Corona-Schutzmaßnahmen

Pflegeheime: Angehörige sind im Freien willkommen

Pflegeheime: Angehörige sind im Freien willkommen

Pflegeheime: Angehörige sind im Freien willkommen

Tondern/Tønder
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Die individuell vereinbarten Besuche müssen auch bei Richtsens Pflegecenter in Tondern draußen stattfinden. Foto: Archiv Monika Thomsen

Der Kommunalrat hat grünes Licht dafür gegeben, dass die Besuche unter der Einhaltung von gewissen Auflagen möglich sind. Die neue Regel tritt umgehend in Kraft. Freude bei Familie Kier.

Die Bewohner von Pflegeheimen und Kurzzeitzentren in der Kommune Tondern dürfen im Freien wieder ihre Angehörigen sehen. Das steht nach einer Entscheidung des Kommunalrats am Donnerstagabend fest.

Seit dem 17. März wurde Angehörigen nur in besonderen Situationen der Besuch bei kritisch erkrankten Pflegeheimbewohnern oder Bewohnern mit schwerer Demenz gewährt. Die Familienmitglieder dürfen mit der Lockerung nur einzeln kommen, und es gibt bestimmte Auflagen, die befolgt werden müssen.

Folgende Richtlinien gelten

• Die Besuche werden direkt mit dem Pflegecenter abgesprochen. Die Stätte koordiniert, wo und wann das Treffen stattfinden kann und begleitet die Bewohner nach draußen.

• Der Besuch wird als Ausgangspunkt auf der eigenen Terrasse des Bewohners (oder einer entsprechenden Stelle) durchgeführt.

• Es darf nur ein Gast zur Zeit kommen.

• Es dürfen so wenig unterschiedliche Gäste wie möglich kommen – am liebsten soll es immer derselbe Gast sein.

• Es obliegt den Angehörigen, darauf zu achten, dass die Richtlinien der Gesundheitsbehörde befolgt werden.

• Daher sollen zwei Meter Abstand gehalten werden.

• Ein physischer Kontakt ist nicht erlaubt.

• Wenn die Besucher krank sind oder Symptome haben, müssen sie zu Hause bleiben.

• Wenn sich das Wetter nicht für einen Aufenthalt im Freien für die Bewohner anbietet, werden die Besuche nicht durchgeführt.

• Wenn Personen im Haushalt des Besuchers Covid-19-Symptome haben, soll von einem Besuch abgesehen werden.

• Eine Evaluierung ist für den 11. Mai terminiert.

„Sehr viele Menschen freuen sich darauf. Es ist kein Geheimnis, dass es die Bewohner hart trifft, dass sie keine Besuche erhalten dürfen. Das wirkt sich negativ aus und die Einsamkeit klopft an. Daran kann man auch sterben“, sagte die Vorsitzende des kommunalen Gesundheitsausschusses, Irene Holk Lund (Venstre).

Die gegenwärtige Situation sei für Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige schmerzhaft.

Richtlinien ergänzt

Der Gesundheitsausschuss hatte die ausgearbeitete Richtlinie damit ergänzt, dass die Angehörigen von Besuchen absehen sollen, wenn es bei ihnen zu Hause Personen mit Covid-19-Symptomen gibt.

„Wir nehmen auf unserer Sitzung am 11. Mai eine Auswertung vor. Es ist leicht vorstellbar, dass es Bedarf gibt, zu justieren und dass es neue Richtlinien gibt“, so die Vorsitzende.

„Die Zeit ist reif"

Eike Albrechtsen (Sozialdemokratie) hielt die Zeit reif für diesen Schritt, der unter freiem Himmel machbar sei. Sie bedauerte, dass es nicht auch für andere Einrichtungen gelten würde.

Ihr Parteikollege, der Vorsitzende des Sozialausschusses, Peter Christensen (Soz.), sagte, dass die Bewohner und die Angehörigen in den sozialen Wohnstätten und Einrichtungen auch den Bedarf hätten zu hören, dass sich in ihrem Bereich etwas tut.

