Abschied

Die Mathematikerin im Kleid geht schnellen Schrittes in eine neue Ära

Die Mathematikerin im Kleid geht schnellen Schrittes in eine neue Ära

Die Mathematikerin geht schnellen Schrittes in eine neue Ära

Tondern/Tønder
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Als Maren Petersen am 1. August 1984 an der LAS anfing, war Nenas „99 Luftballons" ein Hit. Luftballons gab es zum Abschied nicht, aber für Seifenblasen sorgte der stellvertretende Schulleiter Christian Kittel. Foto: Elise Rahbek

Nach 36 Jahren und 36.000 Unterrichtsstunden an der Ludwig-Andresen-Schule wurde Lehrerin Maren Petersen mit herzlichen Worten in den Ruhestand verabschiedet. Die 63-Jährige, die ihren Beruf liebt, freut sich auf die freie Zeit.

Nach 36 Jahren war am Donnerstag in der Ludwig-Andresen-Schule (LAS) in Tondern für Lehrerin Maren Rowald Petersen Zeit, Moin zu sagen.

Den Beschluss, in den Ruhestand zu wechseln, hatte die 63-jährige Lehrerin bereits vor einem Jahr getroffen.

„Das wird sicher komisch, wenn es erst so weit ist. Ich freue mich aber, dass ich noch gesund und frisch bin, und Zeit für meine vielen Hobbys bekomme“, sagte Maren Petersen dem „Nordschleswiger“ bei der Abschlussfeier für die 9. Klasse, eine Woche bevor sie an der Reihe war, im Mittelpunkt zu stehen. Durch Corona seien ihr die letzten Monate leichter gefallen.

7.200 Unterrichtstage

Mit den 36 Jahren liegen 7.200 Unterrichtstage, 36.000 Unterrichtsstunden und 2.880 Pausenaufsichten hinter ihr, wie die Mathematikerin ausgerechnet hatte. Bevor die Flensburgerin am 1. August 1984 ihren Dienst in Tondern aufnahm, hatte sie an der Bundeswehrfachschule in Flensburg Soldatenanwärter in Mathe unterrichtet.

„Ich habe etwa mindestens 633.600 Treppenstufen auf der großen Treppe zum oberen Flur erklommen“, sagte Maren Petersen, als ihre Ära an der LAS umgeben von ihrer Familie, Freunden und Kollegen zu Ende ging.

Coronabedingt gab es das Limit von 50 Gästen und der Ellenbogengruß war verbreitet.

Man soll die Feste feiern, wie sie kommen, war Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg froh, dass sich die Abschiedsfeier trotz der gegenwärtigen Umstände machen ließ.

Ein Stück LAS-Geschichte

„Mit dir geht jetzt die dienstälteste Kollegin und auch ein Stück Geschichte der LAS. Nach 36 Jahren Verbundenheit und eine Schule ohne Maren Petersen – da entsteht eine Lücke“, so die Schulleiterin zu der Lehrkraft, die quer durch alle Klassenstufen einsetzbar war und Verantwortung und viele Funktionen übernommen hatte.

„Du hast mit viel Freude und Elan gearbeitet und du hast stets deine Meinung gesagt. Wir haben alle bewundert, mit wie viel Energie du jedes Schuljahr und jeden Tag in Angriff genommen hast“, sagte die Schulleiterin.

Das Empfangskomitee: Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg, Maren Rowald Petersen und der stellvertretende Schulleiter Christian Kittel. Foto: Elise Rahbek

Die Zahlenfreundin

„Mit Mathe als Steckenpferd hast Du den Schülern viele Wege öffnen können und die Fachkollegen konnten sich immer Rat bei Dir holen. Du hast dich stets über die Schule hinaus in der Minderheit engagiert und der Chor ist dein Herzblut“, so die Schulleiterin, die das unermüdliche Engagement der Lehrerin hervorhob.

