Einschulung

Von der Zuckertüte zur gesunden Brotdose

Von der Zuckertüte zur gesunden Brotdose

Von der Zuckertüte zur gesunden Brotdose

Monika Thomsen
Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Die Neuen schnupperten etwas Unterrichtsluft. Foto: Jane Rahbek Ohlsen

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Patinnen und Paten aus der dritten Klasse gaben den 17 Neuen an der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern singend gute Ratschläge.

Mit Schwung ging das erste Kapitel ihrer Schulzeit für 17 erwartungsvolle Mädchen und Jungen an der Ludwig-Andresen-Schule in Tondern los.

In Regie von Pädagogin Renate Osterholz und dem stellvertretenden Abteilungsleiter Lars Malligsen-Schorr gab es eine Uraufführung. Mit dem von Renate Osterholz gedichtetem Lied: „Tschüss, Du lieber Kindergarten“, verabschiedeten sich Kinder aus den Kindergärten in Jeising (Jejsing) und Tondern von ihren großen „Kolleginnen und Kollegen“.

Fröhlich trällerten sie den Refrain „Trylle, trylle – Zauberei, sammen sind wir groß und sej! Stärker als der Grüffelo“.

Die 17 Neuen: hinten v. l.: Philippa Gildberg Jessen, Lauge Johannsen Schmidt, Mille Bruhn, Ene Fly-Petersen, Karla Rie Thaysen, Emma Stenger, Jonas Jacob Gentsch, Moritz Jessen Rüdiger; vorne v. l.: Iben Catharina Terp, Theo Grella, Erik Asmussen, Markus Ejler Vonsild, Ava Elisa Henning, Mai Baduin, Soul Pierre Korthout, Neele Hummelmose Pudlo, Milla Olivia Mølgaard Wollesen Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Was in gesunde Brotdosen hineingehört, das veranschaulichte die dritte Klasse singend und mit gemalten Bildern.

Die vierte Klasse hatte ein kleines Theaterstück einstudiert. Somit präsentierten die Kinder textsicher, wie der erste Schultag des kleinen Wichtels aussah.

„Ich freue mich ganz doll darauf, dass ich eure Kinder in die Schule einführen darf“, versicherte Klassenlehrerin Kathrin Lehmann den Eltern. Unterstützung erhält sie durch die Pädagogin Marion Miltzow.

Emmas erste Schulstunde Foto: Jane Rahbek Ohlsen

„Ein aufregender Tag"

„Ich bin ganz begeistert. Es ist für euch und für uns ein ganz aufregender Tag“, sagte Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg, die namentlich alle Kinder willkommen hieß.

„Es liegen Wünsche vor euch, und ihr alle 17 seid gespannt. Die Schultüten sind das Besondere an deutschen Schulen in Nordschleswig und zeichnen uns aus. Sie liegen bereit, und eure Eltern haben sie mit viel Liebe und Kreativität gestaltet“, so die Schulleiterin.

Die Rolle der Schultüten

Sie skizzierte die Geschichte der langen Tradition der einstigen „Zuckertüte“. Sie zitierte den Autor Erich Kästner, der seine Einschulung 1905 beschrieben hat. Damals standen die Eltern hinten an der Wand im Klassenzimmer und bewachten die Zuckertüten, während er sich als Zuckertüten-Fürst vorkam.

„Die Schultüten sind ein Übergangsritual und gelten quasi als Eintrittskarte in die Schule. Es ist auch ein Symbol für die älteren Schüler, dass wir Neulinge haben, mit denen wir ordentlich umgehen“, so die Schulleiterin.

„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und werden im Sinne der positiven Psychologie viele Stärken bei euren Kindern entdecken“, sagte sie.

Klassenlehrerin Kathrin Lehmann und Soul Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Zehn Fürstinnen und sieben Fürsten

Den zehn Fürstinnen und sieben Fürsten der Gegenwart stehen Patinnen und Paten aus der dritten Klasse zur Seite, um sie in ihrem neuen Umfeld zu unterstützen.

Die Schülerinnen und Schüler überreichten ihren Schützlingen die Schultüte und einen Brief. Nach dem Fototermin ging es dann in die Klasse.

Gebündelte Konzentration beim Malen und dem Auspacken von Süßigkeiten Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Die letzte Einschulung

Wir fragten indes bei der Mutter von Moritz nach, ob sie sich noch an ihren ersten Schultag erinnert.

„Ich weiß noch, ich hatte eine lila Schultüte mit einer Giraffe darauf. Wir bekamen in der Vorschule eine kleine Schultüte und eine größere in der ersten Klasse“, berichtet Marit Jessen Rüdiger. Die 40-Jährige wurde seinerzeit in der deutschen Schule in Hoyer (Højer) eingeschult. Nach Mathis 2015 und Merle 2017 folgt nun an der LAS die Einschulung von Nesthäkchen Moritz.

Moritz mit seinen Eltern Marit und Timo und Patenonkel Rasmus (l.) Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Vorfreude auf den großen Tag

„Es ist ganz fein, dass es jetzt so weit ist und er einiges mehr an Verantwortung übernehmen muss. Es ist zwar wehmütig, dass wir nach zwölf Jahren, wo wir im Kindergarten ein und aus gegangen sind, Abschied nehmen mussten“, sagt Marit Jessen Rüdiger.

„Moritz hat sich richtig gefreut, obgleich er gestern gemeint hat, er will nicht in die Schule“, so seine Mama mit einem Lachen.

Außer seinen Eltern und Großeltern hatte Moritz unter anderem seinen Patenonkel Rasmus dabei. Er war gleich in Doppelfunktion vertreten, da es auch der erste Schultag für sein Patenkind Philippa war.

Neele ist bereit für den Unterricht. Foto: Jane Rahbek Ohlsen
Konzentriert bei der Sache Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Einschulung zu Omas Zeiten

„Das ist ganz lustig zu sehen, und es ist festlich gemacht. Es ist auch schön zu sehen, dass es jetzt so viele Kinder gibt“, so Rasmus Jessen, für den es die erste Einschulungsfeier seit seiner eigenen ist.

Obgleich er 60 Jahre zurückliegt, erinnert sich Veronika Bjørn, Mutter von unter anderem Marit, Jesper (Philippas Vater) sowie Rasmus auch an ihren ersten Schultag mit sieben Mitschülern.

„Die Schultüte haben wir damals bekommen, als wir aus dem Kindergarten verabschiedet wurden. Dann haben wir sie am ersten Tag mit in die Schule gebracht. Ich glaube, meine war grün mit gelbem Krepppapier“, so die Oma von Philippa und Moritz.

Philippa und ihre gut bestückte Federtasche Foto: Jane Rahbek Ohlsen

Ein besonderer Tag

„In der Schultüte war ein kleines Handtuch mit unserem Namen, das wir nach dem Duschen nutzen konnten. Und ein paar Süßigkeiten“, so die 67-jährige fünffache Mutter, die während ihrer Zeit in Hoyer als Lehrerin auch die eigenen Kinder eingeschult hat.

Der erste Schultag ist in der Familie ein großer Tag, der auch im privaten Rahmen gefeiert wird. Somit gab es sowohl für Philippa als auch für ihren Vetter Moritz zu Hause Besuch von den Verwandten.

Mit der 17-köpfigen Schar klettert die Schülerzahl der LAS auf 146, und weiteres Interesse liegt vor, wie Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg berichtet.

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