Kommunalpolitik

Residenzpflicht: Die Ruhe ist in Mögeltondern getrübt

Residenzpflicht: Die Ruhe ist in Mögeltondern getrübt

Residenzpflicht: Die Ruhe ist in Mögeltondern getrübt

Mögeltondern/Møgeltønder
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Die meisten Häuser in der Schlossstraße stehen unter Denkmalschutz. Foto: Brigitta Lassen

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Die Hausbesitzerinnen und -besitzer im historischen Ortsteil sagten Vertretern der Kommune die Meinung. Sie fürchten fallende Preise und eine Einschränkung ihres Dispositionsrechts für ihr Eigentum.

Mit vier Mitarbeitern, angeführt vom Verwaltungsdirektor Michael Holst, war die Technische Verwaltung zu einem Bürgertreffen im Versammlungshaus in Mögeltondern angereist. Der Grund: Die geplante Einführung einer Residenzpflicht (bopælspligt) soll im historischen Teil des Ortes (Schlossstraße und Kirkestien sowie der südliche Teil des Ortes, als Sønderbyen bezeichnet) eingeführt werden.

Das heißt, dass die Hauseigentümerinnen und -eigentümer nicht ihren Besitz an Kaufinteressierte veräußern können, die die Immobilie als Ferien-/Sommerhaus nutzen wollen. Die Kommune wünscht, dass die Häuser bewohnt sind und dass Licht aus den Fenstern dringt.

60 Prozent sind Sommerhäuser

Entsprechende Vorlagen soll es auch im alten Stadtkern Tonderns (Uldgade, Süderstraße etc.) und auf Röm (Rømø) im Bereich Havneby und im nördlichen und östlichen Teil Kongsmark (Svenskerstræde/Nørre Fankel) eingeführt werden, wo die Entwicklung am auffälligsten ist. Immer mehr ganzjährig bewohnte Häuser werden an Feriengäste vermietet. Es sollen ungefähr 60 Prozent sein.

Haben wir schon ein Problem, oder werden wir eins mit zu vielen dunklen Fenstern bekommen?

Michael Holst, Direktor der technischen Verwaltung der Kommune Tondern

Mit dieser Auflage soll verhindert werden, dass sich Ortsteile in Feriengebiete verwandeln. Damit würden auch Kindergarten und Schule unterstützt und am Leben gehalten werden, wenn Familien mit Kindern nach Mögeltondern umziehen, und eines der historischen Häuser kaufen, so die Hoffnung der Kommune.

Dicht bei dicht liegen die historischen Häuser am Sønderbyvej. Foto: Brigitta Lassen

„Haben wir schon ein Problem, oder werden wir eins mit zu vielen dunklen Fenstern bekommen?“ meinte Michael Holst einleitend.

Doch die Betroffenen in Mögeltondern sehen eine entsprechende Entwicklung wie auf Röm nicht. Man solle kein Problem aus einer Sache machen, wenn es kein Problem gibt, so die Aufforderung an die nur spärlich vertretenen Politiker, die letztendlich entscheiden, ob dieser Schritt erstmals in der Geschichte der Kommune vollzogen wird.

Drei Politiker kamen

Vom Ausschuss für Klima, Entwicklung und Wachstum (kurz KVU-Ausschuss), in dessen Aufgabenbereich die Neuordnung liegt, bevor sie in den Stadtrat geht) waren nur der stellvertretende Vorsitzende Martin Iversen (Venstre) und Henrik Frandsen (Tønder Listen) anwesend. Frandsen wurde noch von seinem Parteikollegen Karl Henning Clausen unterstützt.

Idylle pur Foto: Brigitta Lassen

Da der Vorsitzende Thomas Ørting Jørgensen (Borgerlisten) nicht zugegen war, musste Martin Iversen, der bei diesem Bürgertreffen „Heimrecht“ hatte, mit der Chefriege der Technischen Verwaltung die Fragen der Erschienenen beantworten. Bemerkungen und Kritik gab es von vielen Seiten. Alle der mehr als 30 erschienenen Hausbesitzer sprachen sich gegen die Residenzpflicht aus.

Iversen entschuldigte sich, dass der neue Stadtrat erst seit vier Monaten im Amt sei und dass der neu gegründete KVU-Ausschuss diesen Punkt vom „alten“ Stadtrat geerbt habe.

