THEMA DER WOCHE: ZURÜCK AUS DEM LOCKDOWN

Schon seit Neujahr mehr Laufen und Wandern in Hoyer

Schon seit Neujahr mehr Laufen und Wandern in Hoyer

Schon seit Neujahr mehr Laufen und Wandern in Hoyer

Hoyer/Højer
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Volkert Truelsen (vorn), zusammen mit Deichlauf-Mitorganisator Boh Tygesen bei der Einweihung des Fahrradwegs Hoyer-Tondern im Mai 2017, hält seit Jahrzehnten viele Mitbürgerinnen und Mitbürger sportlich auf Trab. Foto: Volker Heesch

Der Langstreckenläufer und Organisator des traditionellen Deichlaufes im Marschenort, Volkert Truelsen, berichtet über andauerndes Interesse an Bewegungstraining auch nach Lockerung der Corona-Einschränkungen. Auf Wanderrouten in der Tonderner Marsch gibt es aber weiterhin sehr viel Platz für Spaziergänger und passionierte Geher.

Im Jahr 2020 haben viele Menschen ihre Zwangspause im Berufsleben und in der Ausbildung aufgrund der Anti-Corona-Maßnahmen für Spaziergänge, Dauerläufe oder ausgedehnte Radtouren genutzt. Doch Untersuchungen des Institutes „Idrættens Analyseinstitut“ im Auftrag der dänischen Sportverbände haben gezeigt, dass nach dem Zwangsstopp für viele Vereinsaktivitäten und Fitnesscenter ab März 2020 und nach erneuten Beschränkungen seit Jahresende 2020 die sportliche Betätigung in der dänischen Bevölkerung deutlich zurückgegangen ist.

Nur teilweise aktiver in Lockdown-Phase

38 Prozent der Aktiven haben seitdem die eigene sportliche Betätigung ganz eingestellt, 62 Prozent haben weniger Zeit in sportliche Aktivitäten investiert. Nur 10 Prozent, die zuvor keinen Sport gemacht haben, sind in der „Corona-Pause“ aktiv geworden. Und die Untersuchungen haben auch gezeigt, dass statt 39 Prozent seit den Corona-Einschränkungen 45 Prozent der Däninnen und Dänen regelmäßig wandern, aber beim Laufen und Radfahren nicht zugelegt haben.

Der Mitbegründer des Volkslaufs „Digeløbet“ und Mitorganisator der Laufaktivitäten im Sportverein Højer IF in Hoyer (Højer), Volkert Truelsen, kann einen Einbruch bei den sportlichen Aktivitäten nur teilweise bestätigen.

Wie im vergangenen Jahr kann der Deichlauf (auf dem Foto der Start im Jahre 2018) auch in diesem Jahr in Hoyer wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Foto: Volker Heesch

„Leider mussten wir wie im Vorjahr auch dieses Jahr den Deichlauf absagen“, berichtet Volkert Truelsen. Am 8. Mai sollte der nach der Bedeichung des Margrethenkoogs vor 40 Jahren ins Leben gerufene Volkslauf dieses Jahr stattfinden. „Wir hatten keine andere Wahl“, so Truelsen unter Hinweis auf die aufwendige Organisation für ein solches Großereignis. Doch stolz berichtet der 70-jährige Hoyeraner Laufenthusiast, der an fast 100 Marathon-Läufen teilgenommen hat, dass trotz der zeitweise immer strengeren Corona-Beschränkungen die sonntägliche Tour der GodRun-Bewegungsgruppe von Højer IF durchweg bei Wind und Wetter jeden Sonntag ab 10 Uhr auch während der strengsten Corona-Einschränkungen stattgefunden hat.

