Altenpflege

Mehrere Generationen in Hoyer betreut

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Hoyer/Højer
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Martha Sørensen
Auch mit Humor kann man bei der Tätigkeit im Pflegeheim den Bewohnern das Leben erleichtern. Nach mehr als 40 Jahren im Pflegedienst ist Martha Sørensen in den Ruhestand getreten. Foto: Volker Heesch

Martha Sørensen ging nach 40 Jahren im Dienst für ältere Menschen in den Ruhestand. Die erfahrene Altenpflegerin hat im Laufe ihrer langen Dienstzeit Hunderte Menschen betreut.

„Ich bin noch oft wieder im Digegården gewesen“, erzählt Martha Sørensen wenige Tage nach ihrem offiziell letzten Arbeitstag im Pflegecenter Digegården in Hoyer. Der Abschied von ihrem Arbeitsplatz nach mehr als 31 Jahren fällt ihr gar nicht leicht – trotz der Erleichterung, nach rund 40 Jahren Tätigkeit im kommunalen Pflegebereich unabhängig von wechselnden Schichten, Wochenendeinsatz und auch körperlichen Anstrengungen mehr Zeit für Familie und Freizeitinteressen zu haben.

Die freundliche gebürtige Ruttebüllerin hatte in den vergangenen Jahren sehr oft die vom Nachmittag in die späten Abendstunden reichenden Schichten im Digegården übernommen. Oft konnte man sie dort in gemütlicher Runde mit ihren Schützlingen antreffen, die nach dem gemeinsamen Abendbrot je nach körperlicher Verfassung noch zusammensitzen.

„Für mich war es immer sehr angenehm, dass ich viele Angehörige und oft die Bewohner selbst schon lange gekannt habe“, berichtet Martha Sørensen, Jahrgang 1955, die in Ruttebüll auf einem schönen, reetgedeckten Bauernhof aufgewachsen ist und in Ruttebüll die ersten Schuljahre noch in der einklassigen Dorfschule im Grenzort verbracht hat, bevor sie für die letzten Schuljahre an die Digeskole in Hoyer wechselte.„Die jüngeren Kinder mussten in der Ruttebüller Schule immer neben einer älteren Mitschülerin oder einem Mitschüler sitzen“, erzählt Martha Sørensen. „Wir haben dort gut rechnen und schreiben gelernt.“ Mitte der 1970er Jahre war sie durch eine erste Tätigkeit im Digegården für eine Arbeit im Pflegebereich interessiert worden. So entschied sie sich für die damals mögliche Ausbildung zum „Sygehjælper“, heute spricht man von Sozial- und Gesundheitsassistenten. „Wir wurden damals in Sonderburg im Krankenhausbereich ausgebildet“, berichtet sie.

Viel Zeit hat Martha Sørensen in der Gemeinschaft mit ihren Schützlingen verbracht, denen sie auch immer zur Seite gestanden hat, wenn es ihnen nicht so gut ging oder sie von Sorgen geplagt wurden. Foto: Volker Heesch

Füher gab es mehr Pflegebedürftige und weniger Hilfsmittel

„Als ich erstmals im Digegården war, sah alles noch so aus wie beim Bau der als Altersheim geplanten Einrichtung, die 1957 fertiggestellt worden ist“, berichtet sie, „es gab nur kleine Zimmer mit einem Waschbecken und Gemeinschaftstoiletten und Badezimmer. Das Leiterpaar Else ud Johannes Madsen wohnte mit im Digegården. Sie waren eigentlich rund um die Uhr im Einsatz“, erinnert sie sich. Trotz aller Gemütlichkeit war die Arbeit damals nicht einfach. „Es gab keinerlei technische Hilfsmittel wie Lifte“, erzählt sie, dabei waren unter den Bewohnern des Heims immer mehr Pflegebedürftige.

Martha Sørensen war zunächst zehn Jahre im großen Richtsens-Pflegeheim in Tondern tätig. 1988 kam sie zum Digegården zurück. 1977 heiratete sie ihren Mann Ejner, mit dem sie zunächst in Hoyer und ab 1991 bis Anfang dieses Jahres in einem Haus mit großem Garten in Emmerleff gewohnt hat. Jetzt lebt das Ehepaar in Hoyer, wo u. a. das Boot mit Liegeplatz im Hafen an der Wiedau für Freizeitvergnügen sorgt. Die drei Kinder der vierfachen Großeltern leben in Sonderburg, in der Schweiz und in Tondern.

Die erfahrene Altenpflegerin hat im Laufe ihrer langen Dienstzeit Hunderte Menschen betreut. „Früher waren es meist Männer und Frauen aus der näheren Umgebung. Oft Witwen oder Witwer. Jetzt auch Personen, die aus anderen Orten in der Kommune stammen“, erzählt sie. Im Zuge der Wahlmöglichkeiten der Bürger ziehen öfters Menschen in den Digegården, weil sie durch Bekanntschaften und Besuche einen guten Eindruck von der relativ kleinen Einrichtung haben, in der man bereits beim Betreten des Eingangsbereichs einen Eindruck von einer gemütlichen Atmosphäre bekommt.

Eine „abwechslungsreiche Arbeit, die mitunter anstrengend ist, aber auch Freude bereitet“

„Ich habe in den vielen Jahren teilweise schon mehrere Generationen aus Familien betreut“, erzählt Martha Sørensen, deren eigene, erst kürzlich verstorbene Mutter und auch weitere Verwandte im Heim gelebt haben. „Wir haben viele Bewohner, die kannten wir schon, als sie ihre alten Eltern regelmäßig besucht haben.“

Wichtig sei es aber auch, dass es den Menschen im Heim gut geht, die keine Angehörigen in der Nähe haben, weil sie alleinstehend sind, oder – was heute in den Familien weit verbreitet ist – dass Kinder und andere Angehörige sehr weit entfernt leben. „Da ist es sehr wertvoll, dass Besuchsdienste zur Verfügung stehen.“ Martha Sørensen betont den großen Einsatz, den der Freundeskreis des Pflegeheims leistet, um den Bewohnern und den Mitarbeitern das Leben zu erleichtern. „Digegårdens Venner“ sind laufend im Pflegeheim bei regelmäßigen Veranstaltungen wie dem Zusammensein am Freitagmorgen, aber auch bei Sonderterminen wie Advents- oder Neujahrsfeiern.

„Wir haben doch zu allen ein sehr persönliches Verhältnis. Und es ist eine abwechslungsreiche Arbeit, die mitunter anstrengend ist, aber auch Freude bereitet“, so Martha Sørensen. Sie kann jungen Menschen nur empfehlen, sich für eine Tätigkeit im Pflegebereich auszubilden.

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