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„Ich war nicht nur der eingeflogene Vikar“

„Ich war nicht nur der eingeflogene Vikar“

„Ich war nicht nur der eingeflogene Vikar“

Tondern/Uberg
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Woran dachte Günther Barten wohl hier bei der Einsetzung von Pastorin Dorothea Lindow am 21. Juni? Foto: Jane R. Ohlsen

So wie die Katze das Mausen nicht lässt, so kann Günther Barten nicht Nein sagen, wenn er darum gebeten wird, eine Vertretung für einen Pastor zu übernehmen. Sein jüngstes Vikariat für die deutsche Gemeinde Tondern und Uberg dauerte fast zwei Jahre.

Am besten kennt Günther Barten, Pastor eigentlich im Ruhestand, die Kirche in Saxburg, wo er immerhin 27 Jahre deutscher Pastor des Pfarrbezirks Buhrkall war. Aber er kennt durch seine vielen Vertretungen alle Kirchen in ganz Nordschleswig, wo deutsche Gottesdienste durchgeführt werden. Sein längstes Vikariat erlebte der mittlerweile 76-Jährige in der Christkirche in Tondern und der Kirche in Uberg.

Fast zwei Jahre im Dienst

Fast zwei Jahre hat er dort nach dem Ausscheiden seines Kollegen Achim Strehlke und dem Dienstantritt von Dorothea Lindow als deutscher Gemeindepastor für Tondern und Uberg gewirkt. Die letzte Zeit sogar als konstituierter Pastor der dänischen Volkskirche. „Darauf bin ich ein bisschen stolz, dass ich das auf meine alten Tage noch erleben durfte. Ich war nicht nur ein eingeflogener Vikar“, scherzte Barten bei seiner Verabschiedung.

Mit seiner Ehefrau Marion Miltzow (l.) nahm Günther Barten die Wünsche für den Unruhestand entgegen. Foto: Brigitta Lassen

„Du musst einen Sprachfehler haben“, meinte der Senior der Nordschleswigschen Gemeinde, Matthias Alpen. „Du kannst einfach nicht Nein sagen. Du hast unzählige Vertretungen übernommen. Der Höhepunkt war diese in Tondern und Uberg. Und du bist schon so oft verabschiedet worden", meinte Matthias Alpen, der Barten dafür lobte, für die Menschen zu arbeiten.

Ich bin Schlesier. Die können nicht Nein sagen und werden gerne genötigt.

Günther Barten, Pastor emer.

Dazu erklärte der aus einer Pastorenfamilie stammende Gelobte: „Für mich ist das eine Lebensform, ein Vergnügen und etwas Lustvolles. Ich habe das Privileg, mit der Sprache umgehen zu dürfen. Und ich bin Schlesier. Die können nicht Nein sagen und werden gerne genötigt“, lachte Barten. Kein Wunder, dass er vor einigen Jahren gerade von Matthias Alpen treffend in den Unruhestand verabschiedet hatte. Auch die Position des Seniors hatte der 76-Jährige von 1993 bis 2007 inne.

Kaffeekränzchen beim Barten-Abschied auf der Kirchbank Foto: Brigitta Lassen

Für die unkomplizierte Zusammenarbeit dankte die dänische Pastorin Trine Hauge Nielsen. Es sei eine große Freude gewesen, ihn als Kollegen zu haben. Seine Abschiedsrede für Barten, dem 2018 auch aufgrund seiner Verdienste um die deutsch-dänische Aussöhnung das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, begann der Kirchengemeinderatsvorsitzende Torben Frederiksen mit der Frage: Bin ich nun frei? Wirklich frei? und zog dabei Parallelen zur Figur des Alberichs in der Wagner-Oper Rheingold, als er gezwungen wurde, den Ring an Wotan abzugeben.

Und du hast sehr gut auf das Gold aufgepasst. Du hast es poliert und es ins Licht gehalten.

Torben Frederiksen, Gemeinderatsvorsitzender in Tondern

„Aber du bist jetzt frei, zumindest Gottesdienste in der Christkirche zu halten“, meinte Frederiksen scherzhaft. „Du hast das Gold, sprich die Verantwortung jetzt an Dorothea übergeben. Und du hast sehr gut auf das Gold aufgepasst. Du hast es poliert und es ins Licht gehalten. Du übernahmst Verantwortung und du warst positiv. Du hast uns alle mit deiner feinen und positiven Art zusammenarbeiten lassen. Neben deiner freundlichen Art hast du aber auch messerscharfe Meinungen, das haben wir auch im Gemeinderat erlebt“, lachte Frederiksen. „Du bist zwar kein Opernsänger, aber du sagst Worte, denen wir gerne zuhören“.

Schon wieder im Vertretungsdienst

Ob Günther Barten nun tatsächlich in den Ruhestand tritt, ist mehr als fraglich. Am vergangenen Sonntag und auch am 5. Juli steht er als Vertreter auf der Kanzel der Nicolaikirche in Apenrade. Neben Nordschleswig versorgt er auch die nordfriesischen Pfarrbezirk Karlum und Ladelund, wo Barten mit seiner Frau Marion Miltzow seit mehr als zehn Jahren wohnhaft ist.

Der „Stein im Brett“ für Günther Barten Foto: Brigitta Lassen

Für ihren Vorgänger hatte Dorothea Lindow ein ganz besonderes Geschenk, für dessen Ausführung sie auf den Uberger Gemeinderatsvorsitzenden Jakob Lorenzen angewiesen war. Ihm wurde ein Stück Holz mit einem Stein überreicht. Mit verschiedenen deutschen Redewendungen rund um den Stein (Stein des Anstoßes, hast manchen Stein ins Rollen gebracht, für Vertretungen über Stock und Stein gefahren usw.) gab sie ihm das Geschenk mit der Bemerkung: Bei uns hast du einen Stein im Brett (auf Dänisch: Sten i brættet).

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