„Wir warten auf die Richtlinien und auf das Kommando Go. Damit wir auch öffnen können. Es besteht ein Bedarf für eine Normalisierung“, so Christensen.

„Schweres Dilemma"

„Die Pflegeheime leisten einen riesigen Einsatz für die Älteren. Es ist ein schweres Dilemma für die Leiter und Mitarbeiter die Angehörigen von ihren Lieben fernzuhalten.

Wir sehen, dass die älteren Menschen sich in sich zurückziehen. Ihnen fehlt die Nähe von Kindern, Ehepartnern und in einigen Fällen auch Eltern“, berichtete Mathilde Ziefeldt (Sozialistische Volkspartei).

Die Sozial- und Gesundheitsassistentin kennt sich mit der Thematik aus, da sie in einem Pflegeheim tätig ist.

Einsamkeit ein großes Problem

„Die Demenzkranken fühlen sich im Stich gelassen. Sie verstehen es nicht, dass sie ihre Kinder nicht sehen dürfen. Wir müssen Acht geben, dass das Mittel nicht schlimmer wird, als das was wir damit bekämpfen.

Die Einsamkeit und das Entbehren können die Krankheit verschlimmern. Wir müssen darauf achten, dass die Einsamkeit nicht zu einer Pandemi wird“, so Ziefeldt.

Sie forderte dazu auf, auch den Fokus auf die alten Menschen zu richten, die in ihren eigenen vier Wänden wohnen.

Schnelle Öffnung erwünscht

„Wir haben den schrecklichen Virus einigermaßen im Griff. Daher ist es an der Zeit, baldmöglichst zu öffnen“, sagte Bent Paulsen (Dansk Folkeparti).

Mathias Knudsen (Venstre) hätte sich gewünscht, dass den Ehepartnern der Besuch im Inneren gewährt worden wäre. Er wünschte sich Flexibilität.

Freude über die Lockerung

Freude löst die Lockerung im Hause Kier in Osterhoist aus. „Darüber freuen wir uns. Wir freuen uns vor allem für meinen Schwiegervater, dass er uns jetzt sehen kann“, lautet die unmittelbare Reaktion von Ina Kier.

Ihr Schwiegervater ist der 92-jährige Christian Kier aus Jeising, der seit dem vergangenen Jahr in Richtsens Pflegecenter lebt. Seit dem Besuchsverbot läuft der Kontakt über Telefon und WhatsApp.

Telefon und WhatsApp

„Eine Mitarbeiterin hat auch WhatsApp und dann haben wir auf die Art mit ihm gesprochen und auch kleine Videos geschickt“, berichtet Ina Kier. Ihr Mann Thomas nehme Kontakt zum Pflegeheim auf, um Genauers zu erfahren, wie sein erster Besuch praktisch ablaufen soll.

Der 92-jährige Christian Kier genießt die Geselligkeit und das Zusammensein mit anderen Menschen, wie beim Oktoberfest im Pflegeheim im vergangenen Jahr. Foto: Elise Rahbek

„Im Pflegeheim tun sie alles was sie können, darüber sind wir sehr froh. Dies alles kann aber die Besuche nicht ersetzen. Mein Schwiegervater hat immer viel Freude an Besuch gehabt. Es ist nicht sein Ding, alleine zu sitzen“, sagt sie in Gedanken an den geselligen Senior.

Er muss auch auf die Visiten seines jüngeren Bruders aus Odense verzichten.

„Eine Schieflage"

Ina Kier denkt in dieser Zeit auch an die vielen alten Menschen, die alleine in ihren vier Wänden wohnen, und die ohne Besuch und teils ohne Unterstützung für das Saubermachen auskommen müssen.

„Da gibt es eine Schieflage, da für sie nicht wie in den Pflegeheimen irgendwelche Aktionen mit Blumen- oder Kuchengeschenken durchgeführt wird“, gibt sie zu bedenken.

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