Die Häuserpreise werden um 20 Prozent fallen.

Lars Vermund, Makler und Hausbesitzer

Lars Vermund, seit mehr als 30 Jahren Hausmakler in Kopenhagen und Hausbesitzer in Sønderbyen, meinte, dass dort mehrere Häuser einfach zu klein seien, wenn eine Familie mit Kindern dort einziehen will. Ein Ausbau sei aufgrund der Denkmalschutzauflagen schwierig, wenn nicht unmöglich. Damit verkleinere sich der Kreis der Käuferinnen und Käufer. Damit würden die Häuserpreise ungefähr um 20 Prozent fallen. Einige Häuser in Sønderbyen seien aufgrund ihrer Größe unverkäuflich. Es sei eine dumme Idee, politische Beschlüsse mit rückwirkender Kraft zu treffen, meinte Vermund und erntete für seinen Wortbeitrag Applaus.

Man würde auf seinen Häusern bis an sein Lebensende sitzen bleiben, bemerkte Thomas Thimsen. Eine finanzielle Entschädigung für den möglichen Preisfall gebe es nicht von der Kommune, unterstrich Lars-Erik Skydsbjerg von der Technischen Verwaltung.

Lisa Olesen, langjährige Touristenführerin im Ort und wohnhaft in Sønderbyen, erklärte, dass dort nur sechs Häuser nicht ganzjährig bewohnt würden. Vier werden an Feriengäste vermietet. In zwei Häusern wohnen feste Mieter.

Carsten Borg, Bewohner des Kirkestis, hatte sich auch die Mühe gemacht, für seine Straße und die Schlossstraße eine Auflistung zu machen. Von den 32 Häusern würden nur 9 nicht ganzjährige bewohnt (inklusive der drei Gästehäuser des Schlosskrugs).

Historische Häuser gibt es in Mögeltondern zuhauf. Foto: Brigitta Lassen

Der Dorfverein Tranen hatte zur Durchführung eines Bürgertreffens aufgefordert. Der Vorsitzende Jens Nissen unterstrich aber, dass sich der Vorstand in dieser Sache neutral verhalten würde.

Die Kommune will auch in Tondern und auf Röm zu entsprechenden Veranstaltungen einladen. Daher ist die Frist für mögliche Einsprüche und Kommentare verlängert worden. Ein Termin steht noch nicht fest.

Wie sind die Regeln?

Eine Kommune kann eine Residenzpflicht auf der Grundlage des Gesetzes zur Regulierung des Wohnraums (Boligreguleringslov) einführen und dies in die jeweiligen Bebauungspläne eintragen. Die Kommune Tondern hat dies noch nicht praktiziert. Vor einigen Jahren verlor sie einen Prozess, als sie versuchte, diese Auflage auf der Grundlage des Planungsgesetzes (Planlægningslov) einzuführen. Dieses Gesetz bot diese Möglichkeit nicht. Von der Wohnsitzpflicht können nur Häuser umfasst werden, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre als fester Wohnsitz der Eigentümerinnen und Eigentümer genutzt worden sind. Von den 98 dänischen Kommunen haben bislang nur 19 noch nicht diesen Schritt unternommen.

In Mögeltondern gibt es zum Teil sehr kleine, unter Denkmalschutz stehende Häuser. Foto: Brigitta Lassen
In ein altes Haus muss viel Geld investiert werden. Renovierungsarbeiten gibt es unentwegt. Foto: Brigitta Lassen

Ist ein Haus länger als fünf Jahre an Feriengäste vermietet worden, kann es weiter als solches genutzt werden. Der Besitzer kann es dann wieder ganzjährig selbst nutzen, ohne dafür eine Erlaubnis seitens der Kommune zu beantragen. Beim Verkauf der Immobilie entfällt diese Möglichkeit. Dann muss das Haus ganzjährig von den Eigentümern bewohnt oder darf nur an feste Vermieter vermietet werden, die auch in Dänemark gemeldet sind.

Die drei Bereiche (Mögeltondern, Röm und Tondern) sollen die ersten sein, die gegebenenfalls dieser Einschränkung ihres Dispositionsrechts unterwerfen werden sollen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sie auch in anderen Teilen der Kommune eingeführt werde, meinte Lars Erik Skydsbjerg von der Technischen Verwaltung.

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