Wirtschaft

Apenrade und Sonderburg wirtschaftsfreundlicher

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Nordschleswig
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Hadersleben und Tondern wird von der Wirtschaft ein ungünstiges Image bescheinigt. Der DI-Vorsitzende ist aber zufrieden.

In seiner neuen Rangliste zur Wirtschaftsfreundlichkeit der Kommunen hat der Wirtschaftsverband Dansk Industri (DI) in Nordschleswig die Kommunen Apenrade und Sonderburg höher eingestuft als vor einem Jahr. Hadersleben und Tondern sind dagegen abgesackt. Bei letzteren wurde ein relativ mieses Image im Zuge der unter Beteiligung von 7.679 Unternehmen erstellten Platzierung festgestellt. Apenrade schaffte es in diesem Jahr mit Platz 18 die Riege der Top-30-Spitzengruppe. Wie im Vorjahr rangiert die Kommune Ikast-Brande auf Platz eins. Sonderburg, Hadersleben und Tondern sind mit den Plazierungen 42, 53 und 54 im Mittelfeld. Die Schlusslichter Gribskov, Egedal, Odsherred und Kopenhagenliegen allesamt auf Seeland.
Der Vorsitzende des Verbandes in Nordschleswig, Erling Duus, sieht trotz der schlechten Platzierungen von Tondern und Hadersleben hinsichtlich des Images keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. „Insgesamt schlägt sich Nordschleswig in Sachen Wirtschaftsfreundlichkeit gut“, so Duus und verweist auf die Angaben in allen vier Kommunen beim Thema Arbeitskraft. „Durchweg sieht es da gut aus“, betont er, fügt aber hinzu, dass man aktuell einen viel größeren Einsatz in den Schulen leisten müsse, um für berufliche Ausbildungen zu werben.

„Die Schülerinnen und Schüler in den 10. Klassen müssen hinaus in die Berufsschulen und Handelsschulen, damit bei ihnen Lust und Interesse für die vielen interessanten Ausbildungen geweckt wird“, so der DI-Regionalvorsitzende. Er wünscht sich eine deutliche Verbesserung der beruflichen Ausbildungsstätten in Nordschleswig.

Zufrieden ist der DI-Vorsitzende auch mit den relativ guten Platzierungen der Kommunen Sonderburg, Apenrade, Hadersleben und Tondern was die Versorgung mit Infrastruktur und Transportmöglichkeiten angeht. „Man sollte bedenken, dass es da nicht nur um Verkehrswege geht, sondern vor allem auch um schnelle Internetanschlüsse und drahtlose Verbindung. Da stehen wir sehr gut da“, so Duus und verweist auch auf die verkehrsgünstige Anbindung Nordschleswigs gegenüber den wichtigen Wirtschaftsräumen in Mitteleuropa.

Apenrade holt sich Spitzenplatz zurück

Die Kommune Apenrade hat sich den ersten Platz im Ranking des Wirtschaftsklimas (erhvervsklima) in Nordschleswig zurückerobert. Über 7.700 Unternehmen haben an der DI-Umfrage teilgenommen und so ist ein Barometer entstanden, das die Zufriedenheit der lokalen Unternehmen mit den Kommunen widerspiegelt. Besonders überzeugen konnte Apenrade in den Kategorien Ausbildung und Arbeitskraft.

„Der Ausbildungsbereich ist das Fundament, um Unternehmen mit genügend ausgebildeten Fachkräften zu versorgen. Die gute Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Schulen muss ständig im Blick behalten werden. (...) Sonst fehlen den Betrieben noch mehr ausgebildete Mitarbeiter“, erklärte Duus. Für diesen Bereich hat die Kommune in den lokalen Unternehmen gefragt, welche Mitarbeiter sie brauchen. Mit den Ergebnissen soll nun ein Gesuch beim Unterrichtsministerium gestellt werden, in dem der Wunsch nach neuen Ausbildungen geäußert werden soll.

Die Kommune Apenrade hat die Unternehmen auch bei der Versorgung mit Arbeitskräften überzeugt. Dabei geht es zum Teil auch um die Zusammenarbeit der Jobcenter mit den Betrieben.
„Es wird immer schwieriger, die richtigen Arbeitnehmer zu finden. Fehlen die, kann das für die Unternehmen bedeuten, Nein zu einem Auftrag sagen zu müssen. Deshalb ist es wichtig, neue Mitarbeiter zu finden und die Kommune kann dabei wichtige Arbeit leisten“, erklärte Duus.

