Volksabstimmung

Wahlplakate: „Letztendlich schmeckt es gemeinsam besser“

Wahlpakate: Letztendlich schmeckt es gemeinsam besser

Plakate: Letztendlich schmeckt es gemeinsam besser

Tondern/Tønder
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Studienrat Halvor Bogh, der auch in seiner Freizeit Musik macht, spielte drei Lieder aus der Zeit der Volksabstimmung. Foto: Brigitta Lassen

Den Schülern des dänischen Gymnasiums in Tondern und des Friedrich-Paulsen-Gymnasiums in Niebüll wurden die Originalplakate von der Volksabstimmung 1920 in Nordschleswig zur Neuinterpretation vorgelegt. Das Ergebnis lässt sich sehen.

Teils frech, elegant, witzig und besonders kreativ haben Schüler des Gymnasiums in Tondern und des Friedrich-Paulsen-Gymnasiums ihre Arbeit beendet. Sie mussten die Originalplakate für die Volksabstimmung von 1920 neu interpretieren. Dies geschah in den Fächern Geschichte, Kunst, Deutsch und Dänisch.

Bei einer feierlichen Eröffnung wurden die Ergebnisse im Rahmen einer Ausstellung „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ im Tonderner Gymnasium im Beisein der „Künstler“ präsentiert. Und die Anwesenden zeigten sich beeindruckt von den Ergebnissen, die aber dem Zeitgeist von vor 100 Jahren in den seltensten Fällen entsprechen.

Drei Plakate: In der Mitte das Originalplakat, rechts der Beitrag der Niebüller Schüler, links eines Schülers aus Tondern Foto: Brigitta Lassen

Vielmehr kam das interkulturelle Verständnis der neuen Generationen zum Ausdruck. „In the end it all tasts best together, doesn´t it“ mit der Abbildung eines deutschen Flensburger Pils und eines dänischen Hotdogs, mit einem aufgespießten kleinen Dannebrog. Oder das Plakat mit einem Deutschen und Dänen mit dem Text: „Es ist okay, über Grenzen zu gehen“.

Plakatkunst, erstellt von Schülern aus Tondern und Niebüll – in der Mitte das Originalplakat Foto: Brigitta Lassen

Für Rektorin Anna Amby Frejbæk waren die früheren Gegensätze von vor 100 Jahren im Grenzland kaum nachvollziehbar. Das Gymnasium in Tondern sehe sich als interkulturelle Einrichtung, auch mit Schülern von der deutschen und dänischen Minderheit. Hier würde die gute Zusammenarbeit anerkannt und gepflegt. Ihr Arbeitsplatz und das Friedrich-Paulsen-Gymnasium in Niebüll arbeiten seit Jahren über die Grenze hinweg und hatten früher sogar gemeinsame Europa-Klassen.

Beide Gymnasien Produkte der Volksabstimmung

Beide Schulen sind Produkte der Grenzziehung. Im deutschen Tondern wurde 1920 das dänische Gymnasium in der ehemaligen königlich-preußischen Realschule eingerichtet. Aufgrund der neuen Grenzziehung entstand das Gymnasium in Niebüll drei Jahre später.

Generalkonsul Kim Andersen erinnerte bei der Ausstellungseröffnung auch an die schwierigen Zeiten nach 1920, in denen den Minderheiten südlich und nördlich der Grenze auch mit Anfeindungen und Misstrauen begegnet wurde. Umso wichtiger sei es für die dänische Seite, verstärkt den Blick auf das große Nachbarland zu richten. Heute lebten die beiden Nationen friedlich neben- und miteinander. Die Verbindungen – sei es wirtschaftlicher, menschlicher oder kultureller Art – müssten gepflegt werden, besonders in Zeiten, in denen mehrere Länder sich als Einzelkämpfer aus der Gemeinschaft ausgeklinkt hätten.

Ein gutes Miteinander mit dem Nachbarland schafft einen Mehrwert.

Dänischer Generalkonsul in Flensburg: Kim Andersen

Ein gutes Miteinander mit dem Nachbarland schaffe einen Mehrwert. Durch Sprache und Reisen würde das Verständnis für eine andere Kultur gesteigert, so Kim Andersen.

Studienrat Halvor Bogh sang dänische Lieder aus den Jahren um 1920. Eindrucksvoll war der Beitrag der Südschleswigerin Helle Marit Petersen mit dem Thema „Zwischen Grenzen – mellem grænser. Die Schülerin der 2 G in Tondern fühle sich in Deutschland nicht als Deutsche und würde in Dänemark auch nicht als Dänin gelten.

Es gibt noch Vorurteile

Ihr würde schon mit Vorurteilen begegnet. Wenn sie sich im Ausland befand, traute sie sich nicht zu sagen, sie komme aus Deutschland. In Dänemark sei sie die Deutsche. Aber wer sei sie überhaupt? Deutsche, Dänin, Friesin?, habe sie ihre Eltern gefragt. Sie spreche alle drei Sprachen und fühle sich in allen zuhause.

Die Nordfriesin Helle Marit Petersen (l.) beschrieb ihre Gefühle, als Teil der dänischen Minderheit aufzuwachsen. Foto: Brigitta Lassen

Ausstellung in der Zentralbücherei

Der Kulturattaché der deutschen Botschaft in Kopenhagen, Lasse Rodewald, war an einer Teilnahme verhindert, ließ aber Grüße ausrichten. Die Ausstellung wird weiter an das Friedrich-Paulsen-Gymnasium wandern und im April in der Deutschen Zentralbücherei in Apenrade präsentiert.

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