Prozessauftakt

LAS-Lehrer streitet Vorwürfe ab

LAS-Lehrer streitet Vorwürfe ab

LAS-Lehrer streitet Vorwürfe ab

Sonderburg/Sønderborg
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Gericht Sonderburg
Foto: Ute Levisen

Der 40-Jährige weist die Vorwürfe der Anklagevertretung zurück: Er habe nie Kinder in den Würgegriff genommen. Eltern und Kinder belasteten den Pädagogen hingegen am Montag vor Gericht in Sonderburg.

Zum Auftakt der Verhandlung im Schöffengericht in Sonderburg gegen einen 40-jährigen Lehrer der Ludwig-Andresen-Schule (LAS) in Tondern präsentierte der Anklagevertreter Jens Lang Rask die Liste der dem Angeklagten zur Last gelegten Vergehen, die sich auf Aussagen von zehn Kindern der Schule aus zwei Klassen stützen. Die Anklage beruft sich auf den Paragraphen 244 des Strafgesetzbuches, der Fälle einfacher Gewaltanwendung umfasst.

Lang Rask verlas zu den einzelnen betroffenen Kindern Details der Vorwürfe. Der 40-Jährige habe mehrere Kinder am Hals gepackt, diese geschubst oder hart am Oberarm gepackt. Vereinzelt hätten die Kinder keine Luft bekommen.
Es wurde mitgeteilt, dass mittlerweile auch Anzeigen gegen weitere Lehrkräfte und die Leitung der LAS erstattet worden seien.

Haftstrafe möglich

Richter Søren Rune Schrøder hatte erklärt, dass es bei einem Schuldspruch zu einer Haftstrafe kommen könne. Außerdem seien Schadenersatzansprüche möglich und der Entzug des Rechtes, sich berufsmäßig mit Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zu beschäftigen. Auch sei ein Antrag zu erwarten, den Angeklagten nach einer Verurteilung des Landes zu verweisen und ein Einreiseverbot zu erteilen.

Nach Verlesung der Anklageschrift durch Ankläger Jens Lang Rask war der 40-jährige mit den Vorwürfen konfrontiert und ausgiebig verhört worden. Der Angeklagte, der zu Beginn seiner Aussagen seinen beruflichen Werdegang beschrieben hatte, erklärt sich laut Angaben seines Anwalts Niels Erik Nielsen für nicht schuldig in allen Anklagepunkten.

Der zur Verhandlung stehende Fall stütze sich laut Gericht auf eine Anzeige einer einzelnen Mutter. Anwalt Nielsen merkte an, dass es beim Verlauf eine Rolle spiele, dass an der Schule die Ferien am 26. Juni begonnen haben, erst danach sei Anzeige erstattet worden und eine wichtige Rolle habe eine Facebookgruppe von Eltern gespielt.

Die Aussage des Angeklagten

Der Angeklagte berichtete über die Situation in den beiden Unterstufenklassen, in denen er unterrichtet hat. Es habe dort Jungen gegeben, die sehr oft miteinander gerangelt hätten, sich laufend prügelten. Er habe zur Abwendung von Verletzungen der Kinder eingreifen müssen, weil diese teilweise überhaupt nicht hörten und ohne Wahrnehmung waren. Aus Spaß sei oft bitterer Ernst geworden.

„Wenn sehr gerangelt wurde, musste ich, nachdem ich laut geworden war, dazwischen gehen“, sagte der Angeklagte Dabei habe er die Kinder aber stets nur an den Schultern und am Oberarm gepackt, um sie auf ihren Platz zu führen oder aus dem Klassenraum zu führen.

„Die Kinder waren teilweise sehr hart zueinander, ich hatte den Eindruck, im letzten Moment noch eingreifen zu können“, fuhr er fort. Er habe sich auch mit Kolleginnen und Kollegen über die Probleme mit den verhaltensauffälligen Jungen in den Klassen ausgetauscht.