Allerdings gab es auch Bereiche in der kommunalen Arbeit, mit denen die Unternehmen nicht zufrieden waren. Dazu zählt die Sachbearbeitung. Allerdings, so heißt es in der DI-Mitteilung, müssten die Angaben mit Vorsicht gelesen werden, da in der Untersuchung Veränderungen vorgenommen worden seien, die den Vergleich mit dem Vorjahr erschwerten. In diesem Jahr lag Apenrade auf dem 41., im Jahr zuvor auf dem 10. Platz.

Wirtschafts-Votum mit Abstrichen

In der Gesamtwertung bezüglich ihrer Wirtschaftsfreundlichkeit rutscht die Kommune Tondern im landesweiten Vergleich zu 2017 um sieben Plätze auf Platz 54 ab. Das Ergebnis basiert auf einer Umfrage unter 64 teilnehmenden Betrieben. Diese bringen es auf 3.847 Arbeitsplätze. Es wurden neun Parameter beurteilt (Siehe Infobox). In den meisten Kategorien landet Tondern im Mittelfeld. Ganz schlecht sieht es mit dem Image der Kommune aus, wo sie vom 66. auf den 90. Platz katapultiert wird. Aufgrund einiger Justierungen bei der Untersuchung gelten bei den Vergleichen kleinere Vorbehalte. Bei der Image-Frage geht es um die Zufriedenheit der Unternehmen mit dem Einsatz der Kommune, um neue Bürger und Unternehmen anzulocken bzw. die bestehenden vom Verbleib zu überzeugen. Zudem schlagen dabei vier statistische Indikatoren zu Buche.

Die Tatsache, dass die Kommune Tondern privaten Anbietern eine Plattform bietet, um kommunale Aufgaben zu lösen, wird mit Platz neun honoriert. Eine gute Benotung erzielt Tondern zudem mit Platz zwölf für den Zugang zum Breitbandnetz. Weniger berauschend sieht es mit der kommunalen Sachbearbeitung aus, wo Tondern auf dem 89. Platz landet. 2017 reichte es noch für Platz 71. Bürgermeister Henrik Frandsen (Venstre) reagiert in einer ersten Stellungnahme über das Abschneiden im negativen Bereich mit Überraschung, obgleich er die Untersuchung noch nicht eingehend durchforstet hat.

„Das ist schon überraschend, da wir quasi Tag und Nacht daran arbeiten, noch bessere Bedingungen für die Wirtschaft zu schaffen. Das tun andere Kommunen ja auch, daher wird die Messlatte nun wohl höher gelegt“, so Frandsen. „Fazit ist, dass wir die Untersuchung aktiv dazu nutzen können, nach innen zu schauen, und die Bereiche zu durchleuchten, wo die Wirtschaft meint, dass es Probleme gibt. Dass wir in der Gesamtwertung sieben Plätze zurück gehen, ist nicht besonders angenehm. Ich hätte lieber gesehen, dass wir zulegen“, so Frandsen, der am Beispiel der Infrastruktur anführt, dass es Bereiche gibt, auf die die Kommune keinen Einfluss hat.

Image der Domstadtkommune hat gelitten

In der jährlichen Untersuchung vom Branchenverband Dansk Industri (DI) ist die Kommune Hadersleben in ihrer Popularität zurückgegangen. Von 93 Kommunen belegt Hadersleben in der übergeordneten Beurteilung der Zufriedenheitsanalyse den 53. Platz. Ein markanter Rückgang um 24 Plätze. Im Vorjahr positionierte die Kommune sich auf Platz 33, wenn es ausschließlich um die Kategorie Wirtschaftsfreundlichkeit geht. Mit der damaligen Spitzenplatzierung überholte Hadersleben die drei anderen Kommunen des Landesteils.

2018 wurde Hadersleben von Apenrade (18) und Sonderburg (42) in den Schatten gestellt und muss sich auch in dieser Sparte mit dem 53. Platz begnügen. „Es ist schade, dass Hadersleben in der Gesamtbefragung unter Mittel liegt“, so Erling Duus, Vorsitzender von DI in Nordschleswig. Duus hob hervor, dass die Kommune sich seines Wissens intensiv für die Belange des Gewerbes einsetze. Das mache sich unter anderem in der Qualität der Infrastruktur bemerkbar, wo die Kommune diesjährig mit Platz 31 „belohnt“ wurde. Bei der spezifischen Frage danach, wie die Betriebe die kommunalen Straßen erleben, erreicht die Kommunen sogar einen 14. Platz. 2017 musste man sich noch mit dem 55. Platz zufrieden geben.

