Wahlen 2017

„Wir bringen richtig viel im Gepäck mit“

„Wir bringen richtig viel im Gepäck mit“

„Wir bringen richtig viel im Gepäck mit“

Seewang/Søvang
Zuletzt aktualisiert um:
Tierschauvorsitzender Jørgen Popp Petersen (Archivbild) Foto: Elise Rahbek

Die Schleswigsche Partei war in den vergangenen vier Jahren viel breiter vertreten. Popp wäre bereit, die Geschicke der Kommune zu leiten.

„Die vergangenen vier Jahre waren gänzlich anders als die vorausgegangene Periode“, bilanziert Stadtratspolitiker und Bürgermeisterkandidat der Schleswigschen Partei, Jørgen Popp Petersen, in der heißen Phase des Wahlkampfs am Küchentisch in Seewang mit dem Handy und dem
I-Pad in Blick- und Reichweite. „Dadurch, dass wir drei Mitglieder im Kommunalrat sind und einen Sitz im Ausschuss für Kinder und Schulen sowie im Gesundheitsausschuss haben und ich Vorsitzender im Ausschuss für Kultur und Freizeit bin, sind wir viel breiter vertreten, als dies vorher der Fall war.

Wir sind eine gute Truppe, die sich gut ergänzt“, meint er mit Blick auf Marit Jessen Rüdiger (die nicht wieder kandidiert), und Louise Thomsen Terp, die im Wahl-Rennen bleibt. Und auch durch seinen Vorsitz ist die SP nicht ohne Einfluss gewesen. „Es ist ein gutes Erlebnis gewesen, und es gibt in dem Bereich viele gute Entwicklungen. Toll ist es, mit vielen positiven Menschen zu tun zu haben, die in den Vereinen wirklich einen Unterschied ausmachen“, so Popp, der ein sehr sichtbarer Ausschussvorsitzender ist.

Wahlwunsch eingelöst

Auch ist gelungen, mit der Um- bzw. Rück-Benennung des Kulturhauses in Schweizerhalle einen Wahlwunsch von 2013 einzulösen. „Obgleich es vielleicht eine kleine Sache ist und lange gedauert hat, ist es dennoch von Bedeutung“, so Popp, der mit seiner Frau Elsbeth vier erwachsene Töchter hat. Obgleich es in der Kommune in vielen Bereichen gut läuft, so gebe es Sachen, die einer Verbesserung bedürfen. „Wir haben Herausforderungen, und diese müssen wir anzeigen“, erwähnt er die Entvölkerung, die es zu stoppen gelte. Er sieht jedoch positive Anzeichen, und eine positive Entwicklung würde auch neues Gewerbe mit sich führen, da Zuzügler oft neue Energien mitbringen würden.

„Die Wirtschafts-Märchen der Kommune mit dem Hafen auf Röm und der Biogasanlage haben nicht viel gebracht.“ Als Gegengewicht zu der Abriss-Regelung, mit der man quasi honorieren würde, dass die Leute ihre Gebäude verfallen lassen, schlug die SP in der vorausgegangenen Periode den Gebäude-Verschönerungs-Preis vor. Inzwischen gebe es auch den Kulturpreis, der zudem von der SP mit unterstützt wurde. Eine wertvolle Anerkennung sei auch der Musikpreis.

„Ein Schulterklopfen für diejenigen, die ihre Sache gut machen, bedeutet etwas. Und es ist wichtig, dass wir uns vor Augen halten, dass wir nicht schlechter sind als in anderen Regionen. Ganz im Gegenteil, das kommt daher, dass wir etwas im Gegenwind arbeiten.“ Zu den positivsten Erfahrungen zählt die Arbeit mit dem Festival, das vor vier Jahren tief in der Krise steckte und wo es mit der Rückendeckung haperte. „Ich bin froh, dass wir mit am Drücker waren. Einige der damals von der Kommune aufgestellten Bedingungen schrien zum Himmel, und ich habe daran mitgewirkt, diese zu ändern. Obgleich es damals Krach gab, lieferte der damalige Leiter Carsten Panduro ein ordentliches Jahresergebnis ab.“ Die positive Entwicklung des Festivals der vergangenen Jahre mit dem neuen Team an der Spitze verknüpft er in der kreativen Branche mit Qualität, auch die Eröffnung des Restaurants Ros und zweier weiterer Lokale der Partner Rodrigues & Snitgaard.

