Restaurierung

Neues Leben in Hoyers Erbe

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Hoyer/Højer
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Das Reetdach des Hofes ist vollständig erneuert worden. Foto: Elise Rahbek

Die Restaurierung des Hofes Hoyergaard und der angrenzenden Villa im Heimatschutzstil schreitet voran. Nun gibt es erste Einblicke von der Architektin Conni Hviid in den Stand der Arbeiten.

Seit Monaten haben Handwerker in den Gebäuden des künftigen koch- und ernährungskundlichen Schullandheims im Herzen von Hoyer ihren Einzug gehalten. Vor einigen Tagen gab Architektin Conni Hviid von der bei der Restaurierung federführenden Denkmalschutzstiftung Real Dania Einblick in den Stand der Arbeiten an den bedeutenden Beispielen des Hoyeraner Bauerbes.

„Ursprünglich bestand die Hofanlage aus einem vierflügeligen Wohn- und Stallgebäude“, erläutert Connie Hviid, die für die Tochtergesellschaft Real Dania Ejendomme mit Sitz in Odense tätig ist. Sie berichtet, dass die Restaurierung unter strenger Aufsicht der für den Denkmalschutz zuständigen staatlichen Kulturbehörde verläuft. Unter Schutz steht allerdings nur das 1824 erbaute Wohnhaus des Hofes, der viele Jahre als Pastorat der Nordschleswigschen Gemeinde in Hoyer gedient hat. „Wir restaurieren aber auch sehr sorgfältig die 1906 im Heimatschutzstil erbaute Villa, die nach Wissen älterer Hoyeraner vom seinerzeit berühmten Architekten Jürgen Bachmann, der aus Nübel stammte, entworfen worden ist.

Architektin Connie Hviid leitet das Restaurierungsprojekt. Auf dem Foto steht sie vor der Villa aus dem Jahre 1906, die Architekt Jürgen Bachmann entworfen haben soll. Das Gebäude wird auch Teil des Schullandheims der Arla-Stftung für gesundere Ernährung. Foto: Elise Rahbek

„Im Hauptgebäude wird die historische Ausgestaltung wiederhergestellt“, so die Architektin und weist auf die eingehende bauarchäologische Begutachtung vor Beginn der Restaurierung hin. „Es werden nach vorn Fenster entsprechend dem Originalzustand eingesetzt und Farben verwendet, die an den Balken und Deckenvertäfelungen erhalten waren“, erläutert die Denkmalschutzexpertin. Sie berichtet, dass vor dem Bau der Villa 1906 die alten Ställe weitgehend abgerissen worden sind. Der erhalten gebliebene Stall entlang der Kirkegårdsgade wurde im Trempelstil unter Einbeziehung alter Bausubstanz modernisiert.

Junge Köche motivieren

„Im Stallgebäude, bei dem wir kein Gebäude mit Reetdach wie vor 1900 wiederherstellen, werden die Küchen des Schullandheims gebaut“, so Connie Hviid und fügt hinzu, dass die Schulküchen so gestaltet werden, dass sie eher privaten Küchen ähneln, denn die Arla-Stiftung, die das Konzept der Ernährungsschule entwickelt hat, möchte die jungen Köchinnen und Köche motivieren, nach einem lehrreichen Aufenthalt in Hoyer die neuen Kochkünste in der eigenen Familie weiterzuführen und einzubringen. „Die Einrichtung soll auch von Gruppen aus der Kommune Tondern benutzt werden“, unterstreicht die Architektin. Auch Familienkurse sind im Konzept enthalten.

