Grüne Energie

Scherrebek ist als Heimstätte für Mega-Windräder im Spiel

Scherrebek ist als Heimstätte für Mega-Windräder im Spiel

Scherrebek ist als Heimstätte für Mega-Windräder im Spiel

Scherrebek/Skærbek
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Windräder von einer Höhe von bis zu 450 Metern sollen im Testzentrum stehen (Symbolfoto). Foto: Vestas

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Um effektivere Modelle zu entwickeln, sollen riesige Windkraftanlagen westlich des Ortes aufgestellt werden, wo ein Testzentrum geplant ist. Die Windräder könnten bis zu 145 Meter in den Himmel ragen. Drei weitere Bereiche sind im Gespräch.

Um effektivere und größere Windräder entwickeln zu können, sollen in Dänemark riesige Testanlagen aufgestellt werden. Westlich von Scherrebek ist ein mögliches Gebiet für ein neues Testzentrum für Windräder mit bis zu 145 Meter Durchmesser für besonders leistungsfähige Stromgeneratoren gefunden worden. Im Rahmen der Energiewende sollen noch größere, effektivere Windräder getestet werden.

Bislang gibt es in Dänemark zwei Testzentren in Østerild in der Kommune Thisted und Høvsøre in der Kommune Lemvig. Nun ist die Kommune Tondern als eine von vier Kommunen im Gespräch, Heimstätte für ein neues Zentrum für die Windenergieforschung zu werden.

Vier Kommunen im Gespräch

In einer Pressemitteilung des Innen- und Planungsministeriums werden neben Tondern auch die Kommunen Esbjerg, Jammerbugt und Brønderslev in Nordjütland ins Gespräch gebracht. Im Falle von der Jammerbugt und Brønderslev handelt es sich um einen Bereich, der in beiden Kommune liegt.

Im neuen Zentrum sollen acht Testwindktaftanlagen mit einer Höhe von bis zu 450 Metern aufgestellt werden. Im Fall der Tonderner Kommune ist die Marschniederung Ballum Enge im Spiel.

Der Vorsitzende des kommunalen Ausschusses für Klima, Entwicklung und Neuansiedlung in Tondern, Thomas Ørting Jørgensen (Borgerlisten) erklärt, dass Tondern vor weniger als zwei Wochen von den Plänen informiert worden sei, die das Ministerium für Wohnen und Planung, Danmarks Tekniske Universitet (DTU) und der staatliche Energiebehörde „Energistyrelsen" mit der Windenergiebranche ausgedacht habe. Bei der jüngsten Sitzung des kommunalen Finanzausschusses in Tondern wurde das Thema auch aufgegriffen, das aber nicht auf der Tagesordnung steht.

Dänemarks Position behaupten

Als Teil des grünen Energieplans hatten sich die Parteien Sozialdemokraten, Venstre, Dansk Folkeparti, Radikale Venstre, die Sozialistische Volkspartei, die Konservativen und die Liberale Allianz im Folketing auf ein mögliches drittes Testzentrum für Windkraft verständigt – also eine große Mehrheit im Folketing. Das sei eine große Mehrheit, meint Thomas Ørting Jørgensen.

Er ist sich sicher, dass in der Bevölkerung überwiegend größeres Verständnis geschaffen worden sei, mehr Windenergie zu produzieren, um die gesetzten Ziele bei der Nutzung erneuerbarer Energien zu erreichen. Gleichzeitig müsse auch Dänemarks führende Position im Windräder-Geschäft durch effektivere Modelle behauptet werden.

Finanzielle Vorteile für Anlieger im Blick

„Ich meine, dass sich die vier Kommunen an einen Tisch setzen müssen, um für die Lokalbevölkerung finanzielle Vorteile zu erzielen. In ihrer Nachbarschaft werden die Großen Windräder stehen. Sie sollen auch finanziell davon profitieren. Das haben wir in unserem eigenen Plan für die Nutzung erneuerbarer Energie getan, indem wir festgeschrieben haben, dass die betroffenen Bürgerinnen und Bürger 40 Prozent des Gewinns einstreichen müssen“, erklärt der Ausschussvorsitzende.

Im Bereich Ballum Enge gibt es große Natura-2000-Flächen und EU-Vogelschutzgebiete. In grüner Farbe: die Natura-Gebiete, in brauner Farbe die Vogelschutzgebiete. Foto: Umweltbehörde

Aufgrund des nationalen Interesses könne der Staat zu Enteignungen schreiten. Das sei auch in Bezug auf die geplanten Hochspannungsleitungen der Fall, die in der Kommune Tondern aufgestellt werden sollen.

„Daher ist es meines Erachtens oberstes Gebot der Kommune, positiv bei den Untersuchungen mitzuwirken. Wir müssen die Gefühle außen vor halten. Man kann ein solches Testzentrum als Risiko, aber auch als Chance ansehen“, so der Lokalpolitiker.

Um die Nutzung erneuerbarer Energie voranzutreiben, sei auch über eine Lockerung der bisherigen Naturschutzrestriktion, beispielsweise bei Schutzgebieten Natura-2000, beim Wattenmeer und des Nationalparks oder in der Nähe von Kirchen, gesprochen worden.

In Bezug auf den kommunalen Plan zur Nutzung von Wind- und Sonnenenergie, der seitens des Tonderner Stadtrats bei nur zwei Gegenstimmen ein mutiger Beschluss gewesen sei, könnte die Debatte wegen der riesigen Windräder erschwert werden. „Die Fläche, die westlich von Scherrebek im Gespräch ist, liegt in dem Bereich, wo auch ein Windprojekt geplant ist. „Hier sehe ich die Möglichkeit, dass die acht großen Windräder ein Teil des Projektes werden könnten und dass damit weniger Anlagen als ursprünglich geplant, errichtet werden können.

Wenn etwas von nationalem Interesse ist, folgt die Enteignung.

Thomas Ørting Jørgensen (Borgerliste)

Die Kommune Tondern hat in ihrem Plan, der sich in der öffentlichen Anhörung befindet, erklärt, dass bis zu maximal 125 neue Windräder aufgestellt werden.

„Wir können so viel protestieren und schimpfen, wie wir wollen. Wenn etwas von nationalem Interesse ist, folgt die Enteignung. Wir müssen aber auch irgendwann einmal Ernst machen und nicht nur darüber reden, mehr Energie durch den Wind zu produzieren. Dann müssen auch die unangenehmen Beschlüsse getroffen werden.“

Esbjergs Bürgermeister tobt

In der Kommune Esbjerg fallen die Pläne auf keinen guten Boden. Bürgermeister Jesper Frost Rasmussen (Venstre) sagt gegenüber „Jydske Vestkysten“, dass dieser Vorschlag von Kopenhagener Schreibtischarbeit der allerschlimmsten Art zeuge. Besonders die Nähe zum Nationalpark Wattenmeer ist für ihn ein Gegenargument für Mega-Windräder in seiner Kommune. Er schlägt eine Platzierung in der Nordsee vor. In seiner Kommune liegt auch der Esbjerger Hafen, der vom Ausbau der Off-Shore-Industrie profitieren wird.

In den auserwählten Gebieten soll jetzt geprüft werden, ob sie sich als Standort für eines neues Testzentrum eignen. Ende des Jahres sollen die Untersuchungen auch in Bezug auf die Konsequenzen für die Bürgerinnen und Bürger, die Natur und Umwelt fertig sein. Dann muss das Folketing entscheiden, ob es ein neues Zentrum und wo haben will oder nicht.

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