Kultur

Rebellion und Gänse-Leid

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Lügumkloster/Løgumkloster
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Der Patient (Jørgen Brodersen) druckst vor der rabiaten Ärztin (Anne Luise Hartkopf-Mikkelsen, M.) etwas herum. Praktikantin Freja Bastian Skriver wohnt dem Termin mit Argwohn bei. Foto: Elise Rahbek

Die 14 Darsteller von Løgumkloster Amatørteater Forening sorgen bei ihrer Revue für unterhaltsame Stunden.

Zu einem kurzweiligen und amüsanten Abstecher durch das örtliche und kommunale Geschehen entführen die 14 Darsteller von Løgumkloster Amatørteater Forening das Publikum bei ihrer Revue. Spritzige Wortwechsel, gepaart mit darstellerischen Leistungen , werden mit handgemachter Musik verfeinert.

Bei der Betrachtung durch die humorvolle und ironische Brille gibt es z. B. Raum für die MeToo-Kampagne. Harte Bedingungen für die Romantik hat ein Date, da alles, ausgehend vom Händchenhalten, vertraglich geregelt werden muss. Frischen Wind in das bewährte Revueteam bringt unter anderem Neuzugang Jørgen Brodersen.

Slogan ohne Schlagkraft

Der neue Slogan der Kommune Tondern „Rig på tur“ bekommt wegen seiner fehlenden Schlagkraft mehrfach sein Fett weg. Reich sei dabei wohl allein die Werbe-Agentur aus Aarhus geworden. Von der Dramatik, als der Venstre-Vorsitzende seinen Tritt bekam, singt Allein-Initiator und Weinbauer Bürgermeister Henrik Frandsen (alias Mikael Troldhuus). Thematisiert werden auch der Heliport auf Röm und die zweifelhafte Beratung durch das Unternehmen Cowi. Tierisch stark ist Anne Luise Hartkopf nicht nur als Gans, die ihre Leiden in der Vorweihnachtszeit besingt, sondern auch als Ärztin. Dabei nimmt sie radikale Praktiken in Gebrauch, und man möchte ihr in dieser Position ungern im wirklichen Leben begegnen.

Was es mit schlecht gelaunten, alten Männern auf sich hat, davon vermittelt Kenneth Reimer einen Eindruck.

Tratsch beim Putzen: Mona Christensen und Tinebeth Hartkopf Foto: Elise Rahbek

Häuser als Ladenhüter

Auch ein Blick hinter die schläfrigen Kulissen eines Immobilienbüros wird gewährt. In Anspielung auf die lange Zeit, in der die Verkaufsobjekte in der Klosterstadt Ladenhüter sind, kann der Makler es kaum fassen, dass jemand ein Haus kaufen will. Potenzielle Hauskäufer müssen mental untersucht werden, um zu sehen, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben.

Ein Genuss ist es immer wieder, die Welt aus der Perspektive des Dorftrottels Adolf zu betrachten – wunderbar dargestellt von Anton Schulz, der auch Regie führt. In Adolfs Dialog mit dem Seeländer „Peder“ (Peter Langberg ) stellt sich heraus, dass die sønderjyske „Sprache“ eine schwere Sprache ist, die zu allerhand Trugschlüssen führt. In der Rolle als der fraktionslose Stadtratspolitiker Jens Møller, der sagt, was er meint, und meint, was er sagt, glänzt Ernst Sørensen. Köstlich auch das Ehepaar Midde (Lilly Schulz) und Fidde (Anton Schulz) in ihrem Disput über Fiddes vermeintlichen Wunsch nach einem Spaziergang, den Midde hochschaukelt.

Verbalen Staub wirbeln die Putzfrauen Misse und Cille auf. Zum größten Kunststück gehöre es, Hjemsted Oldtidspark mit künstlicher Beatmung am Leben zu erhalten. Unterhaltend, aber auch zum Nachdenken anregend, der Auftritt der Jugendrebellen von vor 50 Jahren, die sich nun im Pflegeheim für bessere Bedingungen mit frischem Essen, Besuch und mehr Möglichkeiten für ein Bad einsetzen.

Weitere Vorstellungen gibt es am Freitag, 7. Dezember, und am Sonnabend, 9. Dezember, im Alten Kino in Lügumkloster, jeweils ab 19.30 Uhr. Karten zum Kostenpunkt von 125 Kronen gibt es bei „Døgneren“ oder unter www.loegumkloster.

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