Umwelt- und Naturschutz

Corona verzögert Auftakt beim Klima- und Naturprojekt

Corona verzögert Auftakt beim Klima- und Naturprojekt

Corona verzögert Auftakt beim Klima- und Naturprojekt

Hoyer/Højer
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Der nördliche Margrethenkoog wird von vielen Zugvögeln wie den Nonnengänsen zum Rasten und der Futteraufnahme angeflogen. Der Bereich ist allerdings relativ arm an Wat- und Wiesenvögeln, denn er wird meist intensiv landwirtschaftlich genutzt und deshalb entwässert. Foto: Volker Heesch

Der Projektleiter der Kommune Tondern, Jørgen Nicolaisen, konnte die erforderliche Flurbereinigung im nördlichen Margrethenkoog bei Hoyer noch nicht in Angriff nehmen. Die Stiftung „Den Danske Naturfond“ plant ein Paradies für Zug- und Brutvögel.

Im Herbst 2020 hat die Europäische Union (EU) 41 Millionen Kronen für die Umwandlung des bisher meist intensiv landwirtschaftlich genutzten nördlichen Teils des Margrethenkoogs bei Hoyer in ein Naturschutzgebiet und Reservoir zur Aufnahme von Wasser aus der Wiedau in Hochwasserperioden bewilligt. Im Rahmen der Initiative Tonderner Marsch werden weitere 20 Millionen Kronen für das Projekt bereitgestellt, das unter anderem bei ansteigendem Meeresspiegel und häufigeren Starkregenperioden die teilweise auf Meeresspiegelniveau liegende Stadt Tondern (Tønder) vor Überflutungen schützen soll. „Die Corona-Krise hat uns leider etwas ausgebremst“, berichtet der zuständige Projektleiter der Kommune Tondern, Jørgen Nicolaisen, dem „Nordschleswiger“.

Momentan weiden Pfeifenten als Wintergäste im nördlichen Margrethenkoog. Auch Kiebitze sind während des Winters dortgeblieben. Sie könnten im vernässten Koogsland verbesserte Brutbedingungen bekommen. Foto: Volker Heesch

Das betrifft vor allem die geplante Flurbereinigung, die erforderlich ist, damit die Besitzer der fast 250 Hektar Fläche im Koog zwischen der Wiedau, dem Seedeich Wiedauschleuse-Emmerleff und der alten Seedeichlinie zwischen Hoyerschleuse und Emmerleff Kliff Ersatzflächen erhalten, wenn ihre Ländereien künftig überschwemmt werden und Naturschutzflächen dienen. „Bei hohen Wasserständen in der Wiedau, wenn bei Sturmflut die Wassermengen nicht ins Wattenmeer geleitet werden können, soll künftig Wasser unter der Straße parallel zur Wiedau hindurch in den nördlichen Margrethenkoog fließen.

Nach der Eindeichung des einstigen Vorlandes und angrenzenden Wattflächen von 1979 bis 1982 war der nördliche Margrethenkoog mit tiefen Entwässerungsgräben und Drainagen durchzogen worden. Zwei Schöpfwerke pumpen Wasser aus dem Bereich in die Wiedau. Vorgesehen ist, dass die heutigen Landbesitzer, die die Flächen meist für Ackerbau nutzen, auf freiwilliger Basis ihre Felder für Naturschutz und Wasserspeicherung zur Verfügung stellen. Die Felder, auf denen heute zum Ärger der Landwirte auch Schwärme von Nonnengänsen und andere Zugvögel Nahrung finden und Schaden anrichten, sollen künftig ganzjährig feucht gehalten werden.

Naturstiftung verwaltet Schutzgebiet

Der Chefkonsulent von „Den Danske Naturfonds“, Mads Jacobsen, berichtet dem „Nordschleswiger“, dass die Stiftung für eine Umwandlung des Koogslandes in ein Naturparadies sorgen werde. „Den Danske Naturfonds“ ist auf die Pflege und den Unterhalt von Schutzgebieten spezialisiert. „Wir haben auf der Insel Mandø nach einer Flurbereinigung den Naturschutz verbessern können“, berichtet Jakobsen. Die EU-Mittel aus dem Programm EU-Life sind für Vorhaben zugunsten von Natur- und Klimaschutz vorgesehen.

Zugang für Besucher möglich

„Zum Konzept unserer Stiftung gehört auch der Zugang der Menschen in die Natur“, so der Naturschutzexperte. Am Vorhaben in Hoyer sind neben der Kommune Tondern, der Initiative Tonderner Marsch und „Den Danske Naturfond“ der dänische Nationalpark Wattenmeer, die staatliche Naturbehörde Naturstyrelsen, der einige Flächen im nördlichen Margrethenkoog gehören, sowie die deutsche Stiftung Naturschutz als Partner beteiligt. Die Umwandlung des nördlichen Margrethenkoogs wird auch die Ausschwemmung von Nährsalzen in die Wiedau und ins Wattenmeer vermindern. Naturschützer hoffen, dass nach der Umwandlung des südlichen Margrethenkoogs in ein vogelfreundliches Marschland auch der Nordteil des Kooges wieder Wat- und Wiesenvögeln Brutplätze geben wird, in dem schon jetzt Lerchen, Blaukehlchen, Rohrammern und Wiesenpieper im Frühling ihre Stimmen erklingen lassen.

Die Austernfischer sind vor dem Seedeich bei Hochwasser auf ihrem Rastplatz zu sehen. Im intensiv landwirtschaftlich genutzten Teil des Margrethenkoogs haben sie bisher meist wenig Bruterfolg. Foto: Volker Heesch

Beispielsweise Kampfläufer, die regelmäßig auf den wenigen verbliebenen Wiesen in der Nähe der Wiedauschleuse rasten, könnten im Nordteil des Kooges wieder brüten, wenn dort für Variation durch Wasserflächen, Brutinseln und Schutz vor Störungen gesorgt wird. Neue Brutinseln im südlichen Koogsbereich waren im vergangenen Jahr schon von Säbelschnäblern und auch Flussseeschwalben angenommen worden. Auch Uferschnepfen, Austernfischer und Rotschenkel sowie Greifvögel wie Wiesenweihe und Rohrweihe sind Kandidaten als Brutvögel. Vor der Eindeichung gab es sie in großer Zahl im Vorland. In Hoyer hoffen die Einwohner, dass es vom Ort her einen Wanderweg durch den Koog durch das künftige Naturparadies bis zum Seedeich geben wird.

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