Coronavirus

Tonderns Bürgermeister: „Grenzschließung ist grenzwertig“

Tonderns Bürgermeister: „Grenzschließung ist grenzwertig“

Tonderns Bürgermeister: „Grenzschließung ist grenzwertig“

Tondern/Tønder
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Im Westen rollt der Verkehr auch am Montagvormittag nur in Seth über die Grenze. Inzwischen haben die Polizisten, die dort rund um die Uhr im Einsatz sind, ein Zelt als Schutz vor der Witterung. Foto: Erik E. Petersen

Frandsen hat volles Verständnis für die Maßnahmen an der Grenze, die eingeschränkte Mobilität macht ihm jedoch zu schaffen. Er befürchtet schwerwiegende Konsequenzen für den Einzelhandel und den Tourismus.

„Dass die deutsch-dänische Grenze jetzt komplett geschlossen ist, löst ein ganz besonderes Gefühl in mir aus. Ich würde es als grenzwertig beschreiben. Es sind sehr weitgehende Maßnahmen“, sagt mit Henrik Frandsen (Venstre) der Bürgermeister der Grenzkommune Tondern, nachdem Deutschland am Montagmorgen als Maßnahme zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus die Grenze geschlossen hat.
Die dänische Seite hatte bereits am Sonnabend Einschränkungen für die Einreise verhängt.

Notwendigkeit nicht infrage gestellt

Die Notwendigkeit, die Grenze dichtzumachen, stellt Frandsen nicht infrage. „Ich habe vollen Respekt davor, dass die Situation diese Maßnahme erfordert. In den Betonklötzen liegt jedoch eine gewisse Symbolik“, so Frandsen.

In der Kommune Tondern kann mit Seth/Sæd der größte der insgesamt sechs Grenzübergänge unter bestimmten Bedingungen passiert werden.

Fünf kleine Übergänge verbarrikadiert

Durch Barrikaden gibt es kein Durchkommen bei Ruttebüll/Rudbøl, Siltoft, Mühlenhaus/Møllehus, Windtwedt/Vindtved, sowie Beierskro/Bejerskro.

Der Grenze bei Ruttebüll am Sonnabendnachmittag Foto: Marie Medow

„Wir haben eine sehr gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Für mich hat die freie Mobilität der Bürger über die Grenze hinweg einen hohen Stellenwert“, so Frandsen unter anderem in Gedanken an die etwa 600 Pendler, die täglich aus Deutschland zum Arbeiten einreisen. Umgekehrt sind es ungefähr 100 Bürger aus der Kommune Tondern, die südlich der Grenze arbeiten.

Schwerwiegende Auswirkungen

Henrik Frandsen befürchtet schwerwiegende wirtschaftliche Auswirkungen für den Einzelhandel und den Tourismus. „Es wird sehr weitreichende Konsequenzen haben. Wir sind von den deutschen Touristen abhängig. Es trifft hart, wenn wir zu Ostern auf sie verzichten müssen."

Das wird für den Tourismus ernste Folgen haben, und führt in den Geschäften und Cafés, sowie Restaurants zu fehlenden Einnahmen.

Henrik Frandsen, Bürgermeister

„Das wird für den Tourismus ernste Folgen haben, und führt in den Geschäften und Cafés, sowie Restaurants zu fehlenden Einnahmen. Die gegenwärtige Lage wird auch für andere Branchen spürbar sein, der Tourismus und der Einzelhandel werden jedoch am härtesten getroffen“, so Frandsen, der auch wegen der verschiedenen Veranstaltungen im Zuge des Jubiläums von 100 Jahren Grenzziehung besorgt ist.

„Hoffentlich hat sich die Lage bis zum Haupt-Festakt im Juli normalisiert“, sagt er. Am 12. Juli steht in Tondern der Besuch von Königin Margrethe auf dem Programm. Am 27. Juni soll im Flugzeughangar im Soldaterskoven ein großes Volksfest stattfinden.

Bürgermeister Henrik Frandsen im Rathaus, wo er auch am Montag arbeitete. Foto: Lars K. Detlef
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