Kabarett in Tondern

Spritziger Revue-Cocktail

Spritziger Revue-Cocktail

Spritziger Revue-Cocktail

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Nicht nur der Patient (Dirk Andresen, r.) lässt sich von der Spielleidenschaft packen. Der Arzt (Lars Løbner Hansen) ist vom selben Bazillus angesteckt. Foto: Elise Rahbek

Die Tønder Revue überzeugt in diesem Jahr mit heiteren, frechen und zum Nachdenken anregenden Elementen. Wer live dabei sein will, hat jetzt die Chance.

Showtime ist mit der Tønder Revy anno 2019 angesagt, die musikalisch und stimmlich stark und glanzvoll daherkommt. In 25 Szenen wird nicht nur das örtliche Geschehen erfinderisch aufs Korn genommen, sondern auch die Abläufe in der Landespolitik und auf der weltweiten Bühne werden treffend und gekonnt verarztet. Dabei veranschaulichen die 14 Darsteller um und mit Regisseur Tommy Juhl und dem Mädchen für alles, Susanne Sønnichsen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Während Henry Madsen nach vier Jahrzehnten pausiert, rückt mit Jesper V. Petersen, Neuling Mads Langelund Larsen, Ditte Hansen und Sarah Riddersholm Nielsen die junge Garde verstärkt ins Rampenlicht.

Die bewährten Revue-Divas Pia Hansen und Pia Kjær Jensen mitsamt Ghitta Nørby und Kjestine Czech verstehen sich auf ihr darstellerisches und gesangliches Handwerk. In der Herrenriege stellen Mogens Jeppesen und Dirk Andresen große Verwandlungsfähigkeit unter Beweis und gehören mit Lars Løbner Hansen und Mikael Petersen zu den tragenden Kräften.

Die Filmaufnahmen im Flugzeughangar und die Krimikulisse in der Nähe von Hoyer werden mit Glamour und Glitzer vertont. Tondern entwickelt sich zu Dänemarks Nabel und greift als nächstes nach den Olympischen Spielen.

Der Schwarzgeld-Skandal der Danske Bank wurde geistreich thematisiert. Foto: Elise Rahbek

Die Tatsache, dass die kommunale Technische Verwaltung mehrfach ins Fettnäpfchen geraten ist, wird humorvoll veranschaulicht. Für Bürgermeister Henrik Frandsen, alias Lars Løbner Hansen, handelt es sich bei diversen Fehltritten jedoch allesamt um Erfolge, die zu erhöhter Beschäftigung führen.

„Je mehr Dreck und Lügen am Stecken, umso besser“, lautet die Parole bei dem Falck-Sketch. In himmlische Höhen entführen der verstorbene Liederbarde Kim Larsen (Mogens Jeppesen) und Benny Andersen (Lars Løbner Hansen) das Publikum mit einem ansprechenden Schwanengesang auf der Grundlage von Larsens Melodie „Blip båt“.

Die „dänischen Werte“ vertreten Inger Støjberg (Pia K. Jensen) und Martin Henriksen (Mogens Jeppesen). Foto: Elise Rahbek

Die Politik wird nicht unter den Teppich gekehrt und spielt sich nicht ausschließlich auf einer einsamen Insel ab. Auf einer solchen ist jedoch Inger Støjberg (Pia K. Jensen), Ministerin für Ausländer und Integration, gestrandet. Gerettet wird sie von ihrem Mitstreiter, dem DFer Martin Henriksen (Mogens Jeppesen). Dabei setzen die Revuemacher der Krassheit eine Krone auf.

Ein wankelmütiger Wähler hingegen versucht sich an der ganzen Farbskala der Parteien. Auf einem goldenen Stuhl nimmt ein Sekt schlürfender Klaus Riskær Petersen Platz. Die Zweideutigkeit entfaltet sich in voller Pracht, als ein in die Jahre gekommener Herr bei der Heimpflege anruft, um praktische Unterstützung zu ordern, sich aber mit der Telefonnummer vertut. Am anderen Ende des Rohres hat er stattdessen eine Dame der leichten Kavallerie.

Kim Larsen (M. Jeppesen) und Benny Andersen ( Lars L. Hansen) Foto: Elise Rahbek

Wie Schwarzgeld weiß wird, dafür gibt es eine unterhaltsame Wäscherei-Lösung. Die tratschenden Freundinnen Henriette (Pia Hansen) und Pernille (Tommy Juhl) sind in Anlehnung an den Slogan „Rig på tur“ bei ihrer Tour in die Marsch erneut ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus mit Überraschungseffekt. Die Konsequenzen der Umsetzung der Gleichberechtigung bis ins letzte Detail beim Tønder Festival wurden ebenfalls zum Leben erweckt.

Die Festival-Chefinnen Kirstine Uhrbrand ( Sarah R. Nielsen) l. und Maria Theessink (Ghitta Nørby) mit Bert Schulz (Mikael Petersen) Foto: Elise Rahbek

Dirk Andresen heizt als knochentrockener Langweiler mit seinem Monolog den Lachmuskeln gehörig ein. Mit regungsloser Miene macht er Werbung für seine „Kurse mit Witz und Scherz“ für langweilige Führungskräfte. Wer weiß, vielleicht verirren sich einige von ihnen ja für eine kurzweilige Auszeit in die empfehlenswerte Revue.

Nach der Premiere folgen heute, Freitag, Sonnabend und Sonntag, 19.30 Uhr, in der Schweizerhalle Vorstellungen. Karten gibt es unter hier.

Mehr lesen