Airbnb im Portrait

Der Fremde in meinem Schlafzimmer

Der Fremde in meinem Schlafzimmer

Der Fremde in meinem Schlafzimmer

Malick Volkmann
Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Airbnb computer
Foto: dpa (Symbolfoto)

Das Vermieterportal Airbnb wird immer populärer, auch hier in Nordschleswig. Eine hiesige Vermieterin erzählt ihre Airbnb-Geschichte – und von pöbelnden Polen.

Das Unternehmen Airbnb wird immer bekannter. Menschen stellen auf der Internetplattform ihre Unterkünfte für andere zur Verfügung. Sei es das ganze Haus, die Wohnung oder nur ein einzelnes Zimmer. Besonders unter Urlaubern ist das Portal populär, aber auch Handwerker oder Studenten, die nur für kurze Zeit an einem Ort sind, benutzen Airbnb. Die angebotenen Unterkünfte sind oftmals günstiger als Hotels. Dadurch hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem echten Konkurrenten in der Reisebranche entwickelt.

1000 Inserate in Nordschleswig

Auch in Nordschleswig bieten zahlreiche Menschen ihre privaten Räumlichkeiten Fremden als Übernachtungsmöglichkeit an. In den Kommunen Apenrade, Hadersleben, Sonderburg und Tondern sind insgesamt 1.000 Inserate aktiv. Die Gründe sind vielfältig. Manche Anbieter stellen ihre Unterkunft nur dann zur Verfügung, wenn sie selber auf Reisen sind. Andere haben dauerhaft freie Räume, die sonst leer stehen würden.

Wie bei Hannah Bahnsen, die auf ihrem Bauernhof zwischen Tingleff und Apenrade regelmäßig Übernachtungsgäste hat, die den Weg zu ihr über das Internetportal gefunden haben. „Ursprünglich waren die Räume für Mitarbeiter auf dem Hof gedacht, weil ich früher viele Mitarbeiter aus Deutschland hatte“, erklärt sie. Dann stammten die Arbeitskräfte aber immer häufiger aus Dänemark und hatten eigene Wohnungen.

Statt die Zimmer leer stehen zu lassen, entschied sich Bahnsen für ein Inserat bei Airbnb. „Das ist jetzt ungefähr vier Jahre her. Ich entschied mich für die Seite, weil ich sie selbst für Reisen nutze.“ Das Portal sei einfach zu bedienen und vergleichsweise günstig. Zusätzlich zu dem aus San Francisco stammenden Unternehmen, vermiete sie ihre Zimmer auch auf einer dänisch Bed&Breakfast-Internetseite.

Unterschiedlichste Gäste

Vor allem sind es Handwerker, die für mehrere Wochen bei Hannah Bahnsen einziehen. „Die kommen von überall. Dänemark, Deutschland, Polen. Es ist ganz unterschiedlich“, berichtet sie. Insgesamt hätte sie überwiegend gute Erfahrungen mit ihren Gästen gemacht, ab und an gebe es allerdings auch negative Beispiele. „Eine Gruppe Handwerker aus Polen hat einmal so viel getrunken, dass ein Zimmer völlig verwüstet wurde. Sie wollten dann über das Wochenende wegfahren, kamen aber nie wieder“. Auf den Reinigungskosten blieb Bahnsen schlussendlich sitzen. Sie betont, dass sich nicht nur die Polen daneben benähmen. Auch Deutsche und Dänen stifteten schon Chaos.

Neben den Handwerkern sind es aber auch ganz andere Personen, die ihre sechs Betten mieten. Einige Wanderer blieben beispielsweise nur für eine Nacht. „Ich hatte schon Leute aus Schweden, Norwegen oder Island hier, die durch ganz Europa reisten und nur für ein, zwei Tage hier übernachtet haben“, berichtet die nahe Tingleff Aufgewachsene.

Ein besonderes Erlebnis für Bahnsen war eine große Familienfeier in Tingleff. „Da hatte ich sechs Erwachsene und sechs Kinder für sechs Betten“, erzählt sie und lacht. Die Gäste behalfen sich mit Matratzen, die sie auf dem Fußboden platzierten.

Portal lohnt nicht

Bei allen spannenden Anekdoten und Geschichten lohnt sich das Modell für Hannah Bahnsen jedoch nicht wirklich: „Es wäre sinnvoller, wenn ich die Zimmer ganz normal vermieten würde. An einen Mieter, ohne die ständigen Wechsel.“

So würde sie gleichbleibende Gelder verdienen, Leerstand vermeiden und nicht mit bösen Überraschungen rechnen müssen. Bahnsen könne durch die stetig wechselnde Aufenthaltsdauer der Gäste finanziell kaum planen und hätte immer wieder Wochen im Kalender, in denen niemand zu Gast ist.

Weltweit vertreten

Wer jetzt interessiert ist, kann sich auf dem Online-Portal anmelden und eine Buchung bei Bahnsen oder den vielen anderen Anbietern in der Region anfragen. Weltweit ist Airbnb übrigens mit über 5 Millionen Inseraten in 81.000 Städten in über 190 Ländern vertreten.

Nach dem Aufenthalt bewerten die Gäste die Unterkunft sowie den Gastgeber. Andersherum geschieht dies ebenfalls. „Je besser die Bewertungen der Übernachtungsgäste, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Leute kommen“, erzählt Bahnsen. Es ist also das bekannte Spiel mit den Rezensionen.

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