Die Bewegungsgruppe des Vereins Højer IF in Højer hat auch während der strengsten Corona-Einschränkungen ihre Aktivitäten jeweils sonntags durchführen können, teilweise im Alleingang mit Abstand. Foto: Volkert Truelsen

Man spazierte in kleinen Gruppen auch, als ein gemeinsamer Start an der Marschenhalle in Hoyer nicht mehr zulässig war. „Wir gingen einfach jeweils von zu Hause los und marschierten am alten Deich entlang und dann weiter von Hoyerschleuse zur Wiedauschleuse“, berichtet Volkert Truelsen. Und es wurde auch Rücksicht auf ein Gruppenmitglied im elektrischen Rollstuhl genommen, sodass dieses die Strecke meistern kann. „Wir haben beim Lauftraining schon nach Neujahr ein steigendes Interesse festgestellt“, so Truelsen. Und er berichtet, dass kürzlich die Hoyeraner Gruppe während ihrer Deichtour bis zu 50 andere Läuferinnen und Läufer auf ihrer Strecke traf, die sich nach Lockerung der Corona-Restriktionen auf eigene Faust auf den Weg gemacht hatten.

Auswärtige Sportler auf Deichen unterwegs

Auch die Langenstreckenläufer haben in Hoyer ihr Training intensiviert. Ob das Interesse anhält, kann Truelsen noch nicht absehen. In der gesamten Kommune Tondern wird jedenfalls versucht, die Einwohnerschaft zu mehr Bewegung und sportliche Aktivitäten zu animieren. Auf der Homepage der Kommune Tondern, toender.dk, sind viele Angebote unter den Stichwörtern „Idræt og aktiv fritid“, „Idræt, motion og samvær“ oder „Fysisk aktivitet“ zu finden.

Volkert Truelsen berichtet, dass in Hoyer auch ein Teil der neu ausgeschilderten Wanderrouten, die als „Marskstig“ im Rahmen der Initiative Tonderner Marsch teilweise neu ausgebaut worden sind, auch von den Hoyeraner Läufern zum Training genutzt werden. Am vergangenen Wochenende waren auch auswärtige Radrennfahrer und Langstreckenläuferinnen und -läufer, die sich in Ferienwohnungen eingemietet hatten, in und um Hoyer unterwegs.

Meist ist sehr viel Platz auf den Wanderrouten des „Marskstig“, wie auf dem Abschnitt der Wanderroute zwischen Hoyerschleuse und Wiedauschleuse entlang der Wiedau. Foto: Volker Heesch

Ihnen gefiel offenbar die Bewegung auf und neben den Deichen mit weitem Ausblick und mitunter reichlich Gegenwind. Während der vergangenen Winter- und Frühjahrsmonate war auf diesen Routen aber meist sehr viel Platz. In Hoyer könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass 2021 wochenlang besonders starker und eisiger Wind über das Küstengebiet wehte.

Ein Team der Kommune Tondern hält das Wanderwegenetz in der Tonderner Marsch in Schuss. Auf dem Foto sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Grenzübergang Sieltoft (Siltoft) im Einsatz. Foto: Volker Heesch

Die Wanderrouten, die ein Mitarbeiterteam der Kommune, die teilweise aus beschützenden Werkstätten kommen, in Schuss hält, waren erst seit Beginn der Phase mit trockenem Wetter im März wieder einigermaßen begehbar. Verunzierung der Wander- und Laufrouten mit Müll, was aus der Umgebung größerer Orte in Dänemark gemeldet wurde, ist im Bereich von Hoyer kaum zu beobachten. Aber es ist eben auch festzustellen, dass während einer Tour von der Hoyerschleuse zur Wiedauschleuse in den vergangenen Wochen deutlich mehr Autofahrer und -fahrerinnen auf der Route entlang der Wiedau zu beobachten waren als Wanderer und Läufer. Viele Besucher der Küste beließen es beim gemütlichen „Spazierenfahren“, während den Freiluftaktiven Wind und Wetter zusetzten, aber auch Lerchen und Seevögel ein Frühlingskonzert boten.

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