Nachbarschaft

Nehmen sie Platz: Die Bank ist für uns alle da

Nehmen sie Platz: Die Bank ist für uns alle da

Nehmen sie Platz: Die Bank ist für uns alle da

Tondern/Tønder
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In der Spiekerstraße gibt es noch die alten blauen Straßenschilder aus Aluminium. Foto: Brigitta Lassen

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Mehr Leben für die Spiekerstraße ist gewünscht. Die neue Bankgilde soll es richten. Hier ist jedes Mitglied Vorsitzende/Vorsitzender.

Wer durch die Tonderner Spiekerstraße/Spikergade spaziert, soll nicht nur im Eiltempo die historische Gasse hinter sich legen. Deswegen wollen die Nachbarn jetzt Sitzbänke vor ihre Häuser stellen und die Fußgänger zum Verweilen einladen.

Die Bewohner planen die Gründung einer Bankgilde (bænkelaug) ­eine Idee, die ihnen schon seit eineinhalb Jahren über den Köpfen herumspukt. Viele Regeln und Restriktionen verzögerten den Start der Initiative, die Straße gemütlicher zu machen – sowohl für die Bewohner als auch für die Fußgänger, die damit willkommen geheißen werden und man vielleicht zum Lachen bringen kann.

Solche Sprüche können an den Bänken festgemacht werden. Foto: privat

Denn die Bänke sollen mit lustigen Sprüchen wie „Så slap dog af“„Set fra vores side“ oder „Benyt venligst bænken“ ausgestattet werden, um zu unterstreichen, dass Nachbarn und Fremde tatsächlich Platz nehmen dürfen.

Gründungsversammlung am 23. Juni

Die Gründungsversammlung findet am Mittwoch, 23. Juni, im Hinterhof der Familie Andresen statt. Willkommen sind alle, mit oder ohne Bank. Dort werden auch alte Fotographien gezeigt aus den Jahren vor und nach 1900, die unter anderem Nachbarn und Spaziergänger beim Klönschnack zeigen. „Leben“ soll auch wieder in die Spiekerstraße einziehen. Die Teilnehmer werden dazu aufgefordert, Fackeln mitzubringen. Schließlich feiert man ja auch Sankt Hans.

Einige Häuser in der Straße sind wahre Schmuckkästchen. Foto: Brigitta Lassen

Es ist das erste Mal, dass die Nachbarn gemeinsam das Sonnenwendfest feiern. „Es hat sich im Laufe der Jahre eine immer intensivere Nachbarschaft geformt. Daher wollen wir auch Spaß mit der Bankgilde haben“, erzählt der 61-jährige Dirk Andresen.

Der Geschäftsmann ist in der Spiekerstraße aufgewachsen. Obwohl es nicht viele Kinder zum Spielen gab, herrschte viel Leben. „Wir wurden zu Schlachter Sönnichsen, zum Bäcker, zu Kaufmann Horst oder in die Meierei geschickt, um Waren zu holen“, erzählt der Tonderaner, Jahrgang 1958.

Eine Gruß von der Spiekerstraße als Postkarte Foto: privat

An diese lebhaften Zeiten soll jetzt angeknüpft werden. Doch die Bankgilde nimmt nicht alles so bierernst. So ist jedes Mitglied auch gleichzeitig Gildenvorsitzender/Gildenvorsitzende. Da Sitzbänke in der Stadt Mangelware seien, könnten auch Hinweisschilder aufgestellt werden, um auf die Spiekerstraße aufmerksam zu machen, steht in den Satzungen.

Beschlussfähig mit zwei Personen

Aufgenommen werden alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie Personen, die von der Bewohnerschaft vorgeschlagen werden. Wer eine Bank vor dem Haus stehen hat, hat eine Stimme je Mitgliedskarte. Wer keinen Platz für eine Bank hat, kann mit dem Nachbarn vereinbaren, dass man diese Sitzmöglichkeit mitbenutzen darf.

Die Versammlung ist bei der Anwesenheit von mindestens 2 Personen beschlussfähig.

Probesitzen mit Umtrunk

Ein Probesitzen der Vorsitzenden muss in passenden Abständen durchgeführt werden, heißt es weiter in den Satzungen. Dabei könnte ein kleiner Umtrunk spendiert werden. Bei Bedarf kann auch ein Generalvorsitzender ernannt werden. Die maximale Amtszeit beträgt ein Jahr.

Falls genügend Vorsitzende dafür eintreten, können Ehrenmitglieder aufgenommen werden. Ihnen könnte der Titel „Årets bænkebidder”, „Årets bænkevarmer” oder andere relevante Namen verliehen werden

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Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
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