In der Villa von 1906 sind Details wie ein S (Sönnichsen) in den Türgriffen erhalten. Foto: Elise Rahbek

Bei der Restaurierung ist mit der Neueindeckung des Reetdaches bereits eine wichtige Etappe abgeschlossen worden. Umfangreiche Arbeiten sind auch am Mauerwerk erforderlich. Schadhafte Ziegelsteine werden ersetzt.
Aufwendig werden die Holzelemente gepflegt. Künftig müssen sie die intensive Nutzung des Gebäudes durch lebhafte junge Gäste ertragen können. „Der frühere Gemeindesaal wird auch im Schullandheim als Versammlungsraum genutzt“, so die Architektin und betont, dass im Zuge der Denkmalschutzbemühungen keine neuen Fensteröffnungen in Mauern und Dach zulässig sind. „Deshalb finden in dunklen Bereichen unter dem Reetdach Badezimmer und Toiletten Platz“, erklärt sie. Hell ist es unter dem mächtigen Reetdach im Bereich der nach Norden und Süden ausgerichteten Giebel.

Alle Gebäude werden mit wirksamem Brandschutz ausgestattet, keine leichte Aufgabe bei dem Reetdachgebäude mit sehr viel hölzernem Inventar.

„Gut Hoyergaard“

Im Zuge der Restaurierung des zuletzt als deutsches Pastorat und Designwerkstatt genutzten Hofes am Markt in Hoyer ist auch die Geschichte des Hauses interessant. „Der Hof Hoyergaard, der früher wohl auch als das ,Gut Hoyergaard’ bezeichnet wird, gehörte sicher zu den größten und bedeutendsten der Gemeinde.

Um 1900 war derselbe ca. 150 Demat (74 Hektar) groß“, berichtete Pastor Claus Rolfs in der Geschichte des Kirchspiels und Fleckens Hoyer von 1926. „Der erste Besitzer, dessen Namen wir kennen, ist Bo Petersen, ihm hat Herzog Adolf VIII. im Jahre 1437 die Vergünstigung erteilt, dass er „den Gardeb to Hoyer, alse he den nu bewonet in denne Lene to Tundernn, mach bewonen unde hebben sine lewedage, dar schall he alle Jare vor greven ene tunne botteren unde anderhalve last haveren unde bringende to Tundern“, zitierte Rolfs aus einer Urkunde.

Die Handwerker sind auch im Giebelbereich des Hauses aktiv. Foto: Elise Rahbek

1470 wurden die Besitzrechte und Pflicht zur Lieferung von Butter und Hafer auch durch den ersten Oldenburger König auf dem dänischen Thron, Christian I. , bestätigt. Die Besitzer waren frei von Spann- und Dienstpflichten gegenüber dem Landesherrn. Rolfs ist der langen Reihe der Bewohner und Besitzer des stattlichen Bauernhauses nachgegangen, die später auch von den Gottorfer Landesherrn alte Privilegien bestätigt bekamen. Interessant ist, dass der Hof mehrfach geteilt und wieder zusammengeführt worden ist.

„Das stattliche Gebäude nebst Stall und Scheunen (Vierkannt) ist im Jahr 1824 erbaut“, berichtete Rolfs. Dessen 1837 verstorbener Besitzer Peter Todsen vererbte den Hof erst an seine Witwe, anschließend ging er den Sohn Rasmus Todsen, der ihn Anfang der 1890er Jahre an Fritz Sönnichsen verkaufte, dessen Witwe noch darauf wohnt“, so der Chronist und fährt fort: „Die Ställe sind zum Teil niedergerissen, und an der Nordseite des Hofplatzes, wo wohl früher einer der beiden Höfe stand, hat Fritz Sönnichsens Bruder, Ebbe Sönnichsen, sich ein neues Wohnhaus erbaut.

Zur Architektur des Hauses, das nach Angaben älterer Hoyerander vom nordschleswigschen Architekten Jürgen Bachmann (1872-1951) unter dem Einfluss der Heimatschutzbewegung entworfen worden ist, lieferte der Chronist keine Angaben. Bachmann wirkte in Hoyer aufgrund seiner familiären Beziehung zur Familie Sönnichsen. Sein Büro hatte er in Berlin, wo er ganze Wohnsiedlungen, aber auch Kirchen, Synagogen und öffentliche Einrichtungen wie das Schöneberger Rathaus entwarf.

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