Geschichte

Historischer Hof Sejerslevgaard bauarchäologisch durchleuchtet

Volker Heesch
Volker Heesch Hauptredaktion
Süderseiersleff
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Der Hof Sejerslevgård in Süderseiersleff ist über 300 Jahre alt. Seit Jahren laufen Bemühungen zum Erhalt des Gebäudes. Foto: Volker Heesch

Der historischen Hof Sejerslevgård in Süderseiersleff war im Februar Gegenstand eines Studienprojektes der Fachrichtung Gebäuderestaurierung der Architektenschule Aarhus. Was sie gefunden haben, präsentierten kürzlich die beiden Studentinnen Anne-Sofie Vadstrup Pedersen und Ida Nørregård Pedersen.

Beim historischen Hof Sejerslevgård in Süderseiersleff hat sich in diesem Jahr einiges getan. Der in westschleswigscher Ständerbauweise errichtete Hof, der noch älter ist, als die Jahreszahl an der Westwand mit der Angabe 1797 verrät, war im Februar Gegenstand eines Studienprojektes der Fachrichtung Gebäuderestaurierung der Architektenschule Aarhus. Kürzlich haben die Studentinnen Anne-Sofie Vadstrup Pedersen und Ida Nørregård Pedersen, die für die gebäudearchäologischen Aufnahmen während des Projektes zuständig waren, auf Einladung des Freundeskreises des historischen Hofs die Ergebnisse ihrer Arbeit vorgestellt.

Die beiden Fachfrauen, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben, schlagen eine Nutzung des „Sejerslevgård“ als Center für westschleswigsche Baukultur vor. Angesichts der umfangreichen, vielfach restaurierungsbedürftigen historischen Bausubstanz im Bereich der Kommune Tondern setzt sich auch der Freundeskreis Sejerslevgård für ein solches Center ein, in dem auch Handwerker für den Umgang mit traditionellen Baustoffen und Materialien fortgebildet werden könnten.
Die beiden Spezialistinnen für Gebäuderestaurierung erklärten ihren Einsatz in Seiersleff als Teil einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin. Sie haben aufgrund ihrer vielfach digitalen Erfassungen im alten Hof einen 183 Seiten starken Bericht verfasst, der viele Dokumente aus dem Bestand der Eigentümerfamilie Andresen umfasst.

Anne-Sofie Vadstrup Pedersen (l.) und Ida Nørregård Pedersen stellten den bauarchäologischen Bericht als Ergebnis ihres im Februar durchgeführten Studienprojektes in Süderseiersleff vor. Foto: Volker Heesch

„Wir haben ,Schnitte‘ durch das Gebäude gemacht. Auch wurden bis in kleinste Detail Strukturen per Foto erfasst“, so Anne-Sofie Pedersen. „Wir haben dafür alle Räume leer geräumt“, so ihre Kollegin Ida Pedersen. Es wurden von Kollegen während des Projekts zahlreiche alte Zimmermannszeichen entdeckt. „Auch die Schieflagen im Haus“, so die Architektin weiter. Begeistert sind sie, dass so viele originale Elemente im Inneren des Hauses, z. B. in der Küche und den Stuben, erhalten sind. „Das generelle Erscheinungsbild des Hofes ist einzigartig“, so Ida Pedersen und schwärmt, dass jeder einzelne Balken eine Geschichte erzähle.

Die Architektinnen empfehlen eine Restaurierung unter Einsatz auch neuer Bauelemente, beispielsweise im „neuen“ Blechschuppen des Hofes. „Ersatz sollte harmonisch sein, aber für den Betrachter erkennbar“, so Anne-Sofie Pedersen. Reparatur sollte vor Erneuerung gehen. Und nur das entfernt werden, was nicht in Übereinstimmung mit dem Gesamtbild des Hofes ist. „Der Wohntrakt des Hofes sollte das Herz des Gebäudekomplexes sein“, so ihr Vorschlag.

Nach digitaler Erfassung der Mauern und Holzkonstruktion des Hofes wurden dreidimensionale Zeichnungen gefertigt, die per Beamer sichtbar gemacht wurden. Foto: Volker Heesch
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