Er berichtete über massive Störungen des Unterrichts durch bestimmte Jungen. Zu Aussagen der Kinder, er habe sie hart angefasst, meinte der Angeklagte, dass ihn das überrascht habe. Er berichtete auch über ein gutes Verhältnis zu den Kindern und deren Eltern.

Keine Halsgriffe

Er stellte Vorfälle, die er teilweise schriftlich dokumentiert habe, bei denen er die Kinder in den Halsgriff genommen haben soll, in seiner Version dar. Er habe so etwas nie gemacht. Die Vorwürfe könne er sich nicht erklären. Er habe mit den Eltern eines Jungen im Beisein einer Kollegin die Probleme erörtert und gegenüber den Eltern bedauert, dass sich ihr Kind hart von ihm angepackt gefühlt habe. Zur Frage des Anklägers, wie sich der Angeklagte erkläre, dass Kinder aus zwei Klassen unabhängig voneinander ausgesagt haben, dass er Kinder am Hals gepackt habe, meinte der Angeklagte, dass er sich das durch eine Facebook-Gruppe erkläre, die eine Mutter eines der Kinder, das ihn belastet, verwaltet habe. Nachdem der Stein ins Rollen gekommen sei, habe diese Mutter ihn aus der Gruppe geworfen. Er habe nicht sehen können, was dort später verbreitet worden ist. Der Angeklagte deutete an, dass im Kreis der Eltern, die ihn belasteten, auch Personen seien, die die Angelegenheit nutzten, sich an der Schule zu rächen, weil sie wegen Vernachlässigung der eigenen Kinder bei den Behörden gemeldet worden sind.

„Es gab Probleme zwischen Eltern und Schule“, so der 40-Jährige. Es habe Lust bestanden, eigene Macht gegenüber der Schule auszuüben. Er halte es für möglich, dass er Gegenstand einer Verleumdungskampagne geworden ist.

Beweisaufnahme mit Aussagen zweier Mütter

Im Anschluss an das viele Stunden dauernde Verhör des Angeklagten wurden im Sonderburger Gericht mehrere Videos abgespielt, die unter juristisch definierten Bedingungen durchgeführte Gespräche einer Kriminalbeamtin mit den Kindern aus der Klasse des Lehrers am 31. Juli dieses Jahres durchgeführt worden sind. Darin erklärten die Kinder, dass ihr Lehrer ihnen durch Griffe an den Oberarm Schmerzen zugefügt habe und er sie mit einer Hand um den Hals gefasst habe. Es wurde auch mitgeteilt, dass der Lehrer jeweils „sauer“ gewesen sei. Ein Kind erwähnte auch die Facebook-Aktivitäten der Mutter. Es habe versucht, darin zu lesen.

Es wurden auch Details der Konflikte genannt, die den angeblichen Übergriffen des Lehrers vorausgegangen sind. Einige Kinder wussten wohl, dass sie unberechtigt von Klassenkameraden beschuldigt worden waren, von Problembewusstsein aufgrund eigener „Untaten“ war nichts zu spüren.

Schließlich kamen auch zwei Mütter zu Wort. Zunächst die Mutter, die als erste Anzeige erstattet hat. Sie wies auf Nachfrage des Verteidigers die Möglichkeit zurück, sie habe andere Eltern beeinflusst. Den Lehrer habe sie aus der Faceboogruppe geworfen, weil die Sache nur die Eltern betroffen habe. Man habe wegen der Vorwürfe gegen den Lehrer nur telefonischen Kontakt untereinander.

Eine Tochter habe sie bereits im Frühjahr aus der LAS herausgenommen. Eine weitere Mutter berichtete, dass sie bereits seit 2017 von Gewaltanwendungen des Lehrers gewusst habe. Alle Eltern der Klasse ihres Sohnes hätten sich zu Beginn der Sommerferien getroffen.

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