Regisseurin in Sachen Weihnachten

„Dass die Weihnachtsfeier unser Schul-Highlight ist, haben wir dir zu verdanken“, so Bonni Rathje-Ottenberg, da Maren Petersen bei diesem Ereignis seit vielen Jahren Regie führt.

Die Begeisterung, die Freude Spaß mit der du an alle Sachen herangehst, werden uns fehlen.

Bonni Rathje-Ottenberg, Schulleiterin

„Wir möchten uns für deinen großen Einsatz und den vielen Facetten bedanken. Du hast auf unverwechselbare Weise zur Schulgeschichte beigetragen. Die Begeisterung, die Freude und der Spaß mit der du an alle Sachen herangehst, werden uns fehlen. Wir werden dich sehr vermissen“, sagte die Chefin.

Gute Wünsche, Öl und Essig gab es vom früheren Schulleiter Heiner Clausen für die zukünftige Ruheständlerin Maren Petersen. Foto: Elise

„Du darfst Dich freuen, eine herrliche und gute Zeit kommt auf dich zu“, versicherte mit Heiner Clausen Bonni Rathje-Ottenbergs Vorgänger.

Er hatte als Mitbringsel Öl dabei: „Damit alles glatt geht und die nächsten Jahre wie geschmiert laufen, und Essig um dem Leben Würze zu verpassen", so Clausen.

Eine langjährige Freundschaft

Innige Worte gab es von Jørn Vestergaard. Er und seine Frau Helga sind seit Maren Petersens Anfangszeit in Tondern mit ihr befreundet. Die freundschaftlichen Bande umfassten auch ihren verstorbenen Mann Gert und die drei Kinder Ditte, Stefan und Jonas.


„Ich habe mir sagen lassen, dass selbst Schüler es schwer hatten, deinem Tempo zu folgen“, sagte die frühere Schulsekretärin Ulrike Schulz in ihrem humorvollen Beitrag, bei dem man quasi die durch die Wiedaustadt eilende Maren Petersen vor sich sah.

Eine langjährige Freundschaft verbindet die Familien Vestergaard und Petersen. Foto: Elise Rahbek

Mit einem (Weihnachts -) Spruch, persönlichen Worten, Geschenken und roten Rosen verabschiedeten sich die Kollegen von Maren Petersen.

Von der jungen Kollegin Angela Kittel gab es noch einen besonderen Wunsch. „Erhalte bitte deine zügige Art. Sie ist großartig“.

Schüler-Aussagen

„Maren ist eine tolle Lehrerin. Maren ist streng, wir lernen viel bei ihr. Maren hat fast immer ein Kleid an. Maren wir lieben dich“, lauteten unter anderem die Videobotschaften der Schüler, die das Herz der Lehrerin berührten

Stellvertretend für Schulrätin Anke Tästensen versetzte die Schulleiterin Maren Rowald Petersen in den Ruhestand.

„Ich bin mir sicher, dass dein Ruhestand nicht so ruhig wird, du hast bestimmt viele Pläne“, sagte die Schulvereinsvorsitzende Randi Damstedt Atiser

Maren Petersen im Kreis ihrer Familie. Foto: Elise Rahbek

„Schule muss Heimat sein"

„Ich liebe meinen Beruf, ich würde ihn immer wieder ergreifen. Jetzt will ich das freie Leben genießen. Ich blicke mit großer Zufriedenheit und Freude zurück. Schule muss Heimat sein. Wenn ich nur ansatzweise geschafft habe, dies den Schülern zu vermitteln, war mein Einsatz nicht umsonst. Ganz besonders hat es mir an der LAS gefallen, dass keiner mir vorgeschrieben hat, wie ich unterrichten soll. Das war ein unschätzbares Privileg“, sagte die zukünftige Ruheständlerin, bevor es den Coronavorgaben entsprechend tischweise ans Kuchenbüfett ging und die Sektkorken laut knallten.

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