Ausbildung

Erster LAS-Schüler am dänischen Gymnasium

Erster LAS-Schüler am dänischen Gymnasium

Erster LAS-Schüler am dänischen Gymnasium

Tondern/Tønder
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Zum 100-jährigen Bestehen des dänischen Gymnasiums wurde ein Jubiläumsbuch geschrieben. In diesem ist auch die Geschichte von Detlef Dohrn (r.) zu lesen, der sich über die Schwierigkeiten seines Schulwechsels heute amüsieren kann. Links von ihm sein Kollege Michael Longerich, Leiter des Redaktionsteams der Jubiläumsschrift. Foto: Brigitta Lassen

Heute ist es an der Tagesordnung, dass Schüler der deutschen Schule in Tondern ans dänische Gymnasium wechseln. Vor mehr als 50 Jahren war dies nicht der Fall. Davon kann der stellvertretende Rektor Detlef Dohrn berichten, der diesen Schritt wagte, auch wenn ihm Steine in den Weg gelegt wurden.

Zu den „ungewöhnlichen“ Studenten des Tønder Gymnasiums, das in dieser Woche das 100-jährige Bestehen feiert, zählt der heutige Konrektor Detlef Dohrn. Er machte 1967 in Tondern sein Abitur. Das Ungewöhnliche in seiner Laufbahn war, dass er 1964 einer von zwei Schülern war, die von der Ludwig-Andresen-Schule (LAS) als erste ans dänische Gymnasium wechselten.

Ein Schritt, der die Wogen vor mehr als 50 Jahren hoch gehen ließ, da Dohrn aus der deutschen Minderheit kam. Dohrn erzählt, dass die LAS nicht sonderlich über seine Pläne erbaut war Das Resultat war ein rapider Zensurensturz, um den Weggang zu verhindern. Denn mit miesen Noten konnte Dohrn als nicht geeignet für das Gymnasium vielleicht gebremst werden.

„Die LAS war auch nicht einverstanden, dass ich aus der 2. Realklasse gleich ans Gymnasium wechseln wollte. Zur damaligen Zeit ein Novum. Ich war Klassensprecher und sollte in meinem Abschlussjahr auch Schulsprecher werden“, erzählt Detlef Dohrn weiter.

Hinter dieser Tür wird nicht mehr Sport betrieben. Dennoch wurde am alten Namen festgehalten. Foto: Brigitta Lassen

Seine Eltern unterstützten den Wunsch des Sohnes. Eines Tags begab sich der LAS-Schulleiter zur Schlachterfamilie und meinte: „Wir haben es wohl übertrieben." Damit war der Weg frei für den Jugendlichen, der nach dem Abitur Mathematik und Physik in Aarhus studierte. Nach Tondern als Studienrat zurückzukehren, war nicht sein Plan. Da damals aber Arbeitslosigkeit herrschte, forderte ihn sein Vater auf, zurückzukommen. So kam er 1974 zurück in seinen Heimatort und arbeitet seitdem am Gymnasium.

Jubiläumsbuch

Über seine Geschichte als Schüler, Studium und Rückkehr und seinen ungewöhnlichen Modegeschmack spricht Dohrn in einem Interview mit seinem Kollegen Michael Longerich, Chef des Redaktionsteams für das neue Jubiläumsbuch des Gymnasiums, „Tønder Gymnasium 100 1920-2020“. Das Dohrn-Kapitel hat den Titel: „Hier werden alle ordentlich behandelt“.

Moderne trifft auf Tradition: Die Anbauprojekte des Gymnasiums sind gelungen. Foto: Brigitta Lassen

Keinen Hass schüren

Darauf machte schon Axel West, der erste Rektor des Gymnasiums, in seiner Eröffnungsrede 1920 aufmerksam. „Wir sind dänisch, und wir haben das Recht, uns dazu zu bekennen. Wir haben das Recht, unser Land zu lieben und uns mit unserer Geschichte, mit unseren gemeinsamen Erinnerungen und mit dem Schicksal unseres Volkes durch die Zeiten zu solidarisieren. Wir wollen uns dazu bekennen und die Liebe zu Dänemark stärken. Aber wir wollen dies so tun, ohne Hass gegenüber denjenigen zu schüren, die nicht dänisch sind." Dieser Geist habe sich durch die Jahre bis heute durchgezogen, unterstreicht der aus Freiburg gebürtige Longerich, der Deutsch und Geschichte unterrichtet.

Deutsch im Turbo-Stil

Heute ist der Wechsel von der deutschen Schule ans dänische Gymnasium keine Seltenheit mehr, sondern eher an der Tagesordnung. Die meisten LAS-Abgänger, die ein Abitur machen wollen, bleiben in Tondern und gehen nicht ans Deutsche Gymnasium in Apenrade/Aabenraa. Auch viele Schüler der dänischen Minderheit legen das Reifezeugnis in Tondern ab.

Mit besonderem Deutsch-Unterricht auf hohem Niveau können die Schüler sowohl in Dänemark als auch in Deutschland studieren. Die meisten Schüler zögen Dänemark zum Studieren vor. Die Wahl hänge vermutlich auch mit der staatlichen Ausbildungsförderung SU zusammen, die bei Studienende im Gegensatz zum Bafög in Deutschland nicht zurückgezahlt werden muss, glaubt Studienrat Michael Longerich.

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