Sonderausstellung

Menschliche Vielfalt und Offenheit

Monika Thomsen
Monika Thomsen Journalistin
Tondern/Tønder
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„Ich fasse es als Ehre auf, mein Land zu vertreten“, erklärte der Südafrikaner Sean Tindale, als Elsemarie Dam-Jensen (l.) wegen seiner Teilnahme vorstellig wurde. Foto: Elise Rahbek

Heute eröffnet die beachtenswerte Sonderausstellung des kulturgeschichtlichen Museums in Tondern mit Bürgern aus 50 Nationen.

Heute eröffnet die beachtenswerte Sonderausstellung des kulturgeschichtlichen Museums in Tondern mit Bürgern aus 50 Nationen.

Ein Spiegelbild der Gegenwart ist die Sonderausstellung des kulturgeschichtlichen Museums in Tondern. Die spannende, farbenfrohe und aufschlussreiche Schau mit dem Titel „Vielfalt – die Welt in Tondern“ wird heute um 15 Uhr eröffnet. Im Mittelpunkt steht die Vielfalt der verschiedenen Nationalitäten unter den Einwohnern in der Kommune Tondern anno 2017. Rote Stecknadeln auf einer Weltkarte veranschaulichen die ursprüngliche Heimat der Bürger aus 50 verschiedenen Ländern. Eine Karte über die Kommune Tondern illustriert, wo die von Fotograf Mogens Gabs fotografierten „Modelle“ ihre Wahlheimat gefunden haben.

„Es ist einfach fantastisch gewesen, die Ausstellung zusammenzustellen. Alle waren unglaublich positiv , und die Mitwirkenden haben sich sehr gut überlegt, welche Gegenstände sie zeigen. Dabei handelt es sich um Dinge, die sie an ihre Heimat oder Familie erinnern“, so Museumsinspektorin Elsemarie Dam-Jensen, während sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Lars Riis Stenfeldt letzte Hand an die Ausstellung legt. Sie hat durch die Vorarbeit, bei der sie viele der Teilnehmer in ihrem Zuhause besucht hat, Einblicke in viele verschiedene Schicksale und auch berührende Lebensgeschichten bekommen. „Einige haben nahezu keine Gegenstände mitbringen können, da sie aus ihrer Heimat geflüchtet sind.“ Dazu gehört Rawda Daadonsh aus Syrien, die seit einem Jahr in der Kommune Tondern lebt und die einzig einen Schal mitgebracht hat, den ihre Mutter in Homs häkelte. Direkt neben ihr die Britin Jean Langwadt, die schon seit 1951 in Tondern lebt.

Die Angaben zu den Personen begrenzen sich ganz bewusst auf den Wohnort, wie lange sie hier leben, ihre Ausbildung und ihre Beschäftigung. „Ich finde es bemerkenswert, dass nahezu alle eine Arbeit haben. Oder sie sind pensioniert“, meint die Museumsleiterin mit Blick auf Charlotte Pedersen aus dem Kongo, die seit 1972 hier lebt und bei Ecco und der Naturverwaltung gearbeitet hat. Krieg, Liebe und Arbeit veranlassten sie, in die Kommune Tondern zu ziehen. Die entsprechende Ausstellung vor 15 Jahren (auch damals war Mogens Gabs der Fotograf) konzentrierte sich auf Bürger in der Stadt Tondern. „Seitdem gab es die Kommunalreform, und mir kam der Gedanke, dass es Spaß machen könnte, die Vielfalt des hiesigen Lebens zu zeigen. Bei all dem Unfrieden in der Welt leben hier Menschen Seite an Seite und verstehen sich gut mit ihren Nachbarn. Für diese Menschen ist es das Zentrum der Welt“, so die Museumsleiterin.

Die Kontaktaufnahme erfolgte u. a. durch den kommunalen Sprachunterricht, durch die Personalchefin bei Ecco und im Dam-Jensens Netzwerk. „Dann hat Jørgen Popp Petersen auch einige Kontakte vermittelt“, erzählt sie. Durch die gebürtige Spanierin Carmen Tästensen aus Lügumkloster wurde der Kontakt zu Südamerikaner hergestellt. „Ich war auch schon in Versuchung, Leute direkt auf der Straße anzusprechen, das war aber dann doch zu grenzüberschreitend, und ich unterließ es“, sagt die Museumsleiterin mit einem Lachen.

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