgroßen Hof. Das ist entgegen dem Trend, dass die Betriebe, um rentabel zu wirtschaften, möglichst groß sein müssen.

Der Nordschleswiger hat mit dem jungen Familienvater gesprochen, und er gibt zum Teil die Gründe wieder, die auch LHN-Vorsitzender Jørgen Popp Petersen als Erklärung für die Entwicklung hat.

Welche Probleme gab es, bevor du auf deinem eigenen Hof mit der Arbeit beginnen konntest?
Mein Ziel, Landwirt zu werden, stand von Kindesbeinen an fest. Mein Großvater und mein Vater sind Landwirte, und der Hof meines Vaters ist seit 1650 in Familienbesitz. Als es nach meiner Ausbildung darum ging, meine Selbstständigkeit als Bauer mit eigenem Hof zu finanzieren, hat es knapp drei Jahre gedauert, bis ich die Zusage einer Bank in der Tasche hatte. Vorher gab es Gespräche mit vielen Banken. Von dort kam die Forderung, ich solle mir einen größeren Hof und am besten noch einen, der in finanziellen Nöten steckt, kaufen, damit der Preis möglichst niedrig ist. Doch das war in meinen Augen keine Option, denn wenn ein Betrieb Probleme hat, dann ist nicht gesagt, dass ich diese lösen und es besser machen kann. Auch wollte ich einen Hof, der nicht zu groß ist, denn so bin ich flexibler und unabhängiger.

Kannst du Gründe nennen, warum sich immer weniger junge Landwirte selbstständig machen?
Es ist mit großem Risiko verbunden, besonders mit einem finanziellen. Ich kann verstehen, dass sich viele ausgebildete Junglandwirte lieber eine Anstellung wünschen. Es bedeutet viel Arbeit für wenig Geld. Außerdem sind die Arbeitszeiten geregelter, und das Image des Berufes ist nicht sonderlich gut. Besonders mit einer Familie ist das schwer zu vereinbaren.

Was sind deine heutigen Herausforderungen als Landwirt?
Ich produziere Milch und bin stark abhängig von den Milchpreisen. Die sind allerdings zurzeit sehr niedrig. Das ist eine betriebswirtschaftliche Herausforderung, vor der ich stehe. Eine weitere Herausforderung besteht darin, bis zur Rente mit 70 Jahren durch die Arbeit nicht körperlich zu verschleißen.

Was macht es für dich so attraktiv, einen Hof zu führen?
Trotz aller Schwierigkeiten habe ich die Selbstständigkeit nicht bereut und freue mich jeden Tag auf die Arbeit. Es ist schön zu sehen, wenn die Tiere gedeihen und Milch geben oder die Saat auf dem Feld aufgeht. Außerdem ist es herrlich, draußen in der Natur arbeiten zu können, besonders wenn die Kinder dabei sein können. Das Leben im Freien, die Nähe zu den Tieren, das ist es, für das ich mich entschieden habe. Das hat nichts mit Geld zu tun. Das ist Berufung.

Wie hätten die Anfangsschwierigkeiten vermieden werden können?
In der Landwirtschaftsschule sind wir zu wenig auf die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen vorbereitet worden. Wir sind zwar fachlich unterrichtet worden, doch wie ich Verhandlungen – ob mit einer Bank oder mit Ein- oder Verkäufern – führe, das ist kein Thema gewesen. Und für jemanden wie mich, der die Selbstständigkeit wählen wollte, wäre solche Vorbereitung eine große Hilfe auf dem Weg zum selbstständigen Landwirt gewesen.Jan Peters

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