Vielfalt der Kommune Tondern

Er erwähnt auch die Vielfalt der Kommune Tondern mit 4.000 ausländischen Staatsbürgern aus 70 verschiedenen Nationen und den Neubürgern. „Es geht darum, dass so viele wie möglich ,wir‘ sagen können, bezieht er auch hinzugezogene Kopenhagener mit ein. Ein großes Potenzial gibt es aus seiner Sicht für ihn z. B. im Bereich von Sozialhilfeempfängern und anderen Randgruppen, denen mit Kultur, gepaart mit sozialem Einsatz für andere , zu einem besseren Leben verholfen werden könnte. Bei den kommunalen Volksschulen müsse nicht mehr Geld investiert werden, stattdessen müsse auf den Inhalt geguckt werden. Es sei nicht vertretbar, dass sie Marktanteile verlieren.

Zudem müssten die Eltern mehr auf die Bahn kommen, denen eine passive Rolle zugeordnet werde. Eine Rolle werde die Strukturanpassung im Seniorenbereich spielen. „Es wäre schön, wenn wir das Dienstleistungsniveau etwas anheben könnten, da die Normierungen stramm sind und das Personal hart eingespannt ist.“

Vermisst Vorgabe einer Richtung

„Wir dürfen nicht glauben, dass wir alle Probleme lösen können, wenn wir ständig Arbeitsgruppen bilden und die Leute selber bestimmen und beschließen lassen. Das geht nicht“, meint er unter anderem mit dem Wunsch nach mehr Wasser auf der Schiffbrücke und auch der Tonderner-Marsch-Initiative. Es gebe verschiedene Hängepartien, weil nicht vorangegangen wurde. „Bei dem verstorbenen Bürgermeister Laurids Rudebeck war man sich nie im Zweifel, was die Kommune Tondern nicht wollte. Gegenwärtig gibt es Grund zu fragen, was will die Kommune Tondern nicht?

„Ich vermisse, dass sichtbar die Richtung angegeben wird“, meint er mit Blick auf Rudebecks Nachfolger Henrik Frandsen, der seit eineinhalb Jahren im Amt ist. „Uns kann nicht damit gedient sein, dass die Kommune Tondern keine öffentliche Meinung zur A-11 hat. Wenn sich die Flensburger Oberbürgermeisterin kritisch zu der Grenzkontrolle äußert und unsere Kollegen in Nordfriesland den Kopf schütteln, dann ist es einfach nicht gut genug, dass die Kommune Tondern dazu keine Meinung hat. Ich denke mir schon, dass auf einem gewissen Niveau Außenpolitik gemacht wird, es muss aber sichtbar sein“, so Popp, der sich im Wahlkampf auch offen für einen Systemwechsel ausgesprochen hat.

„Wir arbeiten eigentlich richtig viel mit Kirchturmspolitik. Es kann schon ganz gesund sein, dass nicht eine so große Partei am Ruder sitzt, dabei kann leicht zu viel Alltag einkehren. Das mag mancher zwar übel aufnehmen, Ausgangspunkt muss aber sein, dass man so viel wie möglich erkämpft. Wir haben keine Skrupel, da wir gezeigt haben, dass wir ungeachtet der Leitung zusammenarbeiten können, wir sind konstruktiv und haben eine gute Truppe. Wir stehen zu unserer Arbeit und bringen nach diesen vier Jahren mehr im Gepäck mit“, so Popp, der bereit wäre, die Geschicke der Kommune zu leiten.

Erfolgskriterium

Und zu einer Prognose für das Abschneiden der SP gefragt, sagt er: „Ein Erfolgskriterium ist, eine entsprechende Stimmenzahl wie vor vier Jahren zu erzielen, ansonsten wäre es enttäuschend.“ Damals erntete die SP 1.621 Stimmen, und er vereinte 840 Kreuze auf sich. Damit ist er in diesem Wahlkampf aus dem Stadtrat der Kandidat, der mit den meisten Stimmen im Rücken antritt. „2013 hat vielleicht mein Randzonen-Image positiv beigetragen. Es gab aber Herausforderungen durch den Rathausanbau und die Tønder-Bank-Sache mit dem Austritt von Carsten Dinsen Andersen. Diesmal könnte die Kunstmuseums-Frage vielleicht einige Schrammen bringen“, so Läufer Popp, der mindestens einmal, am liebsten zweimal die Woche in seine Laufmontur springt und 9,5 Kilometer läuft.

Die SP wird weiterhin Fokus auf die nordschleswigsche und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit haben – am späten Dienstagabend wird der Fokus jedoch erstmal auf das Wahlergebnis gerichtet.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Region war gestern“