Eine zentrale Rolle bei dem Erfolg spielte offenbar die mobile Asphaltierungs-Mannschaft, die unverzüglich ausrückt, wenn Löcher in den Straßen vermeldet werden. Schlecht bestellt ist es um das Image der Kommune. In dieser Kategorie belegt sie Platz 83. Im Vergleich zu den Vorjahren wurden in dieser Sparte Justierungen vorgenommen, weswegen das Ergebnis unter Vorbehalt zustande kam. Zufriedenheit mit dem Einsatz der Kommune bezüglich der Bindung von Einwohnern sowie der Werbung von neuen Bürgern und Unternehmen sind nicht gut bewertet worden.

Geil bedauert

Bürgermeister H. P. Geil (Venstre) bedauert das schlechtere Ergebnis. „Aber wir arbeiten unverdrossen weiter und sind dabei unsere neue Marketingstrategie umzusetzen“, so der Bürgermeister. Unter dem Motto „Heltemod & hjerteblod“ wird in den kommenden Jahren massiv geworben, um dem Image der Kommune Auftrieb zu geben. Bis 2020 sind 5,2 Mio. Kronen angesetzt. „Das Projekt rollt noch in diesem Jahr an. Wir werden sichtbar werden auf den sozialen Medien und auf unserer Homepage, “, so Geil. Der Bürgermeister machte auch darauf aufmerksam, dass die Kommune nicht untätig herumsitzt, sondern viele Maßnahmen ergriffen hat, um der Wirtschaft den Alltag leichter zu machen. In der Kommune sind 2.500 Firmen und Unternehmen angesiedelt, daher muss die Kommune eine große Spannbreite an Interessen eindecken. Für Donnerstag luden Kommune und der „Wirtschaftsförderungsrat“ (HER) zu einer gemeinsamen Sitzung ein. Eingeladen sind die 600 Mitglieder von HER. Die Wirtschaftsananalyse ist das Thema des Treffens.

„Wir arbeiten seit vier Jahren daran eine bessere Grundlage zu schaffen. Es wäre besser Fortschritte zu machen, als schlechter abzuschneiden“, so HER-Direktor Gert Helenius. HER und Kommune ziehen an einem Strang bei der Umsetzung der neuen Strategie.

Sonderburg nicht mehr das Schlusslicht bei Dansk Industri

2015 rutschte Sonderburg bei Dansk Industris Analyse des Wirtschaftsklimas auf den letzten Platz ab. Die Kommune landete auf Platz 96. Doch seither ist es stetig vorangegangen. Im vergangenen Jahr ist Sonderburg 18 Plätze nach vorn gerückt und liegt nun auf einem 42. Platz. Die Unternehmen sind heute unter anderem mit den Straßen, dem sicheren Breitband und dem mobilen Empfang in der Sonderburger Gegend sehr zufrieden. Das freut nicht zuletzt den Vorsitzenden von DI Sønderjylland, Erling Duus.

„Die Qualität der Straßen ist ein entscheidender Faktor bei den Verkehrsteilnehmern. Wenn die Kommune dort nicht genug tut, dann kommt es schnell zu Gedrängel und Schlangen, die nicht nur den privaten Verkehr, aber auch die Unternehmen trifft, die von den Straßen abhängig sind. Das betrifft alle Pendler und ihre Arbeitsplätze. Es ist außerdem ein ganz großes Plus, dass die Kommune gute Digitalverhältnisse geschaffen hat“, so Erling Duus.

Auf die Frage, ob die Kommune den Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter verschafft, wurde positiv geantwortet. Bei dieser Frage wanderte Sonderburg von Platz 46 auf Platz 35. Wo es um Firmen geht, denen das Jobcenter mit einem konkreten Projekt geholfen hat, liegt Sonderburg auf einem stolzen Platz vier. „Das ist eine sehr gute Sache. Unsere Analyse hat ergeben, dass der Zugang zu tüchtigen Mitarbeitern bei den Unternehmen sehr hoch eingeschätzt wird. Fast die Hälfte der Unternehmen gaben an, dass das ein Thema ist, das die Kommune hoch priorisieren muss, damit die Unternehmen wachsen können“, so Erling Duus.

Am schlechtesten schnitt Sonderburg in der Kategorie „Image der Kommune“ ab. Hier wurde gefragt, wie gut die Kommune neue Unternehmen und Bürger anlocken und halten kann. Dort liegt die Kommune auf Platz 57.

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