Infrastruktur

Privatbahn brachte die Zugverbindung ins Rollen

Privatbahn brachte die Zugverbindung ins Rollen

Privatbahn brachte die Zugverbindung ins Rollen

Tondern/Tønder
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1997 rollte der erste Güterzug wieder über die Grenze. Foto: Brigitta Lassen

Der einstige Vorreiter für die Wiedereröffnung der Bahnstrecke, Robin Roost, ist verärgert, dass sich DSB und die DB mit fremden Federn schmücken. Wem dies wirklich zu verdanken ist, wird nicht erwähnt.

Es gehe ihm nicht darum, persönlich geehrt zu werden. Dass aber die Dänischen Staatsbahnen (DSB) und die Deutsche Bahn (DB) als „Väter für die Wiedereröffnung der Bahnstrecke von Tondern nach Niebüll gefeiert werden, ließ ihn aber doch mehr als nur aufhorchen. Robin Roost aus Mögeltondern/Møgeltønder war sauer, dass sich die beiden Bahngesellschaften mit Ruhm bekleckern ließen, als das 20-jährige Jubiläum der Wiedereröffnung in der vergangenen Woche auf dem Tonderner Bahnhof gefeiert wurde. Aber ohne diejenigen zu würdigen, die als Vorreiter den Weg geebnet und viele Steine aus dem Weg geräumt hatten“, kritisiert er.

Roost war der Mitinitiator und der erste Direktor der Privatbanen Sønderjylland (PBS), die im April 1997 mit den ersten Güterwaggons über die deutsch-dänische Grenze fuhr. Doch schon vier Jahre später musste das Unternehmen aufgeben. Dennoch sei es der Kreis um die Privatbahn, der die Wiederöffnung der 1976 geschlossenen Bahnverbindung ins Rollen brachte, nachdem andere Personen von nördlich und südlich der Grenze vorher fast 20 Jahre politischen Druck ausgeübt hatten.

Marscheninitiative

Die deutschen und dänischen Westküstenkommunen von Niebüll bis Esbjerg formierten sich damals als Förderverein der Marschenbahn-Initiative und überlegten, wie die nun entstandene Lücke im Bahnnetz geschlossen werden konnte. „Treibende Kraft war Tonderns früherer Kommunaldirektor Egon Nielsen, während der damalige Bürgermeister Hans L. Hansen die politische Beinarbeit leistete. Daher wurde ihm auch die Ehre überlassen, das rote Band zur Wiedereröffnung zu durchtrennen, obwohl Rudi Jensen 1997 Bürgermeister geworden war.

Vier Männer auf dem Tonderner Bahnhof: links die beiden Bahnveteranen Arne Kaalund (l.) und Ingulf Leuschel (2.v.l.), NEG-Chef Ingo Dewald und Tonderns Bürgermeister Henrik Frandsen (r.). Die beiden Erstgenannten wurden bei der 20-Jahr-Feier als die Väter der Wiedereröffnung des Personenverkehrs gefeiert. Foto: Brigitta Lassen

„Auch die Verdienste dieses Personenkreises hätten bei der sogenannten Jubiläumsfeier in der vergangenen Woche gewürdigt werden können. Auch Bürgermeister Henrik Frandsen erwähnte diese Vorreiter mit keinem Wort. Er hatte sich für den Termin wohl nicht gut genug vorbereitet“, meint Robin Roost.

1997 fiel der Startschuss

Es sei auch falsch, in diesem Jahr den 20. Jahrestag seit der Wiederbelebung der Bahnstrecke zu feiern. Denn am 5. April 1997 rollten schon die ersten Güterwaggons über die Grenze“, erklärt Robin Roost.

Hinter der Initiative der Streckenwiedereröffnung standen neben ihm auch der Vorsitzende der Nordfriesischen Verkehrsbetriebe NVAG in Niebüll, Ulrich Schütz, Poul Stenderup und der frühere Hydrochef in Tondern, Ulf von Huth Smith. Diesem Quartett sei es zu verdanken, dass die Züge wieder zwischen den beiden Städten fuhren. Mehr als 100 Gäste waren bei der „Jungfernfahrt dabei“, erzählt Roost. Die vier Bahnvorkämpfer hätten sich engagiert, um Tondern, dem Bahnverkehr und der örtlichen Wirtschaft Gutes zu tun, und natürlich, um Geld zu verdienen.

Streckeneröffnung mit dem Tonderner Stadtratsvertreter der Schleswigschen Partei, Jens Peter Hansen, Amtsbürgermeister Kresten Philipsen, Schleswig-Holsteins Finanzminister Claus Møller und Niebülls Bürgermeister Heinz Loske (v.l.) im April 1997. Foto: Archivfoto: DN

„Es war ein harter Kampf, zum Beispiel mit DSB. Beispielsweise versuchte der damalige Verkehrsminister Bjørn Westh, die Bahner auszutricksen, als bestimmt wurde, dass die Privatbahn für jeden auf dem Tonderner Bahnhof einfahrenden Waggon für zehn bezahlt werden musste. DSB sei überhaupt nicht am Bahnverkehr in diesem Teil des Landes interessiert, unterstreicht Robin Roost.

Sonderfahrten

Doch die Privatbahner waren zäh und betrieben ihren Güterverkehr nicht nur auf der Strecke Tondern-Niebüll. Sie schoben auch den Personenverkehr mit sporadischen Sonderfahrten mit historischen Fahrzeugen an. Ab dem Jahr 2000 gab es zunächst einen über zwei Jahre befristeten Probebetrieb zwischen DSB und NVAG in Bezug auf den Personenverkehr, allerdings nur in der Sommersaison. Der Slogan von damals hieß: Hallo Nachbar, der Zug fährt wieder. Die NVAG hatte zwar die Vorarbeit auf deutscher Seite geleistet, verlor aber die Ausschreibung gegen den Konkurrenten der Nord-Ostsee-Bahn (NOB), blieb aber Besitzer der Bahnstrecke.

Im Juli 2000 startet der reguläre Personenverkehr. Foto: Brigitta Lassen

Die damalige Tønder Bank hatte einen Kredit zum Start der privaten Bahngesellschaft mit Sitz in Tondern gegeben und bekam als Sicherheit Pfand in den Anteilen. Das ebenfalls in Konkurs gegangene Geldinstitut war der Hauptkreditor. Ulf Smith war der größte Aktionär der Gesellschaft. Die PBS machte am 27. März 2001 Pleite. Von den einst vier Vorreitern waren nur noch Smith und Robin Roost übrig.

Nach dem Konkurs der NVAG zwei Jahre später bedient die Norddeutsche Eisenbahn GmbH (NEG) mit Sitz in Niebüll seit 2004 die Strecke bis zur Grenze. Auf dänischer Seite ist es DSB. Auf der Strecke pendeln heute die Züge der Arriva-Gesellschaft, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn.

DSB und DB können sich daher auch höchstens damit rühmen, die Väter des regelmäßigen Personenverkehrs auf der Strecke zu sein.

Robin Roost, Eisenbahner

„DSB und DB können sich daher auch höchstens damit rühmen, die Väter des regelmäßigen Personenverkehrs auf der Strecke zu sein“, schimpft Roost weiter. Weder er noch Vertreter von Arriva waren bei der kleinen Feier auf dem Tonderner Bahnhof anwesend.

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